Mahnwache mit Kuscheltieren: Eine plakative Protestnote setzten Eltern und Kinder am Mittwochabend vor dem Haupteingang des Miesbacher Landratsamtes.
+
Mahnwache mit Kuscheltieren: Eine plakative Protestnote setzten Eltern und Kinder am Mittwochabend vor dem Haupteingang des Miesbacher Landratsamtes.

Kerzen und Kuscheltiere vor dem Landratsamt Miesbach

„Befremdlich und makaber“: Landrat entsetzt über Eltern-Protest gegen Maskenpflicht

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Dass Eltern gegen die Maskenpflicht in der Schulbank Sturm laufen, ist nicht neu. Vorm Miesbacher Landratsamt hat der Protest nun aber eine neue Dimension erreicht.

  • Mit Kerzen und Kuscheltieren vor dem Landratsamt haben Eltern gegen die Maskenpflicht an Schulen protestiert.
  • Die Initiatoren selbst wollen sich nicht namentlich zu den Gründen äußern.
  • Landrat Olaf von Löwis (CSU) äußert sich dafür umso deutlicher.

Miesbach – Über Kerzen und Kuscheltiere mussten die Mitarbeiter des Miesbacher Landratsamts gestern in der Früh auf dem Weg ins Büro steigen. Bilder, wie sie sonst nach tragischen Unglücken an Tat- oder Unfallorten zu sehen sind. Auch die Glastür des Haupteingangs an der Rosenheimer Straße sah anders aus als sonst. Sie war mit bunten Luftballons und Flugblättern, teils von Kindern bemalt, zugepflastert. „Stundenlange Maskenpflicht für Kinder = Körperverletzung“, stand auf einem selbst gebastelten Schild. Auf einem Zettel hieß es: „Kinder sind keine Spreader – Weg mit den Masken in der Schule.“ Ein anderes Plakat verkündete: „Kinder brauchen ein Lächeln, keinen Lappen im Gesicht.“ Und ein Mundschutz wurde als „Bakterienschleuder“ bezeichnet.

Miesbach: Mütter protestieren gegen Maskenpflicht - aber anonym

Durchgeführt wurde die Aktion am Mittwochabend. Der Miesbacher Merkur wurde spontan per Anruf durch die Initiatoren informiert mit der Bitte, ein Foto zu machen. Die Recherche nach den Beweggründen gestaltet sich deutlich schwieriger. Mehrere Mütter von Schulkindern sind zwar bereit, ihre Meinung zu äußern, namentlich zitieren lassen wollen sie sich aber nicht. Grund: Nicht jeder wolle mit allen getätigten Aussagen in Verbindung gebracht werden, zumal es ja um ein gesellschaftlich brisantes Thema gehe. Der Aufruf zur Aktion ist aber wohl durch die rund 250 Mitglieder starke Whatsapp-Gruppe mit dem Namen „Eltern stehen auf - Miesbach“ erfolgt.

Lesen Sie auch: Grundschulrektoren sehen Maskenpflicht am Platz entspannt

Der Tenor lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es könne nicht sein, dass Kinder im Unterricht – je nach Jahrgangsstufe – sechs bis acht Stunden am Stück Masken tragen müssen. Zumal deren gesundheitliche Unbedenklichkeit noch nicht bewiesen sei. Im Gegenteil: Die Mütter berichten von Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislauf- und Konzentrationsstörungen bei den Kindern. Auch psychisch würden diese leiden. Und das, obwohl Kinder keine Infektionstreiber seien.

Miesbach: Eltern fordern Ausnahmen von der Maskenpflicht wie in anderen Landkreisen

Man wolle nicht die Maskenpflicht als solche infrage stellen, beteuert eine Mutter. Vielmehr wünsche man sich eine Rückkehr zum Zustand von vor einigen Wochen, als die Schüler den Mund-Nasen-Schutz zumindest am Platz abnehmen durften. Andere Landkreise wie Ebersberg oder München würden zeigen, dass Ausnahmen möglich seien.

Landrat Olaf von Löwis ist die Kritik bekannt. Seit seiner Entscheidung, an Maskenpflicht und Präsenzunterricht in allen Jahrgangsstufen festhalten zu wollen, wird er von Briefen, E-Mails und Anrufen überflutet. „Ich bin für freie Meinungsäußerungen und kann mit sachlicher Kritik leben“, sagt Löwis. „Das halte ich aus.“ Zumal er auch mindestens genauso viel Zuspruch für sein Vorgehen erhalte.

Miesbach: Landrat bezeichnet Protest als „befremdlich und makaber“

Die Aktion vor dem Haupteingang des Landratsamtes schieße aber deutlich übers Ziel hinaus, macht der Landrat klar. „Unsere Mitarbeiter sind sieben Tage die Woche damit beschäftigt, Infektionsketten zu durchbrechen.“ Ein derart geäußerter Protest verunglimpfe die Bemühungen, die Pandemie im Landkreis einzudämmen. Vor allem die drastische Symbolik ärgert Löwis. Grablichter und gemalte Totenköpfe seien in diesem Zusammenhang „befremdlich und makaber“.

Alle Ärzte, mit denen das Landratsamt zusammenarbeite, hätten versichert, dass von Masken keine Gefahr für die Gesundheit ausgehe, auch nicht bei Grundschulkindern. Anders als in anderen Landkreisen sei das Coronavirus in Miesbach in der Fläche verbreitet. Auch Kinder im Kita- und Grundschulalter seien positiv getestet worden. Ausnahmen von der Maskenpflicht seien deshalb beim derzeitigen Infektionsgeschehen nicht machbar. Anders wäre in den vergangenen zwei Wochen kein Präsenzunterricht möglich gewesen. Der Landrat versichert aber, alle Maßnahmen immer wieder zu hinterfragen. „Vielleicht geben uns ja die Herbstferien Luft zum Durchatmen.“

Von seiner eigenen Familie wisse er aber, so Löwis, dass die Einstellung der Eltern entscheidend dazu beitragen könne, wie die Kinder mit der Maskenpflicht in der Schulbank klarkommen. „Wenn es die Eltern vorleben, tun sich auch die Kinder leichter. Mein achtjähriger Enkel hat mit der Maske kein Problem.“ (sg)

Auch interessant

Kommentare