Zwischen Hoffen und Bangen: Der Einzelhandel in Miesbach setzt – wie hier das Bergsportgeschäft Schachenmeier – auf die Unterstützung seiner Kunden. Doch je länger der Lockdown dauert, desto zermürbender wird die Lage.
+
Zwischen Hoffen und Bangen: Der Einzelhandel in Miesbach setzt – wie hier das Bergsportgeschäft Schachenmeier – auf die Unterstützung seiner Kunden. Doch je länger der Lockdown dauert, desto zermürbender wird die Lage.

Emotionale Notlage in der Bevölkerung

Verzweifelter Hilferuf im Lockdown: Stadt schickt Brief an Söder - und bekommt Zuspruch von Ilse Aigner

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
    schließen

Die Botschaft ist dieselbe, doch der Ton wird offizieller. Nachdem Miesbach bereits einen Maskenkrapfen als Mahnung an Ministerpräsident Söder geschickt hat, folgt nun der offizielle Brief der Stadt. Der Appell: Bei rückläufigen Infektionszahlen erwarte man spürbare Lockerungen.

MiesbachMan mag die Krapfen mit Maske, die Bäckermeister Florian Perkmann jüngst an Ministerpräsident Markus Söder geschickt hat (wir berichteten), als im wahrsten Sinn süßen Denkzettel betrachten – die Botschaft des SPD-Stadtrats und stellvertretenden Obermeisters der Bäckerinnung Miesbach-Bad Tölz/Wolfratshausen war aber umso ernster: „Lieber Herr Ministerpräsident, nehmen Sie diesen Krapfen als Hilfeschrei unserer mittelständischen Betriebe!“, ließ er Söder wissen.

Corona in Miesbach: Erst Krapfen mit Maske - jetzt ein offizieller Brief an Söder

Doch damit nicht genug. Die Aktion war auch Anlass für eine Diskussion in der jüngsten Stadtratssitzung, bei der Perkmann weiteren Zuspruch erhielt. So forderte FWG-Fraktionssprecher Markus Seemüller: „Die Leute warten auf ein Signal von uns für ihre Kraftanstrengung. Wir haben jetzt eine Depression.“ Dem pflichtete Wirtschaftsreferent Perkmann bei: „Es ist eine ganz schlechte Stimmung. Wir müssen einen Hilferuf an die Regierung schicken. Denn es wird danach nicht mehr so sein wie früher.“

Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) zeigte sich offen für ein solches Signal. Nach einem Gespräch mit Perkmann hat die Stadt nun einen Brief an den Ministerpräsidenten geschickt. Darin plädiert Braunmiller „im Namen der Gewerbetreibenden der Stadt Miesbach, dass sich bei rückläufigen Infektionszahlen spürbare Lockerungen ergeben müssen“.

Corona-Lockdown in Miesbach: Stadt schickt Hilferuf an Markus Söder - und fordert Lockerungen

Dabei verweist Braunmiller auch auf die emotionale Notlage in der Bevölkerung: „Vor allem die Ungewissheit darüber, wie es weitergeht, bedrückt viele Menschen. Die Rufe nach einer klaren Marschroute werden dadurch immer lauter.“

Besonders belastend sei die Ungewissheit für all die Unternehmen, die um ihre Existenz bangen müssten. Auch in Miesbach sei die Kundenfrequenz in der Innenstadt „deutlich rückläufig“, man rechne mit vielen gefährdeten Arbeitsplätzen. Braunmillers Forderung: „Die Geschäfte und Gaststätten müssen wieder öffnen können und die Unterstützungsprogramme müssen schnell an die Realitäten angepasst werden.“

Braunmiller versteht die Stadt mit diesem Brief als „Sprachrohr für unsere Unternehmen. Es wäre sehr wichtig, dass sie wissen, wie es weitergehen soll. Die Unsicherheit ist groß und belastend. Was wir brauchen, ist ein Stufenplan, der darlegt, mit was die Menschen und Unternehmen rechnen können.“

Nach Corona-Brief an Markus Söder: Stadt erhält Zustimmung von Ilse Aigner

Auf landespolitischer Ebene darf sich der Brief aus Miesbach schon mal über erste Unterstützung freuen. Auf Nachfrage unserer Zeitung gibt Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) Braunmiller Recht, „dass die Menschen in diesem langen Lockdown eine Perspektive brauchen. Diese zu erarbeiten, ist Aufgabe der Politik.“ Natürlich könne man kein konkretes „Wann“ benennen, weil man vom Verlauf des Infektionsgeschehens abhängig sei.

„Es muss erkennbar sein, dass die Infektionszahlen trotz neuer Mutationen sinken. Aber ein ,Wenn - dann‘, also eine nachvollziehbare Orientierungshilfe, sollte dennoch definiert werden. Das bedeutet, dass wir darlegen, welche Lockerungen bei bestimmten Inzidenzwerten möglich sind.“

In einem Brandbrief richteten sich kürzlich sich die Bürgermeister des Landkreises Miesbach an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Insgesamt 17 Bürgermeister begehrten darin auf - weil München zu viel Wasser braucht. Alles aus der Region gibt‘s im Miesbach-Newsletter.

(ddy)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare