Pfarrer Heinrich Rosner, Miesbach
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Seit 48 Jahren auf Mission: Pfarrer Heinrich Rosner.

Betroffene haben nicht mal Geld für Särge

„Sie sterben auf den Straßen“: Miesbacher Pfarrer beerdigt Corona-Tote in Ecuador - und gehört selbst zur Risikogruppe

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Seit das Coronavirus in Ecuador wütet, vernichtet es jeden Tag die Existenzen ganzer Familien. Ein Pfarrer aus Miesbach hilft den Betroffenen vor Ort - mit 82 Jahren.

Miesbach/Tababela – „Quédate en casa“ – „Bleib zu Hause“: Seit das Coronavirus in Ecuador wütet, vernichtet es jeden Tag die Existenzen ganzer Familien. Anders als in Deutschland gibt es keine staatlichen Hilfen für die vom Lockdown Betroffenen. Da viele als Tagelöhner, Straßenhändler, Schuhputzer oder Sammler von Recycling-Materialien ohnehin nur von der sprichwörtlichen Hand im Mund leben, haben sie keine Reserven, um die Ausgangssperre zu überleben. Und wenn sie nicht das Virus selbst erwischt, werden sie krank vor Hunger.

Pfarrer aus Miesbach hilft Corona-Opfern in Ecuador: Er bittet dringend um Spenden

Anders als der Staat zieht sich die Kirche in Ecuador nicht aus der Verantwortung. Und nicht mal einer, der mit 82 Jahren längst den Ruhestand in seiner Heimatstadt Miesbach genießen könnte: Padre Heinrich (Enrique) Rosner. Eigentlich wollte der Ehrenbürger, der seit 48 Jahren für die Ärmsten der Armen in Südamerika da ist, am 1. April nach Miesbach reisen und dort den Sommer verbringen. Doch die Beschränkungen wegen der Pandemie zwangen ihn, in Tababela, 25 Kilometer von der Hauptstadt Quito entfernt, zu bleiben. Rosners Heimatpfarrei in Miesbach ruft derweil dazu auf, den Padre mit Spenden zu unterstützen (siehe Hinweis am Textende).

Miesbacher Pfarrer während Corona-Pandemie in Ecuador: Er zählt selbst zur Risikogruppe

Obwohl Rosner allein schon aufgrund seines Alters zur Corona-Risikogruppe zählt, sperrt sich der Pfarrer keineswegs Zuhause ein. Im Gegenteil: Er hilft, wo er kann. Da es medizinische Versorgung in Ecuador nur gegen Bargeld gibt, räumte Rosner sein privates Konto leer und kaufte zusammen mit dem letzten Spendengeld der Miesbacher Sauerstoffflaschen, um die Beatmung von Corona-Patienten zu ermöglichen. Die Diözesen vor Ort verteilen mit Lastwagen Lebensmittel, die aber nur einen Bruchteil der Bevölkerung erreichen. Immerhin kommt Unterstützung aus Bayern. Die Erzdiözese München und Freising hat einen Nothilfefonds in Höhe von rund zwei Millionen Euro aufgelegt.

Corona-Pandemie in Ecuador: Indigene Völker betroffen

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Wie hoch der Bedarf tatsächlich ist, kann niemand abschätzen. Realistische Infiziertenzahlen gibt es nicht, weil es in Ecuador auch an Corona-Tests fehlt. Auch die indigenen Stämme wie die Waorani, für die sich Rosner besonders stark engagiert hat, trifft das Virus mit voller Wucht. Viele flüchten in die Berge, aber auch das ist gefährlich, wie Patricia Gualinga Montalvo, Indigenen-Vertreterin in Ecuador, der Tageszeitung „Die Zeit“ berichtet: „In einem Dorf der Waorani wollte eine junge Frau Schutz suchen und hat 50 Leute angesteckt.“ Obendrein breite sich nach schweren Überschwemmungen auch das Denguefieber aus.

Corona in Ecuador: Viele versuchen sich mit Heilpflanzen selbst zu behandeln

Die Völker seien aus Verzweiflung dazu übergegangen, sich mit Heilpflanzen, Wurzeln und Kräutern zu behandeln. „Das ist das einzige, was sie haben“, sagt Gualinga Montalvo. Ein Notruf sei wenig hilfreich: „Da wird einem gesagt: Rufen Sie wieder an, wenn Sie keine Luft mehr bekommen. Waschen Sie sich die Hände, und nehmen Sie Paracetamol.“

Die Folge: Die Menschen sterben auf den Straßen. Rosner beerdigt viele von ihnen. Manchmal aber kann er nicht mal das tun. Dann nämlich, wenn den Angehörigen sogar das Geld für Holz und Nägel für die Särge fehlt.  

Corona-Pandemie in Ecuador: Spendenaufruf

Wer Pfarrer Heinrich Rosner schnell und unbürokratisch unterstützen möchte, kann dies per Überweisung auf sein persönliches Missionskonto tun: IBAN DE 94 7115 2570 0000 4023 96 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Spender werden gebeten, ihren Namen und ihre Adresse anzugeben, dann erhalten sie eine Quittung.

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