Coworkerei in Dürnbach
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Modernes Arbeiten in der Praxis: Maria Glas nutzt einen der Schreibtische in der Coworkerei in Dürnbach.

SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid im Interview

“Krise intelligent nutzen“: Wirtschaftsförderer sieht Perspektiven für Landkreis

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Der Neustart nach Corona hat begonnen. Die Unternehmen im Landkreis Miesbach fahren den Betrieb langsam wieder hoch. Langfristig könnten sie sogar von der Krise profitieren.

Landkreis – Der Neustart nach Corona hat begonnen. Restaurants und Hotels im Landkreis fahren den Betrieb nach dem Shutdown langsam wieder hoch. Doch wie schnell kann sich die Wirtschaft im Landkreis von der Schockstarre erholen? Und wie müssen sich die Unternehmen aufstellen, um weiterhin erfolgreich arbeiten zu können? Das haben wir den Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach, Alexander Schmid, gefragt. Ein Gespräch über Lerneffekte, Chancen und Konzepte.

Herr Schmid, wie sind die Unternehmen im Landkreis bis jetzt durch die Krise gekommen?

Alexander Schmid: Je nach Branche sehr unterschiedlich. Weil bei uns ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung im Bereich Gastronomie, Hotellerie und Events erwirtschaftet wird, sind wir schon stärker betroffen als der Durchschnitt der bayerischen Landkreise. Aktuell können wir aber nur die kurzfristige Entwicklung beurteilen. Mittel- bis langfristig könnte die Krise dem Landkreis sehr schaden, andererseits aber auch neue Perspektiven eröffnen. Darauf müssen wir uns bereits jetzt vorbereiten.

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Ist es dafür nicht ein bisschen zu früh? Viele Betriebe versuchen doch gerade erst, sich nach dem Shutdown wieder aufzurappeln.

Alexander Schmid, SMG-Geschäftsführer.

Alexander Schmid: Das stimmt. Wir sind in großer Sorge um die Industrie und den Einzelhandel in der Region. Dennoch möchte ich Optimismus für die Zukunft verbreiten, denn aus vielen Gesprächen mit hiesigen Unternehmern weiß ich, dass sich die Lockerungen und auch die zahlreichen Hilfsangebote positiv bemerkbar machen. Sicher auch ein Erfolg der Task Force Tourismus und Gastronomie, die der neue Landrat Olaf von Löwis noch vor seinem offiziellen Amtsantritt ins Leben gerufen hat. Ich bin überzeugt, dass wir in vielen Bereichen bald aus dem Status des „Auf Sicht fahren“ herauskommen werden. Dann ist es unsere Aufgabe, die Chancen für die Zeit nach Corona zu nutzen.

Weil dann alles wieder so ist wie vorher?

Alexander Schmid: Nein, im Gegenteil. Gerade weil wir in der Krise viel gelernt haben, wird sich die Arbeitswelt weiter verändern. Die Unternehmen haben die Möglichkeiten der Digitalisierung erkannt und nutzen sie viel stärker als vor der Pandemie. Homeoffice ist plötzlich keine Ausnahme mehr. Wenn weniger Bürger pendeln, weil sie zuhause oder in einem Coworking-Büro arbeiten, nimmt der Verkehr dementsprechend ab. Gelingt uns das, haben wir für die Infrastruktur in unserer Region eine Menge erreicht. Auch öffentliche Verwaltungen setzen das E-Government auf ihrer Agenda ganz oben an, was der Wirtschaft enorm helfen wird. Wenn wir diese Themen intelligent angehen und dafür in der Region die Voraussetzungen schaffen, können gerade wir im ländlichen Raum stark von diesen Trends profitieren.

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Also brauchen wir so schnell wie möglich Breitband bis zum letzten Hof?

Alexander Schmid: Nicht nur das. Es geht auch um ganz neue Angebote, die dabei helfen, die Wirtschaft im Landkreis und die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen. Da haben wir schon länger ein paar spannende Dinge in Arbeit.

Können Sie schon etwas verraten?

Alexander Schmid: Klar. Ein großes Projekt betrifft den Einzelhandel. Dabei geht es um die Einführung einer Art Regionalwährung, mit der man nur hier vor Ort einkaufen kann. Ich habe mir da in den vergangenen Jahren viele Beispiele angeschaut, etwa den „Chiemgauer“ oder verschiedene Citycards. Nicht alle Systeme hatten Erfolg, aber wenn wir uns das Beste aus allen heraussuchen und entsprechende Anreize für die Unternehmen, vor allem aber auch für die Kunden schaffen, könnte das ein echtes Steuerungsinstrument für mehr Wirtschaftskraft im Landkreis werden. Das entsprechende Konzept werden wir in Kürze vorstellen. Fördermittel haben wir übrigens auch schon in Aussicht.

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Dann ist da ja noch der Traum von einem Hochschulstandort im Landkreis...

Alexander Schmid: In der Tat ein spannendes Thema. Mir schwebt aktuell eher eine Art Innovationszentrum vor. Dafür bietet sich natürlich eine Kooperation mit einer der Hochschulen in unseren Nachbarlandkreisen an. Um so etwas realisieren zu können, brauchen wir aber die Unterstützung der Politik. Die Vorteile sprechen aber für sich: Wir könnten damit nicht nur Fachkräfte in den Landkreis holen, sondern auch gänzlich neue Firmen wie vielversprechende Start-Ups. Gerade die Corona-Krise hat vielen gezeigt, welche Vorteile Leben und Arbeiten auf dem Land bieten. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Und eine Möglichkeit, um uns resilienter gegen mögliche weitere Krisen zu machen.

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