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Schneemassen belasten die Dächer bis aufs Äußerste.

Dachabräumen auf Privathäusern - das müssen Sie wissen

„Ohne Gutachten geht kein Helfer auf ein Dach“

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Dach abräumen oder abwarten – viele Hausbesitzer trieb am Wochenende diese Frage um. Vor allem die Räumeinsätze auf öffentlichen Gebäuden sowie so mancher Nachbarn sorgten für Verunsicherung.

Wir fragten Landratsamtssprecherin Sophie Stadler, was es bei diesem Thema zu beachten gilt.

Frau Stadler, ab wann ist es ratsam, einen Statiker zu konsultieren?

Das kann man pauschal nicht sagen. Jedes Gebäude ist ein Einzelstück. Spätestens jedoch, wenn beispielsweise Risse in Balken oder Decken auftreten oder ungewöhnliche Geräusche hörbar sind, muss das Gebäude sicherheitshalber sofort verlassen werden.

Gibt es ein Verzeichnis oder eine zentrale Stelle, bei der man sich für einen Statiker melden kann? Oder kann man gar einen von den Statikern kontaktieren, die vom THW angefordert wurden?

Adressen findet man in Branchenbüchern und im Internet. Die Baugutachter vom THW werden über die Führungsgruppe Katastrophenschutz disponiert. Aufgrund der enormen Zahl an Meldungen können momentan nur Dächer geprüft werden, die als gefährdet gelten, also zum Beispiel Flachdächer, oder in besonders schneereichen Gegenden liegen.

Wer übernimmt bei Gefahr in Verzug die Kosten eines Räumungseinsatzes beziehungsweise eines Statikergutachtens?

Der Hauseigentümer.

Gibt es diesbezüglich einen Handlungsleitfaden für die Bürger?

Zunächst muss sich jeder Hauseigentümer selbst um die Sicherheit seines Gebäudes bemühen und dafür bei Bedarf private Dienstleister engagieren. Auch gilt zu beachten: Ohne Gutachten vom Statiker betritt keine Einsatzkraft ein Dach. Das wäre viel zu gefährlich. Es muss also auf jeden Fall eine Aussage eines Statikers her.

Wie werden die Statiker des THW eingesetzt?

Das THW ist rund um die Uhr mit vier Baugutachter-Teams unterwegs. Natürlich können diese nicht alle Häuser im Landkreis prüfen. Die Gutachter werden nach Priorisierung zu ihren Prüfstellen geschickt. Erste Priorität haben alle öffentlichen Gebäude.

Wie werden denn die Prioritäten festgelegt? Das dürfte oft genug schwierig sein, oder?

Die Priorisierung ist eine sehr, sehr schwierige Einzelfallentscheidung. Jede Meldung wird in der Führungsgruppe Katastrophenschutz ausführlich diskutiert, sorgfältig geprüft und gewichtet. So hat eine Seniorenresidenz eine weitaus höhere Priorität als ein Heustadl. Zwar haben die Entscheider langjährige Einsatzerfahrung und ein immenses Fachwissen, dennoch ist eine sachgerechte Priorisierung nicht leicht. In jedem Fall bemühen sich die Entscheidungsträger um das bestmögliche Vorgehen im Sinne der Allgemeinheit.

Kann man beim Bürgertelefon anrufen?

Das Bürgertelefon Katastrophenschutz kann nur Meldungen aufnehmen, wo konkret Gefahr im Verzug ist. Anschließend wird die Meldung priorisiert. Meldungen mit Gutachten vom Statiker haben bei den Räumungsmaßnahmen eine höhere Priorität. Wenn erst ein Gutachten erstellt werden muss, kann das je nach Priorisierung angesichts der angespannten Lage unter Umständen Tage dauern. Das Gebäude muss im Zweifelsfall dauerhaft geräumt werden.

Gingen bislang viele Anrufe ein?

Ja. Seit Feststellung des K-Falls gingen sehr, sehr viele Anrufe bei uns ein. Am Freitag waren es an die 800, am Samstag etwa 600. Wichtig ist, dass die Notrufnummern nicht blockiert werden. Einsatzkräfte können über die Notrufnummern nur dann alarmiert werden, wenn Lebensgefahr besteht.

Wie erschöpft sind die Helfer?

Die Kräfte sind seit mittlerweile sieben Tagen im Dauereinsatz. Die schwere körperliche Arbeit zehrt an ihnen. Die Belastung ist enorm. Sie geben alles, um den Bürgern zu helfen. Aber in dieser Ausnahmesituation müssen alle zusammen Ruhe bewahren. Bei großen Dachflächen macht es nur Sinn, mann-starke Einheiten zu schicken. Die kleinen, einheimischen Feuerwehren würden dabei nicht hinterherkommen. Deshalb wurden die Bundeswehr-Kräfte dorthin verlegt.

ddy

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