Erika Titsch, Bartewirt, Valley
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Viel Papierkram hat Erika Titsch am Hals. Gäste, die beim Bartewirt einkehren, müssen sich wie auch in anderen Gaststätten registrieren. Kürzlich hatte sie als Besucher „Donald Duck“ auf dem Zettel stehen.

Corona-Auflagen

Donald Duck, Max Mustermann & Co.: So umgehen Restaurantgäste die Corona-Registrierung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Nervig für die Gäste, aufwendig für die Gastronomen: Die Besucherregistrierung in Restaurants und Cafés wegen des Coronavirus sorgt auch im Landkreis Miesbach für Diskussionen. 

Landkreis – Hohen Besuch hatte Erika Titsch kürzlich im Bartewirt in Kreuzstraße (Gemeinde Valley). Eine weltberühmte Comic-Ente hat sich in ihr Gästebuch eingetragen: Donald Duck. Kein Einzelfall in diesen Tagen, berichtet die Wirtin. Immer wieder würden kuriose Namen in der am Eingang ausliegenden Liste auftauchen. Abheften muss Titsch die Listen trotzdem. „Wir sind verpflichtet, die Daten vier Wochen lang aufzuheben“, sagt sie. So jedenfalls schreiben es die Corona-Auflagen für die Gastronomie vor. Der Grund: Sollte ein Gast positiv auf das Virus getestet werden, sollen die anderen Besucher kontaktiert werden können.

Ob das bei Donald Duck geklappt hätte, bezweifelt Titsch. Sie ist sich ziemlich sicher, dass der betreffende Gast auch eine falsche Telefonnummer angegeben hat. Dagegen machen könne man nichts: „Das können wir nicht nachvollziehen“, sagt die Wirtin. Andererseits wolle sie die Gäste auch nicht einfach wegschicken. Allerdings: In der überwiegenden Zahl der Fälle würden die Leute die Listen anstandslos ausfüllen. „Der Großteil zeigt Verständnis und ist sehr kulant“, sagt Titsch. „Ich hab’s mir schlimmer vorgestellt.“

Das bestätigt Georg von Preysing vom Strandbad in Seeglas. Ein Donald Duck sei bei ihm bislang nicht aufgetaucht, dafür aber auffallend viele Müllers und Maiers. „Wie soll man kontrollieren, ob die Namen stimmen?“, fragt sich auch Preysing. Bei der überwiegenden Zahl der Gäste habe er aber ein gutes Gefühl. Nur zwei seien wieder gegangen, als sie nach ihren Daten gefragt wurden. Doch auch die Servicekräfte seien nicht glücklich mit dem Austeilen und Einsammeln der Registrierungsbögen an den Tischen, sagt Preysing. „Das ist schon ein gewisser Zeitaufwand.“

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Der fällt sogar bei den Stammtischen im Bräuwirt in Miesbach nicht weg, berichtet Wirtin Hanni Huber. Da müssen aber die Gäste zumindest nicht selbst zum Stift greifen. „Die kenn ich ja alle und trag sie dann selbst ein“, sagt Huber. Bei allen anderen Besuchern ihres Lokals sind die Wirtin und ihre Kellner aber streng. Wer den Zettel auf dem Tisch nicht ausfüllt, wird auch nicht bedient. Immerhin: Bei Familien genügt es, wenn einer seine Kontaktdaten angibt, sagt Huber. Die meisten Gäste müsse man aber nicht lange bitten. „Einige fragen zwar, wie das mit dem Datenschutz zusammenpasst“, meint Huber. Die Antwort darauf könne nur die Politik geben. Die Folgen der verpflichtenden Kontaktsammlung sieht die Wirtin im Lager. Nach dem ersten Öffnungsmonat ist ein ganzer Karton voll.

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Der hätte im Café Winklstüberl nicht mal gereicht. „Wir haben dann schnell auf kleinere Zettel umgestellt“, sagt Junior-Chefin Sophia Mairhofer. Was die Gäste darauf kritzeln, ist auch im Kult-Café in Fischbachau durchaus kreativ. „Max Mustermann lesen wir oft“, sagt Mairhofer. Bei den Telefonnummern vermutet sie ähnliche Tricksereien. „Wir können das unmöglich alles überprüfen.“ Vor allem nicht, wenn bei schönem Wetter Hochbetrieb herrscht. Je schneller die Tischbelegung wechsle, desto stressiger werde es für die Bedienungen. „Denen kann man überhaupt keinen Vorwurf machen“, sagt Mairhofer.“ Um den Datenschutz bei den Gästelisten müsse sich ohnehin niemand sorgen. „Wir sind froh, wenn wir die ganzen Papierstapel nach vier Wochen schreddern dürfen.“

Einen Tipp für alle Schreibfaulen hat Titsch parat: Wer per E-Mail einen Tisch reserviere, könne seine Daten gleich bequem mit angeben. „Das spart Zeit und Papier.“

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