Dr. Florian Meier
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Ständig im Einsatz: Dr. Florian Meier ist als Versorgungsarzt für die ambulante Versorgung in Zeiten des Coronavirus im Landkreis zuständig.

Dr. Florian Meier im Interview

Versorgungsarzt zu Corona-Krise: „Hausärzte halten Klinik den Rücken frei“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Jetzt hat auch der Landkreis Miesbach einen Versorgungsarzt: Dr. Florian Meier wird das wegen des Coronavirus neu geschaffene Amt übernehmen. Wir haben ihn dazu befragt.

Miesbach/Landkreis – Um die Koordinierung der ambulanten Versorgung während der Corona-Krise zu verbessern, haben Innen- und Gesundheitsministerium kürzlich die Einsetzung eines Versorgungsarztes in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Bayerns verfügt. Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak hat dazu nun den Allgemeinmediziner und stellvertretenden Landesarzt des BRK, Dr. Florian Meier (45), ernannt. Im Interview spricht Meier über seine Aufgaben und die große Bedeutung der Hausärzte während der Corona-Krise.

Herr Dr. Meier, im Krankenhaus laufen die Vorbereitung für mehr Covid 19-Patienten auf Hochtouren. Wie ist es eigentlich um die Hausärzte im Landkreis bestellt?

Dr. Florian Meier: Grundsätzlich sehr gut. Die Kollegen haben frühzeitig den Ernst der Lage erkannt und sich entsprechend darauf eingestellt. Das haben wir nicht zuletzt auch der hervorragenden Vorarbeit durch den Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbands. Dr. Thomas Strassmüller, zu verdanken. Die ambulante Versorgung ist flächendeckend im Landkreis gewährleistet.

Das heißt, Ihre Ernennung zum Versorgungsarzt ist rein symbolischer Natur?

Dr. Florian Meier:  (lacht) Nein, es gibt schon noch genug zu tun. Aktuell am wichtigsten ist sicherlich die Ausstattung der Praxen mit Schutzausrüstung. Das haben wir die größten Engpässe. Um nicht unnötig Material zu verbrauchen, bitten wir die Patienten, sich ihre Abstriche für Corona-Tests im zentralen Zelt in Miesbach abnehmen zu lassen. Wir teilen uns die Arbeit hier auf. Vormittags ist das Gesundheitsamt da, nachmittags einer der niedergelassenen Ärzte. Das hat den Vorteil, dass die Kollegen Maske und Mantel anbehalten können. Im normalen Praxisbetrieb muss man sich ständig an- und ausziehen – und jedes Mal neues Material verwenden.

Die Praxen selbst haben mit dem Coronavirus dann gar nichts mehr zu tun?

Dr. Florian Meier:  Im Gegenteil. Gerade in diesen Tagen kommt den Hausärzten eine ganz entscheidende Funktion zu. Sie bewältigen die normalen medizinischen Alltagsthemen wie Diabetes oder grippale Infekte und halten damit dem Krankenhaus den Rücken frei. Trotzdem bitten auch die niedergelassenen Kollegen ihre Patienten, nicht wegen jeder Kleinigkeit in die Praxis zu kommen. Auch nicht zeitkritische Vorsorgeuntersuchungen bitten wir, zu verschieben. Die meisten Leute haben dafür viel Verständnis und verhalten sich sehr diszipliniert.

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Was aber, wenn wirklich jemand an Covid 19 erkrankt ist?

Dr. Florian Meier:  Solange die Patienten in häuslicher Quarantäne sind, sind die Hausärzte ihr erster Ansprechpartner. Das ist auch gut so, denn sie wissen bestens über mögliche Vorerkrankungen und das daraus resultierende Risiko für einen schweren Corona-Infektionsverlauf Bescheid. So können die Kollegen auch die schwierige Entscheidung über die Einweisung in stationäre Behandlung verantwortungsvoll und fachlich fundiert treffen.

Wo steht denn der Landkreis aktuell in Sachen Corona?

Dr. Florian Meier:  Das ist schwer zu sagen, weil sich die Lage sehr schnell ändern kann. Wir hatten schon Nachmittage, an denen wir mehr als 200 Abstriche für Tests vorgenommen haben. In der vergangenen Woche sind die Zahlen eher rückläufig. Was wir nicht wissen, ist die Dunkelziffer. Also die Zahl der, die das Virus in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen. Das macht es dem Gesundheitsamt schwer, die Kontakte und damit die Infektionsketten zu ermitteln. Eigentlich können wir nur hoffen, dass die Zahlen beherrschbar bleiben. Bestmöglich vorbereitet sind wir und wir arbeiten daran, dass das auch so bleibt.

Als Versorgungsarzt lastet dabei nun viel Verantwortung auf Ihren Schultern. Wie vereinbaren Sie das eigentlich mit Ihren Praxen in Miesbach und Irschenberg?

Dr. Florian Meier:  Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich mit Dr. Stefan Achatz einen kompetenten Kollegen an meiner Seite habe. Er hält den Laden am Laufen, wenn ich nicht da bin. Und das wird in der nächsten Zeit öfter der Fall sein (lacht).

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