Friedhof Miesbach
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Blick über den Friedhof Miesbach: Auch hier sind Beisetzungen in der gewohnten Form bis einschließlich 19. April untersagt. 

Trauernde müssen viel Verständnis aufbringen

Wegen Coronavirus: Sogar für Beisetzungen gelten strenge Auflagen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Maximal 15 Personen am Grab. Kein Weihwasser zum Abschied. Keine Beileidsbekundung mit Händedruck. Das Coronavirus schränkt auch Beisetzungen im Landkreis stark ein.

Miesbach/Schliersee– Nähe. Eine tröstende Umarmung. Ein liebevoller Händedruck. All das kann Trauernden helfen, den Verlust eines Angehörigen oder Freundes leichter zu ertragen. Und all das ist wegen des Coronavirus nicht mehr erlaubt. „Das ist schon brutal hart, wenn man Menschen in einer emotional ohnehin schwierigen Situation so etwas verwehren muss“, sagt Petra Six vom Bestattungsunternehmen Rauffer in Miesbach.

In einem erklärenden Schreiben zur geltenden Allgemeinverfügung hat das Bayerische Gesundheitsministerium alle Bestatter und Friedhofsträger im Freistaat darüber informiert, dass die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie auch für Beerdigungen gelten. Die Maßnahmen sind einschneidend und drastisch: Da auch Beisetzungen als Veranstaltung gelten, können sie bis einschließlich 19. April nur unter Auflagen stattfinden.

So braucht es eine Ausnahmegenehmigung des Landratsamts. Die wird aber nur ausgestellt, wenn diverse Auflagen erfüllt sind. So dürfen beispielsweise maximal 15 Personen der Erdbestattung oder Urnenbeisetzung beiwohnen, die einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten sollen. Erdwurf und Weihwassergaben am offenen Grab sowie am aufgebahrten Sarg sind nicht zulässig, heißt es.

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Die schwierige Aufgabe, den Trauernden diese Einschränkungen zu vermitteln, haben die Bestatter. „Wir müssen ihnen erklären, dass das für viele so wichtige Zusammenkommen am Grab nicht mehr möglich ist“, sagt Six. Die Reaktionen, die sie bislang bekommen hat, hätten sie positiv überrascht. „Die Familien haben das bis jetzt sehr gefasst aufgenommen und die Auflagen akzeptiert“, sagt Six. Sie würden verstehen, dass während der Coronakrise das Einzelschicksal hinter dem der Gemeinschaft stehen müsse.

Als Bestatter versuche man derweil, den Trauernden andere Rituale als Ersatz anzubieten. So bietet die Firma Rauffer Blütenblätter statt Weihwasser am Grab an. Auf Wunsch teile man all jenen, die nicht anwesend sein dürfen, die Uhrzeit mit, zu der Sarg oder Urne zu Grabe gelassen werden. „Dann kann jeder für sich innehalten und des Verstorbenen gedenken“, erklärt Six. Vielen helfe auch das Angebot, die Trauerfeier zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. „Wir versuchen, dass alles so würdevoll wie möglich zu gestalten“, sagt Six.

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Die Beisetzung selbst zu verschieben, sei schwierig. „Bei Erdbestattungen ist bei entsprechenden Kühlmöglichkeiten eine Genehmigung der Gemeinde einzuholen, wenn die Bestattung nicht innerhalb von 96 Stunden nach Feststellung des Todes durchgeführt wird“, teilt das Gesundheitsministerium dazu mit.

Leichter tue man sich da bei Urnen, sagt Anton Hinterseer vom gleichnamigen Schlierseer Bestattungsunternehmen. Im Leichenschauhaus gebe es durchaus Kapazitäten für eine zeitlich befristete Aufbewahrung. Wie sich die ganzen Vorschriften letztlich in der Praxis umsetzen lassen, kann auch Hinterseer noch nicht sagen. „Das ist alles Neuland für uns.“

sg

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