1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Trotz Corona-Schließung: Darum müssen Eltern weiter Kita-Gebühren zahlen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Inge-Beisheim-Kindergarten in Agatharied
Alles ruhig: Auch im Inge-Beisheim-Kindergarten in Agatharied steht der Betrieb wegen des Coronavirus still. © Thomas Plettenberg

Die meisten Eltern im Landkreis Miesbach müssen trotz der Schließung von Kitas und Krippen wegen des Coronavirus ihre Gebühren weiterzahlen. Das sagen die Einrichtungen dazu.

Landkreis – Meist geht es nur um niedrige zweistellige Eurobeträge. Als größerer Posten auf dem Kontoauszug tauchen die Kindergartengebühren bei vielen Familien im Landkreis nicht auf, erklärt Bernhard Padeller, Vorsitzender des Kindergartenvereins Hundham. Für die Einrichtungen seien die Zahlungseingänge der Eltern aber von existenzieller Bedeutung. Denn nur dann würden auch die Zuschüsse von Gemeinde, Landkreis und Freistaat fließen. „Wenn uns dieses Geld fehlt, können wir keine Gehälter mehr zahlen“, sagt Padeller. „Das überlebt keine Einrichtung länger als vier Wochen.“ Egal, welcher Träger dahinterstehe.

Normalerweise gehören die Kinderbetreuungsgebühren für Eltern zu den monatlichen Fixkosten wie Strom und Lebensmittel. Doch seit der Schließung der Einrichtungen wegen des Coronavirus stellen sich einige die Frage, warum sie weiterzahlen müssen, obwohl sie ihre Kinder gezwungenermaßen selbst zuhause betreuen. Vor allem bei den deutlich teureren Krippenplätzen ist dies ein Thema. Und noch mehr, wenn die Eltern selbst von Kurzarbeit oder Umsatzeinbußen in ihrem Geschäft betroffen sind.

Petra Götzenberger, Leiterin des Kinderlands in Weyarn, hat dafür „vollstes Verständnis“. Dennoch erhebt auch ihre Einrichtung als privater Träger weiterhin Gebühren, allerdings ohne das zusätzliche Essens- und Spielgeld. Somit laufe es zumindest bei den Kindergartenplätzen dank der Zuschüsse oft auf ein „Nullsummenspiel“ heraus. Anders bei Krippe und Hort: Hier wäre es ein guter Zeitpunkt für die Politik, den Eltern über einen Sondertopf unter die Arme zu greifen. „Das wäre für viele eine große Entlastung“, sagt Götzenberger. Die Folgen der Corona-Krise haben auch die Mitarbeiter im Kinderland schon zu spüren bekommen. Etliche sind in Kurzarbeit, allerdings stockt der Träger ihre Gehälter auf, sodass sie keine großen Einbußen verkraften müssen, betont Götzenberger. Sie hofft, dass die Eltern auch weiterhin so viel Verständnis zeigen. Dies werde sich am Ende auch auszahlen. „Wir werden nach der Krise genauso gebraucht wie vorher.“

Lesen Sie auch: Alle Infos zum Coronavirus im Landkreis Miesbach

Um Solidarität bittet auch der Katholische Kindergartenverbund Tegernseer Tal. In einem Elternbrief weist Franz Hafner als Vorsitzender unter anderem auf die weiterlaufenden Personalkosten hin. „Unsere Mitarbeiter verdienen keine Reichtümer“, sagt Hafner auf Nachfrage. Deshalb wolle man sie in diesen Zeiten auch nicht zusätzlich belasten. Als Entgegenkommen für die Eltern verzichten auch die Einrichtungen im Verbund auf das Verpflegungsgeld. Familien, denen selbst die normalen Gebühren zu viel seien, könnten von der Härtefallregelung Gebrauch machen und beim Jugendamt einen Antrag auf Reduzierung der Beiträge stellen. Sollte es parallel zu einem Zuschussprogramm der öffentlichen Hand kommen, werde man die bereits gezahlten Gebühren selbstverständlich zurückerstatten, betont Hafner.

Das will die Kasse im Haushamer Rathaus vermeiden. „Das wäre buchhalterisch ein großer Aufwand“, erklärt Bürgermeister Jens Zangenfeind. Deshalb habe die Gemeinde entschieden, ab April vorerst keine Kita- und Krippengebühren mehr einzuziehen. Was aber nicht bedeutet, dass die Eltern nichts mehr bezahlen müssen. Vielmehr will sich Hausham laut Zangenfeind mit den anderen kommunalen Trägern im Landkreis abstimmen. „So etwas muss für alle Familien gleich sein.“

Lesen Sie auch: Aktualisiert: Corona-Service im Landkreis Miesbach

Dass so gut wie alle Eltern mit dem derzeitigen Vorgehen einverstanden sind, bestätigen alle befragten Träger und bedanken sich für das „vorbildliche Verhalten“. Und auch wenn die Betreuung derzeit pausiert, sind die Gebühren langfristig gut angelegt, sagt Padeller. So würden sich die Mitarbeiter des Kindergartenvereins Hundham derzeit in Schulungen und Projektarbeit intensiv auf die Wiederaufnahme des Betriebs vorbereiten. Anlaufschwierigkeiten dürfte es laut Padeller in Hundham nicht geben. „Wenn wir heute Nachmittag grünes Licht kriegen“, meint er schmunzelnd, „können wir morgen ab 7 Uhr in der Früh Volldampf geben.“

Auch interessant

Kommentare