Sitzungen statt Kultur: Isabella Krobisch im Saal des Waitzinger Kellers.
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Sitzungen statt Kultur: Isabella Krobisch im Saal des Waitzinger Kellers.

Corona-Lockerungen und steigende Infektionszahlen

Öffnungsperspektive trotz Corona? Waitzinger Keller in Miesbach wartet ab - Was würden Sie tun?

Ab kommender Woche dürfen Theater- und Konzertsäle bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 öffnen – theoretisch. Praktisch ist das kaum umsetzbar. So will der Waitzinger Keller in Miesbach verfahren.

Miesbach – Mit dem Stufenplan zu schrittweisen Corona-Lockerungen haben auch die Kulturstätten eine Perspektive bekommen. Eine sehr theoretische. Im Waitzinger Keller in Miesbach, dem größten Kulturzentrum im Landkreis, ist bis auf Weiteres noch nichts geboten an Theater, Konzerten, Kabarett und mehr. „Wir warten mit der Entscheidung, ob wir zumindest wieder kleine Veranstaltungen anbieten, auf alle Fälle bis nach den Osterferien“, sagt Leiterin Isabella Krobisch auf Anfrage unserer Zeitung. Also ab 12. April.

Aktuell liegt die Inzidenz im Landkreis zwischen 50 und 100. Bleibt das so, dürften ab Montag, 22. März, Konzerte und Theatervorstellungen stattfinden, die Besucher müssten aber einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnell- oder Selbsttest als Eintrittsvoraussetzung vorlegen. Weiterhin wären Abstands- und weitere Hygieneregeln einzuhalten. Doch die Aussichten sind für den Waitzinger Keller zu unsicher, um damit zu planen. Und die Hürden sind hoch. „Wir haben viele Veranstaltungen, die sich erst ab 300 Besuchern rechnen“, erklärt die Chefin des Waitzinger Kellers und des Kulturamts der Stadt. „Es macht einfach keinen Sinn, so leid es mir tut.“

„Wir sind schon gebrannte Kinder“, sagt Krobisch. Das Team hatte für Herbst ein Programm auf die Corona-Vorgaben maßgeschneidert. Im Oktober nahmen die Infektionszahlen Fahrt auf, im November kam der zweite Lockdown – alles für die Katz. Krobisch ist auch unsicher, wie es überhaupt um die Lust bestellt ist, Veranstaltungen zu besuchen. „Mich würde sehr interessieren, was das Publikum eigentlich denkt.“

„Anatevka“ ist wieder verschoben

Mit ihrer Skepsis ist Krobisch nicht allein. „Alle großen Veranstaltungen, die für April bis Juni geplant waren, haben die Veranstalter selbst schon in den Herbst verschoben.“ Betrifft Kaliber wie etwa Kabarettist Bruno Jonas. Die Jubiläumsauflage des Harfenfestivals, das 2020 zum 25. Mal angesetzt war, ist inzwischen ganz abgesagt, auch die Hegeschau findet nicht statt. Am Montag wurde beschlossen, dass das Freie Landestheater Bayern (FLTB) seine „Anatevka“ zum vierten Mal verlegen muss, von April/Mai in den Herbst. Dass doch ab und an Leben im Saal einkehrt, ist Sitzungen und Prüfungen etwa der Industrie- und Handelskammer oder dem Abitur zu verdanken. Auch Open-Air-Veranstaltungen im Sommer sind derzeit nicht in Sicht. „Freiluft erfordert viel Technik und damit viel Geld“, sagt Krobisch.

„Den Mut haben wir aber nicht verloren“, versichert sie. „Wir haben schon Pläne.“ Nur verkünden mag sie die erst mal noch nicht. Sie hofft fest, dass mit dem Fortschritt der Impfungen trotz Mutanten auch das kulturelle Leben ab Herbst wieder neu aufblühen kann.

ag

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