Apotheke, Aldi, Anzeige, Selbsttests
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Der Vergleich hinkt: Dass Selbsttests beim Discounter günstiger sind als in der Apotheke, liegt nicht nur an der Beratung der Kunden, sondern auch am Einkaufspreis.

Bei Aldi nur halb so teuer

Bereicherung der Apotheken? Kunde entsetzt über Preisunterschiede bei Corona-Selbsttests - „Skandalös“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Bei Aldi kostet ein Corona-Selbsttest 4,95 Euro, in der Apotheke mehr als doppelt so viel. Eine Kunde aus Bayern wittert Bereicherung - doch es gibt eine plausible Erklärung.

Miesbach – Fast ein bisschen ungläubig verglich Ludwig Schaffernicht den Corona-Selbsttests in seiner Hand mit dem auf der Zeitungsanzeige des Discounters Aldi. „Erst hab ich mir gedacht, das von Aldi ist bestimmt nur ein billiges Imitat“, erzählt der Miesbacher. Was den Preisunterschied angeht, war sein Verdacht nicht unberechtigt. 4,95 Euro verlangt der Discounter für einen Antigen-Selbsttest. Schaffernicht hatte nur zwei Tage zuvor einen in der Bienenapotheke in Miesbach gekauft. Preis: 9,95 Euro. Doch beim genauen Hinsehen musste er feststellen, dass es sich um exakt dasselbe Produkt der Firma Hotgen Biotech handelt.

Corona-Schnelltests im Handel: Kunde wittert Bereicherung der Apotheker

Schaffernicht war fassungslos. „Damit habe ich in der Apotheke mehr als doppelt so viel bezahlt, als wenn ich zu Aldi gegangen wäre.“ Es gehe ihm gar nicht um die fünf Euro an sich, betont der Miesbacher. Er frage sich vielmehr, wie die Differenz zustande komme. Aldi müsse ja auch etwas an den Corona-Selbsttests verdienen. „Bei rund 18 000 Apotheken in Deutschland verdient hier aber irgendwer exorbitant“, vermutet Schaffernicht. Großhändler, Vermittler oder gar die Apotheker selbst? Nach dem Ärger um überteuerte Masken sei es zumindest nicht ausgeschlossen, dass sich manche auch mit den Selbsttests an der Pandemie bereichern, mutmaßt der Miesbacher. Dies sei „skandalös“ und müsse öffentlich gemacht werden. Schließlich war auch die kostenlose Ausgabe von FFP2-Schutzmasken für deutsche Apotheken ein Geldsegen. Viele können ihr Glück bis heute nicht fassen.

Selbst-Tests bei Corona-Infektion: Aldi verkauft sie zum Selbskostenpreis

Den Vorwurf der Bereicherung weist Angela Maier, Inhaberin der Miesbacher Bienenapotheke, vehement zurück. Den grundsätzlichen Unmut ihres Kunden kann sie aber nachvollziehen. Sie selbst habe eine geringe Menge der besagten Tests von einer Kollegin in München gekauft. Zu diesem Zeitpunkt sei die Verfügbarkeit noch eingeschränkt gewesen – auch bei den Discountern. Sie selbst habe einen Netto-Einkaufspreis von 6,50 Euro bezahlt, versichert Maier. Damit reduziere sich der Aufschlag auf 30 Prozent. Dieser sei nicht überzogen, zumal die Kunden in der Apotheke auch noch eine Beratung und Erklärung zur Handhabung der Nasenabstrich-Tests bekommen würden.

Maier macht keinen Hehl daraus, dass sie selbst ziemlich erschrocken ist, als sie die Preise von Aldi gesehen hat. „Das bringt uns natürlich in Erklärungsnot“, sagt die Apothekerin. Als ihre Kollegin daraufhin bei der Herstellerfirma nachgefragt habe, hätte diese ihr mitgeteilt, dass Aldi eben einen „Sonderdeal“ abgeschlossen habe und die Tests obendrein zum Selbstkostenpreis an die Kunden abgebe. „Mit so was“, bittet Maier ihre Kunden um Verständnis, „können wir Apotheken leider nicht mithalten“.  

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sg

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