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Gesperrte Gefahrenzone: Wegen der Schneemassen auf dem Dach ist der Bereich vor dem Waitzinger Bräu mit den Parkplätzen seit Tagen gesperrt.

 „Verantwortungslose Situation“

Dachlawinen: Stadtrat und Feuerwehr sauer auf Hausbesitzer

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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Gleich mehrere spektakuläre Dachlawinen sind in Miesbach und Hausham zuletzt abgegangen. Politik und Feuerwehr üben nun heftige Kritik an unverantwortlichen Hausbesitzern.

Miesbach/Hausham - Dass bislang niemand verletzt wurde, ist reines Glück, findet Markus Baumgartner. Der CSU-Stadtrat und Inhaber von Textil & Betten Thoba ärgert sich darüber, wie verantwortungslos manche Hausbesitzer seien: „Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“ Hinzu komme, dass nicht nur Gefahr von oben drohe, sondern auch auf dem Gehweg, „weil einige ihrer Räumpflicht als Hausbesitzer nicht nachkommen“.

Besonders ärgert Baumgartner die Situation am Miesbacher Stadtplatz. Dort ist seit Tagen der Bereich vor dem Waitzinger Bräu gesperrt, weil auf dem Dach immer noch Schnee liegt und der Fangschutz beschädigt ist. „Da müssen öffentliche Stellplätze abgeriegelt werden, weil ein Hausbesitzer seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachkommt. Dabei werden die für die Kunden gebraucht.“

Besagter Eigentümer kennt das Problem. „Aktuell sind uns aber die Hände gebunden“, sagt Korbinian Kohler. Der Eigentümer des Hotels Bachmair Weissach in Rottach-Egern verweist dabei auf das steile Dach. „Wir können es leider nicht freischaufeln. Deshalb müssen wir warten, bis alles repariert werden kann.“ Der unerwartet schneereiche winter habe viele überrascht und seinen Tribut gezollt. „Wir kontrollieren das Dach jeden Herbst, aber diese Massen an Schnee hat der Schneefang leider nicht gehalten.“

Baumgartner hat aber insgesamt eine „verantwortungslose Situation“ in der Kreisstadt festgestellt: „Mit Eis und Schnee ist nicht zu spaßen. Ich würde da sofort handeln.“ Auch er habe rund um sein Geschäftshaus geräumt und vom Dach gefährliche Schneebretter runtergeholt. „Das steht in der Satzung der Stadt und ist meine Pflicht als Hausbesitzer. Die Leute, die zum Einkaufen nach Miesbach kommen, wollen freie Gehwege haben.“ Doch selbst bei den Geschäftsinhabern habe er eine gewisse Nachlässigkeit ausgemacht. Das Aufstellen von Sperrstangen reiche aus seiner Sicht vor allem dann nicht aus, „wenn sie dazu führen, dass die Passanten in die Schneefallzone geraten“. 

Auch in Hausham drückt die weiße Last unnachgiebig gegen die Fanggitter auf den Dächern. Besonders brisant ist die Lage in der Glückaufstraße. Wie berichtet, war dort am Donnerstag ein Schneebrett von einem unbewohnten Haus gerutscht und hatte dabei zwei parkende Autos stark beschädigt. 

Wenige Meter weiter drohte am Freitag eine ähnliche Gefahr. Wie Haushams Feuerwehrkommandant Joachim Hamacher auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, hatte ein Mitglied seiner Truppe am Nachmittag bemerkt, dass auf einem Dach ein Teil des Schneefangs abgebrochen war und sich damit eine Lawine ankündigte. Nach Rücksprache mit dem Bauhof entschied man sich zum Alarm. 

Weil auch dieses Haus verlassen war und einen baufälligen Eindruck machte, trauten sich die Einsatzkräfte nicht aufs Dach. Stattdessen baten sie ihre Miesbacher Kollegen um Unterstützung. Die rückten prompt mit ihrem Drehleiterfahrzeug an und verschafften den Haushamern so Zugang zum kurz vor dem Abrutschen befindlichen Schneebrett. Nach vorheriger Sicherung des Bereichs habe man die Lawine dann kontrolliert in die Tiefe stürzen lassen, berichtet Hamacher. 

Auch er ärgert sich über die nachlässigen Eigentümer. Was bei einer Dachlawine alles passieren könne, habe man ja ein paar Häuser weiter gesehen. Immerhin bleibt die Allgemeinheit nicht auf den Kosten für den Feuerwehreinsatz sitzen. Laut Hamacher erhält der Besitzer des Objekts demnächst eine Rechnung.

ddy/sg

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