Gesichtsmasken gehören inzwischen auch für Kinder zum Alltag. Flugblätter von Verschwörungstheoretikern warnen vor der Gefahr – offenbar ohne Grundlage.  Foto: AL
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Gesichtsmasken gehören inzwischen auch für Kinder zum Alltag. Flugblätter von Verschwörungstheoretikern warnen vor der Gefahr – offenbar ohne Grundlage.

Kinder im Visier

„Null Anzeichen, dass Masken schädlich sind“: Arzt kritisiert Verschwörungs-Flugblätter für Kinder

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Flugblätter rufen die Menschen zum Abnehmen von Masken auf. Ein Blatt richtet sich gezielt an Kinder. Der Ärztliche Landkreis-Koordinator für Corona hält davon nichts.

Landkreis – Mehrere Leser unserer Zeitung hatten Flugblätter des Sinsheimer Arztes Bodo Schiffmann („Querdenken“) im Briefkasten, der durch Corona-Verschwörungstheorien aufgefallen ist. Auf ihnen wird behauptet, Masken seien schädlich, Menschen sollten sie abnehmen. Ein Flugblatt richtet sich gezielt an Kinder. Beim Ärztlichen Bezirksverband laufen bereits Beschwerden über diese und ähnliche Aktionen auf. Wir haben mit Dr. Florian Meier, Ärztlicher Landkreis-Koordinator für Corona, über die Flugblätter und ihre Folgen gesprochen.

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Dr. Florian Meier, Ärztlicher Landkreis-Koordinator für Corona

„Null Anzeichen, dass Masken schädlich sind“: Dr. Florian Meier, Ärztlicher Landkreis-Koordinator für Corona

Herr Meier, ein Sinsheimer Arzt lässt Anti-Masken-Flugblätter im Oberland verteilen. Was ist da los?

Ich kenne die Flugblätter. Davon halte ich überhaupt nichts. Aber scheinbar wirken die Behauptungen: Jede Woche kommen zu mir zwei, drei Erwachsene, die für sich ein Attest zur Maskenbefreiung wollen oder für ihre Kinder. Manche sind völlig beratungsresistent. Wissenschaftliche Argumente wollen sie nicht hören.

Wie reagieren Sie?

Der Umgang ist schwierig. Ich glaube, dass sich einige durch Corona in ihrer Freiheit eingeschränkt sehen. Gegen viele Regeln können die Menschen aber nichts machen. Wenn Geschäfte oder Hotels zu sind, sind sie eben zu. Bei den Masken ist das anders: Dagegen kann jeder etwas tun, indem er sie nicht aufsetzt. Wenn dafür dann noch einige Ärzte scheinbare Argumente liefern, glauben ihnen manche gerne – auch wenn die Argumente keinen Sinn machen.

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Wie viele Atteste haben Sie ausgestellt?

Bislang fünf. Bei etwa 30 Anfragen. Das waren aber absolute Ausnahmefälle, meist Menschen, die an schweren Lungenerkrankungen leiden. Sie gehen nicht in Supermärkte. Auch Kinder, die keine Masken tragen können, sind so schwer krank, dass sie nicht die Schule besuchen. Für den Rest sind Masken völlig ungefährlich. Geschichten, Kinder wären erstickt oder umgefallen, sind völliger Quatsch. Es gibt null, überhaupt keine Anzeichen, dass Masken schädlich sind. Weder für Kinder noch für Erwachsene.

Entdecken die Verschwörungstheoretiker Kinder als neue Zielgruppe?

Das wohl weniger. Einige Flugblätter sprechen zwar Kinder an. Die hören aber eher auf Eltern und Vertrauenspersonen als auf Flugblätter. Mit Aktionen, die auf Kinder abzielen, wollen diese Gruppen Aufmerksamkeit erregen. Sie haben es mit Erwachsenen versucht, aber viele werfen die Blätter weg. Also zielen sie jetzt auf das schwächste Glied der Gesellschaft, die Kinder. Das soll die Leute emotional erreichen.

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