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Gewandet in Kostüme, begaben sich „Da Huawa, da Meier und i“ in der Miesbacher Oberlandhalle auf eine Zeitreise und entlarvten dabei die bayerischen Befindlichkeiten. 

„Da Huawa, da Meier und i“ in der Miesbacher Oberlandhalle

Von Streichwurst-Apps und karierten Hemden auf der Wiesn

In ihr dreieinhalbstündiges Programm packen „Da Huawa, da Meier und i“ viel Blöd- und Tiefsinn. Der Auftritt in der Miesbacher Oberlandhalle kommt bei den Besuchern richtig gut an.

Miesbach – Fast schon daheim fühlten sich „Da Huawa, da Meier und i“ am Freitag in der Miesbacher Oberlandhalle. Und derart wohl, dass sie ihre rund 700 Zuhörer satte dreieinhalb Stunden mit einem genialen Mix aus verschiedenen Musikstilen, gesellschaftskritischen Texten und bayerischem Humor unterhielten.

„Boah – das ist der Kronebau von Miesbach“, begeisterte sich Siegi Mühlbauer von „Da Huawa, da Meier und i“ beim Anblick der gut gefüllten Oberlandhalle. Da könne der Circus Krone, wo die drei Musikkabarettisten vor zwei Jahren ihr umjubeltes Jubiläumskonzert anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens gaben, nicht mithalten. Denn hier in der Viehversteigerungshalle würden für ihn, für Christian Maier (da Huawa) und Matthias Meier (da Meier) Kindheitserinnerungen wach gerufen. Schließlich, so Mühlbauer, sei sein Vater Sautreiber gewesen, der von Christian Rucksackbummerl (Beschneider) und der vom Meier Fleischbeschauer. In so einer Halle habe man quasi seine Ausbildung genossen: „Da lernst blöd daherreden.“ Und um das unter Beweis zu stellen, begrüßte Mühlbauer das Publikum ganz herzlich mit den Worten: „Schee, dass no a paar Rindviecher kema san.“

Damit war die Richtung des Abends vorgegeben: Ein Schenkelklopfer jagte den nächsten. Die Zuschauer jubelten und bogen sich vor Lachen, obwohl das neue Programm von „Da Huawa, da Meier und i“ nicht nur gewohnt patriotisch-kritisch und freilich auf Boarisch, sondern bisweilen tiefgründig philosophisch ist. „Zeit is a Matz“ heißt es – und schon beim ersten Lied, bei dem Bilder tickender Uhren an die Wand geworfen wurden, erklären der Niederbayer und die beiden Oberpfälzer lakonisch: „Zeit is a Matz: Soll’s vergeh’n, bleibt’s steh. War’s amoi schee, tuat’s vergeh.“ Und: „Wer koa Zeit hat, is selber schuld.“

Damit begeben sich die drei auf eine Zeitreise der bayerischen Befindlichkeiten. In Ritterrüstung, Doktorhut und Mönchskutte („Bin grad von der Augustinerflasche herabgestiegen und Mitglied der Pius-Bruderschaft, einem direkten Ableger von 1860 München“) besingen sie das Reinheitsgebot mit Mäusekot. Der nächste Abstecher führt die Musiker erst in die eigene Jugend in den 1970er-Jahren, nämlich in die Ära der Bonanza-Radl, bei dem die Gangschaltung entweder „ziemlich nah am Zentrum“ oder „im toten Winkel“ war. Dann in die E-Tandem- und MPU-Gegenwart, in der eigentlich die, die ihre Fastfood-Tüten in die Landschaft schmeißen, zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung müssten.

Doch heutzutage würde nur das Kapital statt die Menschlichkeit vermehrt, monieren sie und belegen das mit Trends und dem Zeitgeist: Korruption, Zumba, das Meer karierter Hemden am Oktoberfest, Mexico, das so schützenswert ist, dass man gleich eine Mauer drumherum bauen muss, Monster-Trucks, Asylbewerber und Heimatliebe, bayerischer Wurstsalat und Streichwurst-Apps zum Display-Schlecken, Titanhüften, LOL, OMG und grinsende Scheißhaufen-Emoticons – zu allem haben „Da Huawa, da Meier und i“ deutlich was zu sagen und – vor allem – zu singen. Kein Musikstil ist vor ihnen sicher. Sie rocken, röhren, maultrommeln, geben Mariachi-Sänger, gleiten in Weltmusik ab und faszinieren mit witzigen Kostümen. Vor allem aber warnen sie: „Nehmt’s Euch Zeit. Lasst’s Euch Zeit. Seid’s egoistisch, denn es ist Eure Zeit. Nicht dass Ihr am Ende, wenn Eure Zeit gekommen ist, sagt: ‚Hätt ich doch mehr Zeit gehabt‘! Denn die Zeit ist a Matz.“

Jubel und Applaus ernteten die drei für so viel Tief-, Blöd- und Musiksinn. Und auch dafür, dass sie sich mit einer exzellenten Boandlkramer-Zugabe und ihren Hits „Am blauen See“ und „Bauern Raggae“ insgesamt dreieinhalb Stunden Zeit für ihre Fans genommen hatten.

Alexandra Korimorth

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