Ausblick vom Wallberg auf den Tegernsee
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Nicht nur bei Urlauber beliebt: der Ausblick vom Wallberg auf den Tegernsee.

Studie zeigt Umsatzeinbußen durch Corona – und wirtschaftliche Bedeutung

Tourismus an Schliersee und Tegernsee: Corona-Lockdown kostet 80 Millionen Euro

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Im Ausflügler-Chaos an Schliersee und Tegernsee sehnt sich so mancher Einheimischer einen Lockdown zurück. Doch der war teuer. Sehr teuer, wie eine aktuelle Studie zeigt.

  • Der Freizeitdruck an Schliersee und Tegernsee wird immer größer.
  • Doch die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus ist enorm.
  • Eine Studie hat nun gezeigt, wie hoch die Umsatzverluste während des Corona-Lockdowns waren.

Landkreis – Sie verstopfen Straßen und Parkplätze, belasten die Natur – und bis auf Müll lassen sie nicht wirklich was zurück im Landkreis. Tagesausflügler haben bei vielen Einheimischen keinen besonders guten Ruf. Gerade in diesen Wochen, in denen Schliersee und Tegernsee an schönen Tagen regelmäßig im Chaos versinken, sehnen sich nicht wenige die Ruhe während des Corona-Lockdowns zurück. Doch könnte der Landkreis wirklich ohne Gäste auskommen? Eine Frage, die sich am besten mit Zahlen beantworten lässt. Diese hat das Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) nun vorgelegt – mit durchaus spannenden Ergebnissen.

Bereits zum dritten Mal seit 2013 hat das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (DWIF) Umsatz- und Wertschöpfungszahlen für die Region erhoben. Die Studie enthält sowohl einen Rückblick auf 2019 sowie eine erste Prognose für 2020 – inklusive der zu erwartenden Auswirkungen des Lockdowns.

17 Prozent mehr Tagesgäste von 2014 zu 2019

Schaut man sich nur die Gäste-Entwicklung an, sticht vor allem das deutliche Mehr an Tagesausflüglern ins Auge. Kamen 2014 noch 7 Millionen in die Alpenregion, waren es 2019 schon 8,2 Millionen – ein Plus von 17,1 Prozent. Verhaltener fällt die Steigerung von 2,7 auf 2,88 Millionen (plus 6,4 Prozent) bei den Übernachtungsgästen aus.

Doch wie viel Geld haben die Ausflügler und Urlauber im Landkreis gelassen? Hier zeigt sich, dass es offenbar durchaus gelungen ist, die Wertschöpfung zu erhöhen. So wuchsen die Bruttoumsätze im Übernachtungstourismus von 295 Millionen auf 337,5 Millionen Euro (plus 14,4 Prozent), im Tagestourismus sogar von 140 auf 175,5 Millionen Euro (plus 25,4 Prozent).

Tagesausflügler geben im Schnitt 21,40 Euro aus

Nicht übersehen sollte man aber auch der nach wie vor große Unterschied bei den durchschnittlichen Tagesausgaben. Ließen die Übernachtungsgäste zwischen 80 und 132 Euro in der Region, waren Tagesreisende mit 21,40 Euro wesentlich sparsamer unterwegs. Aber klar: Der Mammutposten für ein Bett in Hotel oder Ferienwohnung fällt bei ihnen nicht an.

Rechnet man alles zusammen, hat der Tourismus 2019 in 11 Millionen Aufenthaltstagen einen Bruttoumsatz von 513 Millionen Euro im Landkreis erwirtschaftet. Hauptprofiteur waren das Gastgewerbe mit 307,8 Millionen, die Dienstleistungsbranchen mit 112,6 Millionen und der Einzelhandel mit 92,6 Millionen Euro. Jeden Tag bleiben als 1,4 Millionen Euro durch Touristen in der Region. Zwei Drittel von Übernachtungs- und ein von Tagesgästen.

80 Millionen Euro Einbußen durch Corona-Lockdown

Insgesamt hat der Tourismus daher 6,7 Prozent zum Primäreinkommen im Landkreis Miesbach beigetragen, so das DWIF. Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 38 409 Euro könnten damit 6640 Personen ihres Lebensunterhalt mit dem Tourismus verdienen (2014 waren 6420). Was passiert, wenn die Gäste von heute auf morgen ausbleiben, hat der Corona-Lockdown gezeigt. Von Mitte März bis Ende Mai sei mit Umsatzeinbußen von circa 80 Millionen Euro zu rechnen, teilt die ATS mit.

„Diese Zahlen zeigen uns die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus“, sagt ATS-Vorstand Harald Gmeiner. Das Coronavirus habe aber auch vor Augen geführt, „wie schnell dieses wichtige wirtschaftliche Standbein der Region wegbrechen kann“. Gleichzeitig werde deutlich, welchen Belastungen die Region – insbesondere durch die hohe Anzahl an Tagesgästen – ausgesetzt sei. Ziel müsse es daher sein, einerseits die Wertschöpfung durch den Tourismus aufrechtzuerhalten und andererseits die negativen Folgen, beispielsweise für Verkehr und Natur, zu reduzieren. „Natürlich ist das nicht von heute auf morgen zu erreichen“, betont Gmeiner. Mit Lenkungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen könne man aber erste Schritte gehen: „Sei es durch unseren Ausflugsticker oder mit dem Einsatz von Rangern.“

sg

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