Aline Brunner, Wirtin vom „Stadtplatz 13“ in Miesbach.
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Abschied von einem Traum: Nach fünf Jahren als Wirtin des „Stadtplatz 13“ beendet Aline Brunner dieses Kapitel.

Abschied von einem Traum

Keine Perspektive wegen Corona: Kult-Wirtin von Miesbach sperrt zu - „Kostet viel Energie - gerade psychisch“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Als Wirtin des Lokals „Stadtplatz 13“ hat Aline Brunner die Gastro-Szene in Miesbach geprägt. Nun steigt sie aus, tauscht den Tresen gegen einen Büroschreibtisch.

  • Die Corona-Pandemie stellt die Gastronomie vor große Herausforderungen.
  • Einer Kult-Wirtin aus Miesbach hat Corona nun den Stecker gezogen - sie wird ihr Lokal schließen.
  • Aline Brunner hat auch schon einen neuen Job gefunden - in einem Autohaus.
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Miesbach – Aline Brunner ist das, was man eine Wirtin aus Leidenschaft nennt. Die 28-Jährige ist Miesbacherin, trifft den Ton ihrer Gäste und hat ihr Lokal „Stadtplatz 13“ als beliebten Treffpunkt in der für die Gastronomie nicht gerade einfachen Kreisstadt etabliert. Daneben betreibt sie die Stadionwirtschaft des TEV Miesbach, und im Sommer 2021 sollte das Bistro im Warmfreibad Fischbachau ihr Portfolio komplettieren. Doch das ist nun hinfällig: Aline Brunner steigt aus.

Miesbach: Corona hat Kult-Wirtin den Stecker gezogen - sie schließt das „Stadtplatz 13“

Der Frau, die sich so voller Elan für Events in „ihrer Stadt“ engagiert und nach nur fünf Jahren im Geschäft als Kult-Wirtin bezeichnet werden darf, fehlt die Kraft. Corona hat ihr den Stecker gezogen. „Es kostet sehr viel Energie – gerade psychisch“, erklärt sie.

Die Verantwortung für ihre Mitarbeiter, dazu die fehlende Planbarkeit haben ihr in den vergangenen Wochen und Monaten sehr zugesetzt. Letztlich zu sehr. Findet Eishockey statt? Gibt es eine Freibad-Saison? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Ihr Fazit: „Es ist keine Planung mehr möglich.“ Aktuell nicht und auch in Zukunft nicht.

Kult-Wirtin aus Miesbach wurde Corona-Unsicherheit zu viel - „Brauche jetzt eine feste Basis“

Brunner, die seit Mai zur Stadtratsfraktion der Freien Wähler gehört, wurde die stete Unsicherheit nun zu viel. „Ich brauche jetzt eine feste Basis“, sagt sie. „Für mich.“ Das „Stadtplatz 13“ will sie weiterführen, bis ein neuer Pächter gefunden ist. Und beim TEV will sie die Saison ebenfalls zu Ende bringen.

Niemand soll hängen gelassen werden – das ist ihr wichtig. Leichter war es mit dem Freibad-Bistro in Fischbachau. Da bislang noch kein Vertrag unterzeichnet wurde, war hier der Ausstieg einfach. „Ich habe mit der Gemeinde geredet, auch mit den Verantwortlichen beim TEV und mit meinem Verpächter. Alle haben Verständnis für meine Situation. Auch meine Mitarbeiter.“

Büro anstatt Tresen: Kult-Wirtin arbeitet jetzt in einem Miesbacher Autohaus

Was ihr vor allem zusetzt, ist die fehlende Perspektive: „Niemand weiß, wie das mit Corona weitergeht“, sagt die 28-Jährige. „Ganz ehrlich, ich bin ein optimistischer Mensch, aber ich bin nicht optimistisch, was 2021 angeht. Es ist kein Ende in Sicht. Das zehrt und zieht Kraft.“

Deshalb hat sie sich entschlossen, sich wieder einen normalen Job zu suchen. Und der ist schon gefunden – in einem Miesbacher Autohaus. Von 8 bis 17.30 Uhr arbeitet sie dort, danach geht es ins „Stadtplatz 13“ zum Lieferservice. Einkommen, Urlaub – alles planbar.

„Ich rackere jeden Tag, damit alles läuft, aber wie lange soll das so gehen?“

Der Gedanke, Schluss zu machen, kam im September. „Den ersten Lockdown haben wir noch gut überstanden“, erzählt sie. Das „Stadtplatz 13“ sei dennoch gut gelaufen. Aber Zweifel für die Zukunft blieben. Dann die steigende Inzidenz im Sommer, der zweite Lockdown zeichnete sich ab. Immer mehr Einschnitte im Eisstadionbetrieb, und dann der erneute Bannstrahl auf die Gastronomie.

„Jede Woche eine neue Entwicklung, Und immer die Frage: Wie geht es weiter? Was kommt? Was machen wir? Das Personal, die Kosten.“ Die Verlängerung des Lockdown bestätigt sie. „Wir haben keine Kurzarbeit. Ich rackere jeden Tag, damit alles läuft, aber wie lange soll das so gehen?“

Kult-Wirtin will sich weiter für Miesbach engagieren

Mit ihrem Spurwechsel ist Aline Brunner zufrieden. „Ich hatte fünf wunderbare Jahre als Gastronomin. Ich habe mir meinen Traum erfüllt und, wie ich denke, einiges geschafft.“Auch künftig will sie sich für Miesbach engagieren. „Die Motivation dazu habe ich weiterhin“, sagt sie. „Nur Burger gibt es dann keine mehr.“

Die strengen Corona-Maßnahmen in Seniorenheimen stehen oft in der Kritik. Zu Unrecht findet eine 83-Jährige, die ins AWO-Zentrum in Miesbach gezogen ist. Corona-Aufregung herrscht dagegen im Krankenhaus Agatharied: Ein bei Aufnahme negativ getesteter Patient und sein Bettnachbar sind an dem Virus erkrankt. Ab sofort gilt ein Besuchsverbot.

(ddy)

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