„Extrem zufrieden“: Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits (l.) und sein Vorstandskollege Udo Stefan Schlipf sehen die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee auf einem guten Weg – trotz andauernder Niedrigzinsen.
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„Extrem zufrieden“: Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits (l.) und sein Vorstandskollege Udo Stefan Schlipf sehen die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee auf einem guten Weg – trotz andauernder Niedrigzinsen.

Bilanz 2019 vorgelegt

Kreissparkassen-Chef: „Corona war ein Katalysator“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat gestern ihre Bilanz 2019 vorgestellt. Das Ergebnis fiel mit knapp drei Millionen Euro Überschuss nach Steuern recht gut aus. Auf die Corona-Krise hat sich das Kreditinstitut gut eingestellt und wichtige Erkenntnisse für die Zukunft gewonnen.

  • Kreissparkasse legt gutes Ergebnis vor
  • Corona-Krise gut bewältigt
  • Niedrigzinsen bleiben die große Herausforderung

Miesbach – Der Plan hat funktioniert. Die Umstrukturierung des Vertriebs, die die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee 2018 in die Wege geleitet hat, hat sich aus Sicht von Martin Mihalovits gut entwickelt. Das Kreditinstitut habe 2019 ein – bayernweit betrachtet – überdurchschnittliches Wachstum hingelegt. Bei den Krediten legte die Kreissparkasse 10,8 Prozent zu und bei der Einlage 4,7 Prozent. Beim gestrigen Bilanzpressegespräch in Miesbach sagte der Vorstandsvorsitzende: „Wir sind extrem zufrieden.“

Herausforderung sinkende Zinseinnahmen

Angesichts der weiter anhaltenden Niedrigzinsphase und des sich verändernden Kundenverhaltens bleibt die Herausforderung, trotz steigender Kosten und sinkender Einnahmen – die einst höheren Zinsverträge laufen zunehmend aus – in Einklang zu bringen. Ein Hebel dazu ist die Digitalisierung. Mit der neuen „Filiale der Zukunft“ in Holzkirchen habe die Kreissparkasse Ende 2019 bereits einen großen Schritt in Richtung Innovation und Netzwerk-Plattform gemacht. Doch dann kam Corona.

Die Pandemie hat bei der Kreissparkasse vieles von heute auf morgen auf den Kopf gestellt, und einiges empfinden Mihalovits und sein Kollege Udo Stefan Schlipf, der sich im Vorstand um die internen Belange kümmert, als glückliche Fügung. Vieles sei technisch bereits vorhanden gewesen, sagt Mihalovits, „aber erst mit Corona haben wir Video- und Telefonkonferenzen konsequent eingesetzt“. Die Erfahrungen gerade mit Blick auf die Effizienz gegenüber Präsenzterminen seien unter dem Strich sehr positiv gewesen. Wie auch das Krisenmanagement.

150 Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet

„In kürzester Zeit konnten wir 150 Homeoffice-Arbeitsplätze einrichten, um als systemrelevantes Unternehmen weiter zu funktionieren“, berichtet Mihalovits. Zehn der 14 Geschäftsstellen im Landkreis wurden geschlossen, die Aufgabenbereiche der insgesamt 322 Mitarbeiter – darunter zwölf Auszubildende – wurden den neuen Anforderungen angepasst. Eine Bereitschaft, die Schlipf ausdrücklich hervorhebt: „Die Belegschaft ist sehr motiviert. Alle haben gesagt, dass die Kreissparkasse in solch einer Situation da sein muss, und haben dabei viel Selbstverantwortung gezeigt.“

Viele Firmen seien auf Beratung und Hilfe angewiesen gewesen. Insgesamt wurden bislang 21,3 Millionen Euro an Unternehmen ausgegeben, mehr sei noch in der Pipeline. „Wir wissen, dass etwa 300 Unternehmen bei uns wegen Corona-Hilfen angefragt haben“, erklärt Mihalovits. „Davon haben 200 ihren Bedarf auf rund 40 Millionen Euro konkretisiert. Wir gehen davon aus, dass noch weitere auf uns zukommen.“

Anschubwirkung auf Digitalisierung

Die Hilfen wurde in drei Stufen gewährt: Überziehung, Tilgungsaussetzung und Überbrückungskredite. Über 500 Kunden hätten eine Aussetzung ihrer Kredittilgung bewilligt bekommen – für drei bis neun Monate. Insgesamt fehlten damit 1,1 Millionen Euro pro Monat an Einnahmen.

Im Zuge der Corona-Krise wurde im Kundenbereich die Digitalisierung vorangetrieben. „Corona war ein Katalysator“, sagt Mihalovits. Als größtes Kreditinstitut im Landkreis betreut die Kreissparkasse 50 803 Kunden. Aktuell nutzen an die 40 000 Kunden einen Online-Zugang – Corona habe hier wie auch beim Kundenservicecenter die Nachfrage verstärkt.

Das ist auch für die Zukunft von Bedeutung. Denn die Sparkasse befindet sich weiter in einer schwierigen Marktsituation: Sie muss die Kosten im Griff behalten, während die Zinseinnahmen sinken. Das gehe nur durch Wachstum und Digitalisierung. Dennoch wolle man – das sei fix – weiterhin in der Fläche bleiben. Die Geschäftsstellen sollen bleiben, aber dem jeweiligen Kundenbedarf angepasst werden. Zudem soll nicht jede frei werdende Stelle nachbesetzt werden. Laut Schlipf gebe es zwei zentrale Ziele: „Wir wollen die Nähe zum Kunden nicht belasten. Und der Landkreis soll auch weiterhin eine eigene Sparkasse haben.“

Die Sparkasse in Zahlen

Bilanzsumme 1,96 Mrd. Euro (2018: 1,87 Mrd.), Jahresüberschuss 2,8 Mio. Euro (2,7), Einlagen der Kunden: 1,62 Mrd. Euro (1,55 Mrd.), Kredite an Kunden 1,32 Mrd. Euro (1,19 Mrd.), Eigenkapital 142,7 Mio. Euro (139,8 Mio.), Onlinebanking-Nutzer 38 276 (35 230), Spenden für gemeinnützige Zwecke 250 000 Euro.

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