Coronavirus: Waldbesitzer leiden unter Schließung der Grenze bei Bayrischzell
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Gesperrt: Über diesen Grenzübergang bei Bayrischzell schickten Waldbesitzer aus dem Landkreis vor Corona bis zu 1000 Festmeter Holz pro Tag nach Österreich. Jetzt bleiben sie größtenteils im Wald liegen.

Holz bleibt im Wald liegen

Coronavirus: Waldbesitzer leiden unter Schließung der Grenze bei Bayrischzell

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Wegen Corona ist der Grenzübergang bei Bayrischzell zu. Die Waldbesitzer verlieren eine Lebensader zu Sägewerken in Österreich - und fürchten sich vor dem Borkenkäfer.

Bayrischzell – Den Waldbesitzern läuft die Zeit davon. Die Stürme Bianca, Yulia und Sabine haben im Februar innerhalb weniger Wochen zahlreiche Bäume in ihren Wäldern umgeknickt. Im Mai droht der Borkenkäfer über diese herzufallen. Bis dahin müssen die Waldbauern ihr Holz in die Sägewerke gebracht haben. Oder der Käfer droht, ihre Holzernte zu zerstören.

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Coronavirus: Waldbesitzer leiden unter Schließung der Grenze bei Bayrischzell

Das Coronavirus schneidet den Waldbesitzern nun eine wichtige Lebensader dafür ab. Weil zur Eindämmung des Virus auch der Grenzübergang im Ursprungstal bei Bayrischzell geschlossen wurde, bleiben die 800 bis 1000 Meter Festholz, die sie vor Corona täglich über diesen in Sägewerke nach Österreich transportierten, größtenteils in den Wäldern liegen. „Momentan kommt es aber auf jeden Festmeter an“, sagt Alexander Mayr, verantwortlich für die Holzvermarktung bei der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen. Die Bauern litten unter niedrigen Preisen, und der Borkenkäfer werden seine Saison nicht wegen Corona verschieben. „Noch geht es. Aber bis spätestens Mitte April brauchen wir eine Lösung.“

Alexander Mayr, Leiter Holzvermarktung AELF Holzkirchen

Denn Alternativen zum Übergang bei Bayrischzell haben die Waldbesitzer kaum. Zwar könnten manche Sägewerke das Holz aus dem Oberland weiterhin gut gebrauchen, sagt Mayr. Auch die Transporteure ständen bereit. Einfach einen Umweg durch einen anderen Übergang könnten die Holzlieferanten dennoch nicht fahren. Dieser verteure den Transport und mache das Miesbacher Holz für österreichische Sägewerke unwirtschaftlich.

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„Das ist völlig nachvollziehbar“, bestätigt Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen. „Jeder Kilometer kostet Geld.“

Auch deutsche Sägewerke seien keine Lösung, sagt Mayr. An diese lieferten die Waldbesitzer vor allem Langholz von 20 bis 80 Metern. Kurzholz um vier bis fünf Meter verkauften sie aber größtenteils nach Österreich. Deswegen ist der Grenzübergang bei Bayrischzell für grenznahe Sägewerke so wichtig.

Mayr unterstützt dessen Schließungen zwar grundsätzlich. „Wir wollen nicht die Revolution anfangen“, sagt er. Er hofft aber auf eine Sonderregel für Lieferverkehr. Täglich von sechs bis 14 Uhr könnte der Grenzübergang für Transporte öffnen, schlägt er vor. „Es ist ein Hilferuf. Wir wollen auf die schwere Lage der Waldbauern hinweisen, damit sich etwas ändert.“

Eine Unterstützerin hat Mayr bereits gefunden. Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner hat sein Anliegen an die Innenministerien des Freistaats und des Bundes weitergeleitet. Sie sagt, die Grenzschließungen dienten dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. „Wir sollten allerdings prüfen, inwieweit zeitweilige Öffnungen für dringend notwendige Transporte sinnvoll und praktikabel sind.“

Mayr freut die Unterstützung. Er hofft, dass sie schnell Ergebnisse bringen wird. Vorerst können die Waldbesitzer aber nur abwarten, was die Krisenstäbe entscheiden. „Derzeit ändert sich alles sehr schnell“, sagt Webert. „Wir hängen völlig davon ab, wie sich die Lage mit Corona entwickelt.“

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