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Die Miesbacherin Rosetta Pedone, die inzwischen in Köln lebt, kam zum Heim-Gastspiel in die Kreisstadt.

 „Dahoam is‘ doch was anders als woanders“

Rosetta Pedone mit allererstem Solo-Kabarett in Miesbach

Im Frühjahr überzeugte sie als Wagenknecht-Double auf dem Nockherberg, jetzt kam Rosetta Pedone zum Heim-Gastspiel mit ihrem allerersten Solo-Kabarett in ihre Heimatstadt. Der Abend - die besten Szenen:

Miesbach – Es war ein Heim-Gastspiel für die Miesbacherin, die inzwischen in Köln lebt. Mit ihrem allerersten Kabarett-Soloprogramm „Lügensau“ lockte Rosetta Pedone 250 Fans in den Waitzinger Keller. Sie jagt ihre Figuren durch den ganz normalen Wahnsinn des täglichen Lebens, lässt sie in brenzlige Situationen hineinschlittern und wieder herauskommen, manchmal auch an der Welt scheitern und den (Un-)Sinn des Lebens entdecken.

Pedone ist vor allem Schauspielerin, eine erfolgreiche noch dazu. Im Kino war sie in „Maria Mafiosi“ zu sehen, im Fernsehen in „Sturm der Liebe“, als Sahra Wagenknecht im Nockherberg-Singspiel des Haushamers Marcus H. Rosenmüller und im Stammensemble von „Grünwald’s Freitagscomedy“. Mit dem Ausflug ins Kabarett- und Comedy-Fach wagt sie sich auf ein zwar mit der Schauspielerei eng verwandtes, aber doch wieder ganz anderes Terrain.

Pedones Themen sind so ziemlich alles, worüber sich trefflich lachen und schmunzeln lässt und wo alle mitreden können. Etwa das ewige weibliche Problem mit dem Aussehen, der Figur und den Investitionen dafür. Da sind die 120 Euro für den Friseur, die 80 für die Kosmetikerin oder die 500 für die Botox-Behandlung noch kleine Fische, die 5000 für die Brustvergrößerung aber schon nicht mehr. Macht ja nix – zahlt alles der Heini, die große Liebe, denn „der hod Geld zum Saufuadern“. Hier wird neben der schauspielerischen Klasse eine der Stärken der 34-Jährigen deutlich: Der Umgang mit gesprochener Sprache, von tiefstem Bairisch über gestochenes Hochdeutsch bis zum italienischen Akzent.

Pedone ist als Tochter sizilianischer Gastarbeiter in Hausham geboren. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass sich die Passage über die nachmittags auf sich allein gestellte kleine Rosetta – die Eltern mussten ja beide arbeiten – oder über Unterschiede zwischen deutschen und italienischen Erziehungsmethoden als eine der stärksten im Programm herausstellte. Pedone wunderte sich, dass junge Leute heutzutage schon nach dem Abi eine Auszeit brauchen, nach Neuseeland zum „Schafe zählen“ müssen und dafür von Oma und Opa mit 20 Mille gesponsert werden. Was passiert denn dann im Verteidigungsfall – wenn überhaupt „des oide Graffe von der Soldaten-Uschi funktioniert“?

So hangelte sich die „Granatenfrau“, die sie selbst gar nicht sein will, von Thema zu Thema, verweilte aber nur selten länger bei einem, um es intensiver zu beleuchten. Es ging um Männer-Bärte, die Wiesn, Faschingsdienstag am Viktualienmarkt, wo es auch mal deftig bis „gschert“ zuging, um Schlankheitswahn und italienische Köstlichkeiten, um Politiker, Religion und - in einer sehr nachdenklichen Passage - auch das Flüchtlingsproblem – in einer sehr nachdenklichen Passage.

Pedones Kabarett-Erstlingswerk ist lustig und unterhaltsam, manchmal ernst, wütend, traurig und deckt so ein breites Spektrum an Befindlichkeiten ab. Mit einem sichtbaren roten Faden und etwas mehr Polierarbeit hat „Lügensau“ viel Potenzial. „Dahoam is’ doch was anders als woanders“, meinte die Nachwuchs-Kabarettistin am Schluss selbst: „Dahoam is da, wo meine Wurzeln san, und des seids Ihr alle!“ 

Reinhold Schmid

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