Schnelltest, Corona
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Der Start des kostenlosen Schnelltest-Angebots des Bundes verläuft schleppend (Symbolfoto).

Zweites Testzentrum kommt bald

Corona-Schnelltests: SPD fordert mehr Initiative vom Landkreis - Landrat ärgert Kritik

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Mehr Initiative in Sachen Corona-Schnelltests hat die SPD-Kreistagsfraktion vom Landkreis gefordert. Den Landrat ärgert die Kritik. Weniger der Inhalt, als mehr die Form.

Miesbach/Landkreis – Mit ein paar Minuten Verspätung huschte Christine Negele (SPD) in den Sitzungssaal an der Wendelsteinstraße in Miesbach. Dem Unmut des Landrats entkam die einzige SPD-Vertreterin im Kreisausschuss trotzdem nicht. „Ich gehe gerade mit euch ins Gericht“, sagte Olaf von Löwis (CSU) zu Negele, hinterlegte die Bemerkung aber mit einem durchaus versöhnlichen Schmunzeln.

Landrat findet Kritik „demotivierend“

Dennoch machte der Landrat keinen Hehl draus, dass er sich über den Antrag der SPD-Fraktion, den Kreisrat Wolfgang Huber zum Thema „Corona-Tests für alle“ verfasst hatte, ziemlich geärgert habe. Weniger über den Inhalt, als mehr über die Art und Weise, wie dieser vorgebracht wurde – nämlich zeitgleich an die Presse. „Damit hatten wir keine Möglichkeit, zu reagieren“, schimpfte Löwis. Das Koordinierungsteam des Landkreises mit all seinen Mitstreitern, die rund um die Uhr an der Bewältigung der Pandemie arbeiten würden, fühle sich „ungerechtfertigt kritisiert“. Das, so der Landrat, sei in der aktuellen Situation ziemlich „demotivierend“. Gar als „unmöglich“ bezeichnete Rottach-Egerns Bürgermeister Christian Köck (CSU) die Form des SPD-Vorstoßes.

Anlass des Antrags war die Tatsache, dass bislang kein Bürger des Landkreises einen der angekündigten kostenlosen Schnelltests erhalten hat. Die Fraktion forderte daher das Landratsamt dazu auf, selbst die Initiative ergreifen. „Dezentrale, kostenlose Tests für alle, ohne große Formalitäten, stellen eine sehr gute Möglichkeit dar, Infektionen frühzeitig zu erkennen und einzugrenzen“, schreibt Allgemeinarzt Huber. „Diese Chance sollten wir ergreifen.“ Miesbach könne sich dabei an einer Reihe anderer Kommunen orientieren.

SPD fordert: Landkreis soll in Vorleistung gehen, statt auf Bund zu warten

So laufen etwa in Pfaffenhofen seit Ende Januar gleich sechs Schnelltestzentren, an denen sich symptomlose Bürger auf das Coronavirus testen lassen können. Die Stadt Augsburg betreibt seit 1. März zwei Zentren und obendrein ein Testmobil. „Auf die dortigen Erfahrungen sollte der Landkreis Miesbach aufbauen und, ohne auf die Bundesverordnungen zu warten, in Vorleistung gehen – organisatorisch und finanziell“, schreibt Huber.

Lesen Sie auch: Weiter keine Schnelltests: Landratsamt verärgert

Der Landrat konnte keine mangelnde Initiative des Landkreises erkennen. „Wir schlafen nicht, können aber auch nichts dafür, wenn es an Unterstützung von oben fehlt“, sagte Löwis. Jeder, der sich testen lassen wolle, könne dies tun. Obendrein suche der Landkreis gerade nach einem Standort für ein neues Testzentrum. „Wir haben da einige tolle Angebote von Unternehmen erhalten“, berichtete Löwis. An den Schulen würden ab kommender Woche zweimal wöchentlich Schnelltests durchgeführt.

Negele betonte, der Antrag sei nicht als Kritik gedacht, sondern als Vorstoß für dezentrale Tests. „Dann hättet ihr es auch so formulieren müssen“, schloss Löwis. „Nicht alles, was gut gemeint ist, kommt auch gut an.“

sg/ag

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