Das ideale Coworkation-Haus zeigten die Initiatoren der Online-Veranstaltung in ihrer Präsentation. Eine Anlaufstelle für Gäste also, die Arbeit und Urlaub nicht kategorisch trennen.
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Das ideale Coworkation-Haus zeigten die Initiatoren der Online-Veranstaltung in ihrer Präsentation. Eine Anlaufstelle für Gäste also, die Arbeit und Urlaub nicht kategorisch trennen.

Coworkation-Idee vorgestellt

Arbeiten und Urlaub machen - geht das?

  • vonHeidi Siefert
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„Gemeinsam den Alpenraum von morgen gestalten“, das will der Verein Coworkation Alps. In einer Online-Veranstaltung zeigte er, welche Chancen Coworkation dem Landkreis eröffnet.

Landkreis ‒ Das in mancher Ohren noch etwas sperrige innovative Tourismuskonzept wurde vor allem mit praktischen Beispielen anschaulich unterlegt und dadurch greifbarer für Lokalpolitiker und Touristiker in der Runde. Co (gemeinsam), Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) verbindet die Wortschöpfung, deren Umsetzung insbesondere durch die veränderten Arbeitsbedingungen in Pandemiezeiten zusätzliche Schubkraft gewinnen dürfte. Auch wenn sie ursprünglich nicht auf Kontaktvermeidung baut. Vielmehr bietet Coworkation maximale Flexibilität für berufliche Projekte.

„Idee kann mehr, als es scheint“

„Eine Idee, die mehr kann, als es oberflächlich scheinen mag“, bekräftigte Olaf von Löwis. Der Landrat sieht darin viel Potenzial und eine enorme Chance. Als Beispiel verwies er auf das „Wendelstein Salettl“ in Bayrischzell. Mit moderner Technik ausgestattet, sei es Anlaufstelle für Gäste, die Arbeit und Urlaub nicht kategorisch trennen. Dass das als „Remote Work“ bezeichnete ortsunabhängige Arbeiten mehr ist, als sich im Familienurlaub mit dem Laptop zurückzuziehen, und längst nicht mehr nur eine Sache kreativer Selbstständiger, zeigte Florian Bauhuber. Seit 2020 denkt der Neu-Holzkirchner mit seiner „Tourismuszukunft“ effektive Arbeitsstrukturen neu. Dabei praktizieren 13 Experten an 13 Standorten „New Work“ mit großer individueller Zufriedenheit und glänzenden Bilanzen.

Mit Familie und Kollegen aufs Land zurückziehen

Fester Bestandteil dieses Erfolgskonzepts ist es, sich für ein paar Tage oder Wochen an einen gemeinsamen Ort zurückzuziehen, wenn Projekte persönlichen Austausch erfordern. Weil das aber ungezwungener abläuft als bei klassischen Meetings und die Beteiligten häufig von ihren Familien begleitet werden, brauche man andere Strukturen als in der klassischen Tagungshotellerie. Gefragt sind – meist kurzfristig, häufig in der Nebensaison und vorzugsweise in der Ruhe des ländlichen Raumes – flexible und technisch gut ausgestattete Räumlichkeiten. Solche Strukturen anzubieten, dazu ermunterte der Tourismusexperte immer wieder. „Dafür geben wir auch gern Geld aus.“

Veronika Engel führte durch die Veranstaltung.

Anbieter und Suchende zu vernetzen, ist auch eines der Projekte von Coworkation-Spezialistin Veronika Engel von der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG). Auf der Website coworkation-alps.eu findet man die aktuell beteiligten Gastgeber aus dem Alpenraum – darunter auch Georg Gasteigers 400 Jahre alten „Mesnerhof-C“ in Steinberg am Rofan, der als Paradebeispiel gilt. „Nicht die Nachfrage ist das Thema, sondern das Produkt“, entgegnete Bauhuber auf die Frage von SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid, ob es denkbar wäre, ein ganzes Dorf unter dem Label „Coworkation“ zu vermarkten. Gäbe es, und die Nachfrage sei groß. Allerdings müsse es auch von der Bevölkerung gewollt sein und mitgetragen werden.

Ob das in Geitau möglich wäre sinnierten die Hasenöhrls, die für ihre Hotelpläne viel Gegenwind verspüren. Dabei gibt es für Bärbel Hasenöhrl einen großen, wenig kommunizierten Vorzug: „Die Nachhaltigkeit von Coworkation wird nicht gesehen“, gab sie zu bedenken. Schließlich sei es deren Stärke, Mobilität zu reduzieren sowie regionale Produkte und Dienstleister einzubinden. Umso glücklicher sind sie und ihr Mann Frank, mit der Hasenalm im Valepptal nun einen Rückzugsort mit Übernachtungsmöglichkeit anbieten zu können.

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