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Möchte auf ihr Auto nicht verzichten: Waltraud Schreiner (76) fährt auch weitere Strecken ohne Probleme. Um ihr Können aufzufrischen, hat sie sich Tipps bei Fahrschulleiter Sebastian Trescher geholt.

Es ist kostenlos

Damit Rentner nicht zur fahrenden Zeitbombe werden: Dieses Fahrtraining rettet Leben

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Viele werden zur Gefahr auf unseren Straßen. Für Rentner, die ihr eigenes Können prüfen wollen, ohne gleich den Schein danach abgegeben zu müssen, gibt es jetzt ein Programm - kostenlos.

Miesbach – Das Dauerpfeifen der Einparkhilfe ihres grauen Renault lässt Waltraud Schreiner nichts gutes vermuten. „Hab ich einen erwischt?“, ruft die 76-jährige Miesbacherin durch das offene Fenster. Sebastian Trescher, Leiter der Miesbacher Fahrschule Brummi fit, schüttelt den Kopf. „Da ist schon noch ein bisschen Luft.“ 

Tatsächlich sind noch gut zwei Hand breit Platz zwischen der Heckstoßstange des Kleinwagens und den Plastikpylonen, die Trescher als Hindernis für die Zielbremsübung auf dem großen, freien Platz hinter der Oberlandhalle aufgestellt hat. Der Experte erklärt: „Ein Dauerton bedeutet nicht automatisch Feindkontakt.“ Schreiner nickt. Eine wichtige Erkenntnis, wenn sie mal wieder in eine Parklücke oder durch eine enge Baustelle muss.

Genau da hat die 76-Jährige im Alltag nämlich manchmal Schwierigkeiten. Und genau deshalb hat sie sich zum kostenlosen Informationsseminar „Senioren im Straßenverkehr – sicher und mobil“ bei Brummi fit entschieden. „Als ich meinen Führerschein gemacht habe, hat es noch keinen Kreisverkehr gegeben“, sagt die Miesbacherin. Ungewohnt war auch die „Probefahrt“ im Simulator. Drei Bildschirme und dann auch noch die anderen Teilnehmer, die einem über die Schulter schauen: „Das war mir anfangs schon ein bisschen unangenehm“ gesteht die 76-Jährige. Doch die Freude über das Erlernte überwog. So sehr, dass Schreiner nun auch die Praxisstunde auf dem Übungsplatz buchte.

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Da ist die Seniorin mittlerweile beim Rückwärts-Slalom angekommen. Hoch konzentriert dreht sie das Lenkrad – und ihren Kopf. Außenspiegel, Innenspiegel, Schulterblick. Da kann einen schon mal die Orientierung verlassen. Als Schreiner das Plastikhütchen kurz aus den Augen verliert, spitzt sie einfach aus dem offenen Fenster. „Hier geht es um das Raumgefühl“, erklärt der Fahrschulleiter. Und das wird bei seiner „Schülerin“ immer besser, denn sie wird mutiger. Traut sich, auch mal an die Grenzen zu gehen. Was im Alltag in einen teuren Parkrempler münden würde, lässt hier nur einen Pylon umfallen. „Hier kann man scheitern, ohne dass was passiert“, erklärt Trescher den Sinn der Übung.

Das hätte sich 76-Jährige auch damals gewünscht, als ihr Mann wegen einer Augenkrankheit quasi von heute auf morgen nicht mehr Autofahren konnte. Bis dahin sei er immer selbst am Steuer gesessen, erinnert sich Schreiner. „Er wollte nicht, dass ich fahre.“ Entsprechend schlimm war der Sprung ins kalte Wasser, als sie plötzlich einspringen musste.

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Heute will die Miesbacherin nicht mehr auf ihr Auto verzichten. Sie kurvt nicht nur in und um ihre Heimatstadt herum, sondern besucht auch regelmäßig ihre Familie in der Oberpfalz. Angst vor der Geschwindigkeit habe sie nicht. „Auf der Autobahn fahre ich auch mal 160“, meint sie schmunzelnd und fügt gleich an: „Natürlich nur, wenn es erlaubt ist.“ Auch an der Reaktionsfähigkeit mangelt es Schreiner nicht, wie ihr Trescher bei der Gefahrbremsung bestätigt.

Doch was macht der Fahrschulleiter, wenn er bei einem seiner Kursteilnehmer eklatante Defizite feststellt? „Wer mich nach meiner Meinung fragt, dem sage ich sie auch“, sagt Trescher. „Es ist aber nicht an mir, zu richten.“ Deshalb müsse auch niemand fürchten, dass er nach dem Seminar um seinen Führerschein bangen muss. Vielmehr gehe es im Kurs darum, den älteren Autofahrern die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Können zu reflektieren und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. „Die Entscheidung muss jeder selbst treffen“, sagt Trescher.

Schreiner jedenfalls hat einen klaren Rat an alle anderen autofahrenden Senioren: „Ich kann den Kurs nur jedem empfehlen“, sagt sie nach der Übungsstunde. Und bucht sogleich die nächste. Da will sie mit Trescher durch den Stadtverkehr fahren. Für sie steht fest: „Jeder Tipp hilft mir im Alltag weiter.“ Und trägt dazu bei, dass sie noch möglichst lange Autofahren kann.

Alle Infos zum kostenlosen Seminar

Das Seminar „Senioren im Straßenverkehr – sicher und mobil“ ist aus einer Kooperation der Fahrschule Brummi fit mit der Kreisverkehrswacht und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee heraus entstanden. Drei Termine haben bereits stattgefunden, zwei weitere sind noch geplant (Montag, 24. September, und Montag, 17. Dezember, jeweils ab 18 Uhr).

In eineinhalb Stunden bringen die Moderatoren die älteren Autofahrer zu Themen wie Gefahrenlehre, Reaktionszeiten, Verkehrsregeln oder Sicherheits- und Assistenzsysteme moderner Autos auf den neuesten Stand. Es handelt sich dabei nicht um einen reinen Vortrag, sondern um einen Erfahrungsaustausch der Senioren am Steuer. 

An den bisherigen Veranstaltungen haben laut Fahrschulleiter Sebastian Trescher 18 Personen teilgenommen. Sie kamen nicht nur aus Miesbach, sondern auch aus Tegernsee, Fischbachau und Irschenberg. Auch eine 89-jährige Seehamerin, die laut Trescher immer noch absolut sicher im Auto unterwegs ist, war am Start. 

Das Seminar ist kostenlos. Weitere Infos gibt es bei der Fahrschule Brummi fit unter 0 80 25 / 28 00 28 oder per E-Mail an info@fahrschule-brummifit.de

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