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Hoffen auf zahlreiche Geldgeber: (v.l.) Tobias Schreiner, Schulleiter der Realschule Tegernseer Tal, Fördervereinsvorsitzende Rita Haimerl, Franz Öttl, Abteilungsleiter Fußball beim SV Waakirchen, Raiffeisen-Projektleiterin Tanja Volpert, Vorstandsvorsitzender Hubert Stehr, Helga Vogt, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Walter Kohlhauf, Regisseur beim Miesbacher Freilichttheater, Anton Auer vom Förderverein Wiederaufbau Feldmannkapelle und Max Kalup, stellvertretender Leiter des Miesbacher Kulturamts.  

Raiffeisenbank bietet Plattform 

Crowdfunding: Regionale Projekte hoffen auf viele Spender

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Viele kleine Spender statt einem großen – so funktioniert Crowdfunding. Mit diesem Prinzip will die Raiffeisenbank im Oberland nun regionale Projekte unterstützen.

Miesbach – Die Tablets, mit denen die Schüler der Realschule Tegernseer Tal arbeiten, sind veraltet. Die Lern-Apps laufen nicht mehr. Die logische Konsequenz: Neue Geräte müssen her. Schließlich trägt die Einrichtung seit dem Jahr 2013 den Titel „Referenzschule für Medienbildung“. Die gewünschten iPads sind teuer – rund 8500 Euro braucht es zur Finanzierung. Den Betrag will der Förderverein nun mittels einer Crowdfunding-Initiative der Raiffeisenbank im Oberland stemmen. Heißt: Viele Spender leisten jeweils einen kleinen Beitrag.

Crowdfunding, so Hubert Stehr, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Oberland, sei zwar ein neuer Begriff – keineswegs aber eine neue Idee. „Das entspricht dem genossenschaftlichen Prinzip“, erklärt Stehr. „Das hat Friedrich Wilhelm Raiffeisen schon vor 170 Jahren ins Leben gerufen.“ Eine alte Idee, modern verpackt.

Und so funktioniert’s: Auf der Homepage der Raiffeisenbank sind verschiedene Projekte gelistet. Je nach gewünschtem Finanzierungsbetrag – zwischen 500 und 20 000 Euro – ist zunächst eine bestimmte Anzahl an „Fans“ nötig. Diese müssen sich auf der Raiffeisenbank-Homepage eintragen. Bei Summen von bis zu 1000 Euro sind 20 Unterstützer nötig, die Realschule Tegernseer Tal bräuchte 100. Erreicht ein Projekt binnen zwei Wochen nicht die geforderte Fanbasis, scheidet das Vorhaben aus.

Gelingt die Unterstützer-Suche, folgt die sogenannte Finanzierungsphase. Nun geht es darum, binnen 90 Tagen genug Geldgeber zu finden. Wer sich zuvor als Fan registriert hat, muss übrigens nicht zwangsläufig auch als Spender auftreten. Im Fall der Realschule würde es beispielsweise reichen, wenn die Eltern von jedem der rund 600 Schüler 10 Euro spenden. Denn – und das ist der Mehrwert für die Projekt-Initiatoren: Jeden Spendenbetrag ab fünf Euro verdoppelt die Raiffeisenbank. Bis zu 2500 Euro macht das Geldinstitut pro Projekt locker. Bisher ist die Gesamt-Fördersumme auf 20 000 Euro, also acht Projekte, gedeckelt. Aber: „Wenn das Ganze erfolgreich läuft und der Topf leer ist, dann überlegen wir uns, was wir machen“, sagt Stehr. Neue Initiativen sind also ausdrücklich erwünscht.

Bisher haben sieben Projekte – allesamt aus dem Oberland – die Beurteilung durch das vierköpfige Zulassungsgremium gemeistert. Drei aus dem Tölzer Raum, vier aus dem Landkreis Miesbach. Der SV Waakirchen etwa hofft auf 5000 Euro für einen neuen Kleinbus für seine Kinder- und Jugendteams. „Der Leasing-Vertrag läuft aus und wir haben ein super Angebot für eine Auslöse bekommen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Franz Öttl. Stand jetzt fehlt noch ein Fan für die nötigen 50.

Ebenfalls 5000 Euro braucht das Kulturamt der Stadt Miesbach. Und zwar zur Realisierung des Freilichttheaters „Die Rumpelhanni“, das gemeinsam mit dem Trachtenverein anlässlich des Miesbacher Stadtgründungs-Jubiläums aufgeführt werden soll. Fließen soll der Betrag in die aufwendige Gestaltung des Bühnenbildes. Und auch der Förderverein für den Wiederaufbau der Feldmannkapelle bei Waakirchen braucht Geld. Wie berichtet, hatte sich eine Renovierung des Bauwerks zerschlagen. Für den bereits begonnenen Neubau sind 2500 Euro nötig.

Als Belohnung für die Spender bieten die Projekt-Initiatoren jeweils ein kleines Dankeschön: Wer zum Beispiel für die Tablets der Realschule mindestens zehn Euro gibt, ist zur Vorstellung der Geräte eingeladen, wer mindestens 50 Euro berappt, darf sie in einer Doppelstunde unter Anleitung selbst ausprobieren. Quasi vom Crowdfunding zum Crowdtesting.

Informationen zu den bestehenden Projekten, der Einreichung neuer Projekte und zum Ablauf gibt es im Internet auf www.oberlandbank.viele-schaffen-mehr.de.

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