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Ist gerüstet: Apotheker Fritz Grasberger zeigt zwei Atemschutzmasken. Das linke Modell ist offiziell als Schutz vor Coronaviren zugelassen, das rechte nicht. 

„Wir sind gut vorbereitet“

Coronavirus: Ärzte und Behörden im Landkreis warnen vor Panik

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Die Sorge vor dem Coronavirus wächst im Landkreis Miesbach. Ärzte und Behörden warnen vor Panik -  und bereiten sich auf den Ernstfall vor.

Landkreis – Fast 8400 Kilometer trennen Miesbach von Wuhan. Zu viel für einen nur 120 bis 160 Nanometer winzigen Erreger. Doch mit unfreiwilliger Unterstützung des Menschen braucht es nicht viel, und die Infektionsgefahr durch das Coronavirus steht plötzlich direkt vor der Tür. „Einige Firmen im Landkreis haben eine rege Reisetätigkeit von und nach China“, sagt Dr. Thomas Straßmüller, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV). Tatsächlich hätten sich bereits erste Patienten in den Praxen gemeldet, die eine mögliche Infektion befürchtet hätten. Bewahrheitet habe sich bislang keiner der Fälle, beruhigt Straßmüller.

Bald auch Verdachtsfälle im Landkreis Miesbach?

Das könnte sich bald ändern. „Wir müssen uns durchaus darauf einstellen, dass auch bei uns im Landkreis bald die ersten Verdachtsfälle auftauchen“, sagt der Experte. Eben so, wie es im Landkreis Starnberg bereits passiert ist (wir berichteten im überregionalen Teil). Die Vorbereitungen seien bereits angelaufen. Hausärzte, Krankenhaus, Gesundheitsamt sowie Katastrophenschutzvertreter stünden in engem Austausch. „Wir nehmen diese Sache sehr ernst, wollen aber keine Panik verbreiten“, sagt Straßmüller. Darum bittet auch das Landratsamt. Man werde die Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen, sagt Pressesprecher Birger Nemitz. „Es besteht überhaupt kein Grund für übergroße Besorgnis. Wir sind vorbereitet.“

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Da sich das Coronavirus wie andere Infekte über Tröpfcheninfektion verbreite, könne man damit auch dieselben Handlungsempfehlungen an Ärzte und Patienten herausgeben, ergänzt Straßmüller. Letztere sollten, sofern sie bei sich selbst – meist wegen Erkältungssymptomen innerhalb von zwei Wochen nach einer Chinareise – eine Ansteckung mit dem Coronavirus für möglich halten, ihren Hausarzt erst telefonisch kontaktieren und nicht direkt in die Praxis kommen.

Möglicherweise Betroffene sollten nicht in Praxis kommen

Ansonsten müsse man sie in einen separaten Raum setzen, damit sie nicht mit den anderen Wartenden in Kontakt kommen. Für die Diagnose (der Abstrich wird ins Mikrobiologische Institut der Bundeswehr in München geschickt) würden die Praxen Atemschutzmasken und Brillen fürs Personal vorhalten, so Straßmüller. Grundsätzlich rät er möglicherweise betroffenen Patienten, zuhause zu bleiben. „Ein Hausbesuch des Arztes hält Aufwand und Risiko in Grenzen.“

Dazu rät man auch im Krankenhaus Agatharied. Dennoch hat auch die Klinik erste Maßnahmen ergriffen, wie der Ärztliche Direktor Prof. Dr.  Hans Martin Schardey erklärt. An alle Patienten mit Atemwegsinfekten würden Schutzmasken oder Papiertücher verteilt, zudem fordere man sie dazu auf, sich die Hände zu desinfizieren. Dies kenne man aber auch von Grippewellen. „Unser Personal ist geschult“, sagt Schardey. Eine Isolierstation könne das Krankenhaus jederzeit einrichten.

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Vor überzogenen Reaktionen gesunder Menschen warnen aber alle Beteiligten. Wegen der gerade aufbrandenden Grippewelle sei es ohnehin wichtig, sich regelmäßig die Hände zu waschen, erklärt der Miesbacher Apotheker Fritz Grasberger. Hamsterkäufe von Atemschutzmasken, wie sie etwa Apotheken in München beobachtet haben, habe es bislang nicht gegeben. Dennoch ist auch der Apotheker auf Nummer sicher gegangen und hat sich noch ein paar zusätzliche Kartons mit Masken bestellt. „Falls die Nachfrage doch noch zunimmt.“

Touristiker fürchten keine Einbußen

Die Touristiker fürchten derweil keine Einbußen durch ein mögliches Reiseverbot für Chinesen. Nur sechs Prozent der Gäste im Landkreis kamen aus dem Ausland, sagt Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS). Der Anteil der Chinesen daran liege bei unter einem Prozent.

Auf Seiten der Gastgeber beschäftigt man sich trotzdem mit dem Virus, sagt Uwe Schulze-Clewing, Geschäftsführer des Hotels Bayerischer Hof in Miesbach. So seien alle Häuser der Gruppe dazu angehalten, weitere Desinfektionsbehälter aufzustellen und bei Absagen chinesischer Reisegruppen auf Stornogebühren zu verzichten. Bei der Zimmerreinigung sollten Teppichböden nass gereinigt werden. Für Miesbach sieht Schulze-Clewing allerdings keine große Relevanz. „Wir haben zwar Reisegruppen aus Korea und Japan, aber nicht aus China.“

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