Bereit für die Gäste: Martin (l.) und Michael Gaukler, Senior- und Juniorchef der Roten Wand in Geitau.
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Bereit für die Gäste: Martin (links) und Michael Gaukler, Senior- und Juniorchef der Roten Wand in Geitau.

Inzidenz verschiebt Öffnungen

Corona-Lockerungen: Gastronomie und Hotellerie bereiten sich vor - „Stammbesetzung ist bereit“

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  • Sebastian Grauvogl
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  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
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    Jonas Napiletzki

Im Mai soll es weitere Öffnungen geben. Während sich dies in Miesbach wegen der Corona-Inzidenz verschiebt, bereiten sich Gastronomen und Hoteliers auf die Öffnung vor.

Landkreis - Bei einer stabilen Inzidenz unter 100 dürfen Gäste ab 10. Mai in Biergärten sitzen – und ab 21. Mai in Hotels übernachten. Im Landkreis Miesbach liegt die Inzidenz aktuell noch bei 130. Trotzdem bereiten sich Gastronomen und Hoteliers bereits unter Hochdruck auf die Öffnung vor.

Um die Abstände auf der Terrasse einzuhalten, mussten einige Gäste der Roten Wand in Geitau im vergangenen Frühsommer in der Wiese sitzen. „Überraschenderweise war das dann aber unsere beliebteste Tischreihe“, erzählt Michael Gaukler (26), Juniorchef des Hotelgasthofs. Um heuer für die Öffnung der Außengastronomie noch besser gerüstet zu sein, haben die Gauklers ihren Garten neu gestaltet.

Corona im Landkreis Miesbach: Vorbereitung auf Öffnung der Gastronomie - Gasthof mit Gästehaus

Jeweils drei Tische gruppieren sich auf einem von Pflanzen gesäumten und von einem Schirm beschatteten Rondell. Die Zahl der Sitzplätze auf Terrasse und Biergarten bleibt jedoch unverändert bei knapp 200. „Wir wollten einfach die Abstände vergrößern“, betont Gaukler. Nicht nur wegen Corona. „Es ist auch so angenehmer, wenn man nicht direkt Rücken an Rücken sitzt“, ist der Juniorchef überzeugt.

Sollten die Gauklers ab den Pfingstferien auch ihre 70 Betten im Gasthof und im benachbarten Gästehaus wieder vermieten dürfen, wäre die Sommersaison wohl gerade noch gerettet. Personell sieht Gaukler keine Engpässe auf die Rote Wand zukommen. „Als Familienbetrieb“, sagt der Juniorchef, „tun wir uns da wesentlich leichter.“

Corona-Lockerungen: Tagungshotel bereitet sich vor - „Vertrauen in unsere Branche hat durch Lockdown sehr gelitten“

Urlauber gehören für gewöhnlich nicht unbedingt zum Stammklientel des Bayerischen Hofs in Miesbach. Doch schon im Sommer 2020 habe sich gezeigt, dass angesichts der coronabedingt hohen Nachfrage auf Ferien am Tegernsee und Schliersee samt entsprechender Preislage etliche Touristen Miesbach für sich entdeckt haben, berichtet Hotel-Geschäftsführer Uwe Schulze-Clewing. Heuer rechne er mit einem ähnlichen Trend.

Bereits jetzt wieder starten dürfen im Bayerischen Hof die medizinisch-psychologischen Nachbereitungsseminare für Afghanistan-Rückkehrer der Bundeswehr. 50 bis 60 Gäste erwartet Schulze-Clewing hierbei. Firmenveranstaltungen seien aber bis in den Juli hinein abgesagt worden.

Das Hochfahren des Betriebs sei gar nicht so einfach, betont der Geschäftsführer. Die gesamte Haustechnik müsse nach einer so langen Schließung intensiv gewartet werden, und auch personell habe man einige Abgänge verkraften müssen. Empfangsmitarbeiter hätten in Rechtsanwalts- oder Steuerkanzleien gewechselt, ein Barkeeper habe sich mit einem Lottogeschäft selbstständig gemacht. „Das Vertrauen in unsere Branche hat durch die Lockdowns sehr gelitten“, bedauert Schulze-Clewing. Insgesamt sei die Bindung des Personals aber groß. Manche Mitarbeiter seien sogar freiwillig zum Streichen oder Putzen gekommen.

Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. „Viele Mitarbeiter aus der Gastronomie sind inzwischen in andere Jobs abgewandert“, sagt er. Diese Kräfte – und diejenigen, die wegen des unzureichenden Kurzarbeitergelds in ihre Heimat gezogen sind – müsse man jetzt zurückholen. „Das geht aber nicht so leicht und nicht so schnell.“

Corona im Landkreis Miesbach: Biergarten-Öffnung in Valley

Im Bartewirt in Kreuzstraße hat sich Pächterin Erika Titsch während des Lockdowns deshalb etwas Besonderes ausgedacht, um ihre Mitarbeiter zu halten. „Wir vermarkten unser To-go-Geschäft mit dem Lieferservice von Lieferando“, sagt die 49-Jährige. Viel Geld verdienen lasse sich damit nicht – „aber es kommen viele Bestellungen rein, und alle sind beschäftigt“. Aus diesem Grund freut sich Titsch, wenn sie ihren Biergarten in der Gemeinde Valley wieder öffnen darf.

„Von mir aus auch von heute auf morgen – unsere Stammbesetzung ist bereit.“ Unsicher ist sich die Pächterin lediglich mit der Umsetzung: „Wir wissen nicht, ab wann es sich wirklich lohnt, Tische aufzustellen, welcher Abstand dann eingehalten werden muss und ob wir schon saisonale Aushilfen einstellen können.“

Corona-Lockerungen in Bayern: Besitzerin von Ferienwohnungen wartet auf Gäste

Auch Birgit Trinkl, Geschäftsführerin der gleichnamigen Ferienwohnungen in Bad Wiessee, meint: „Der Teufel steckt im Detail.“ Ihre Mitarbeiterinnen sind größtenteils in Kurzarbeit. Wie lange noch – das ist trotz der Öffnungsperspektive völlig unklar. „Ich stehe genauso ratlos da wie vorher“, sagt Trinkl, die ihre Ferienwohnungen an der Ludwig-Thoma-Straße seit elf Monaten geschlossen hat.

Gerne würde sie Gästen einen Aufenthalt in den Pfingstferien ermöglichen. „Aber selbst bei einer Öffnung will sich niemand darauf verlassen, dass wir nicht während des Aufenthalts wieder schließen müssen.“ Die Auftragsbücher der Bad Wiesseer Vermieterin sind für den Frühsommer deshalb noch recht leer. „Für August, September und Oktober haben wir dafür sehr viele Buchungen.“

Über die Öffnungsperspektive freut sich Trinkl. „Aber ein Start, der sich nicht vorausplanen lässt, ist schwer zu vermarkten.“ Kausch schließt sich dieser Meinung an: „Die Unternehmer brauchen unbedingt eine klare Perspektive.“ (jm/sg/nap)

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