Coworkation-Workshop
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Neue Ideen in alten Häusern: SMG-Chef Alexander Schmid (2.v.l.) und Veronika Müller (auf der Treppe), Projektmanagerin Innovation bei der SMG, bei einem Coworkation-Workshop mit Teilnehmern aus Österreich, Italien und der Schweiz.

Länderübergreifendes Interesse an neuer Form des Arbeitens

„Coworkation Alps“: Initiatoren wollen Verein gründen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Der Landkreis Miesbach ist der SMG nicht genug: Weil das Interesse am Projekt Coworkation im gesamten Alpenraum wächst, entsteht nun ein länderübergreifendes Netzwerk - und ein Verein.

Landkreis – Das Referenzobjekt für die Zukunft des Arbeitens ist 400 Jahre alt und steht in einem beschaulichen Bergdorf. „Mesnerhof-C“ heißt der alte Bauernhof in Steinberg am Rofan, den Inhaber Georg Gasteiger vor dem Verfall gerettet und in ein „Community Retreat“ mit „Chalet“ und „Camp“ für bis zu 37 Personen umgebaut hat. Hier kann das stattfinden, was in der Szene als Coworkation bekannt ist. Eine Wortschöpfung aus Co (zusammen), Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub).

Die Idee, Arbeit und Freizeit miteinander zu verknüpfen, sei ein „Megatrend“, ist Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach, überzeugt. Die SMG hat bereits vor rund drei Jahren ihre Fühler in diese Richtung ausgestreckt. Geografie-Studentin Veronika Müller aus Rottach-Egern wagte sich damals mit ihrer Bachelorarbeit in das so gut wie unerforschte Feld vor. Heute, sagt die Pionierin von einst, sind ihre Erkenntnisse fast schon wieder überholt. „Das ist einfach ein wahnsinnig dynamischer Bereich“, erklärt sie.

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In der Schublade verschwunden ist das Thema Coworkation aber nicht – im Gegenteil. Das Interesse wächst sprunghaft. „Früher habe ich herumtelefoniert, heute rufen die Leute mich an“, berichtet Müller. So ist mittlerweile ein lebendiges Netzwerk entstanden. Die beteiligten Personen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Regionalentwickler und Stadtmarketing-Experten, Anbieter von Übernachtungs- oder Freizeitbetrieben, Leiter von Innovationsteams in großen Firmen.

Letztere zählen zur Hauptzielgruppe von Coworkation, erklärt Müller. Konferenzen im sterilen Tagungsraum eines Vier-Sterne-Hotels seien da längst nicht mehr gefragt. Erlebnis-Workshops auf abgelegenen Almhütten oder Bauernhöfen umso mehr – selbstverständlich mit exzellenter Internetverbindung. Ein Potenzial gerade für auf den ersten Blick strukturschwächere Regionen in den Alpen, betont Schmid. Dass der Bedarf da ist, zeigen die länderübergreifenden Kontakte, die sich die SMG über ihr Coworkation-Projekt aufgebaut hat. Sie stammen aus Süd- und Osttirol und sogar aus der Schweiz. „Wir passen strukturell und kulturell gut zusammen“, so Müller.

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Höchste Zeit, das noch lose Miteinander in eine feste und damit handlungsfähige Struktur zu gießen, fanden die Beteiligten. Am 16. und 17. Mai wollen sie in Bayrischzell deshalb den Verein Coworkation Alps gründen. Der Ort ist dabei ganz bewusst gewählt, so Schmid. „Hier im Landkreis liegen die Wurzeln der Idee.“ Und hier soll sie auch Früchte tragen. Gerade der landschaftlich attraktive Süden der Region eigne sich für Coworkation-Projekte. Nicht nur einzelne Vermieter oder Freizeitanbieter, sondern sogar ganze Orte könnten sich so ein neues Konzept verpassen – und damit letztlich auch durch sanften Tourismus Wertschöpfung erzeugen. Anschubhilfe könnten Fördergelder im Rahmen der Alpenmodell-Region und des Interreg-Programms leisten.

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Erfolgreich etablierte Beispiele gebe es übrigens auch im Landkreis. Schmid nennt etwa die Almbäder Sillberghaus in Bayrischzell und Huberspitz in Hausham oder aber auch den Hasenöhrlhof in Geitau. Was bei Letzterem noch fehlt, meint Müller, sei eine Übernachtungsmöglichkeit. Wenn es die noch geben würde, hätte der Landkreis quasi schon jetzt seinen eigenen Mesnerhof-C.

sg

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