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Begnügt sich mit dem Beifahrersitz: Josef Nürnberger aus Miesbach hat vergangenes Jahr sein Auto hergeschenkt. Seine Besorgungen erledigt der 93-Jährige seitdem zu Fuß – oder als Passagier im Auto seines Sohns.

„Es war an der Zeit, schön staad aufzuhören“

Darum hat Josef Nürnberger (93) sein Auto hergeschenkt

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Ein Leben ohne Auto war für Josef Nürnberger (93) lange Zeit undenkbar. Vor einem Jahr hat der Miesbacher die Schlüssel an den Nagel gehängt - und sein Fahrzeug verschenkt.

Miesbach – Seit Josef Nürnberger mit 18 seinen Führerschein beim Militär gemacht hatte, war der Miesbacher auf vier Rädern unterwegs. Zuerst chauffierte er seine Kinder durch die Gegend, später seine Frau. Als diese auf den Rollstuhl angewiesen war, kaufte sich Nürnberger einen Peugeot-Kastenwagen und ließ eine absenkbare Rampe einbauen. „Acht Jahre lang habe ich so meine Frau im Auto mitgenommen“, berichtet Nürnberger stolz. Nach ihrem Tod nutzte er den Wagen weiter für seine eigenen Besorgungen und Ausflüge. „Bis vor einem Jahr bin ich noch nach Bad Füssing gefahren“, erzählt Nürnberger. Da war er 92.

Unsicher am Steuer fühlte er sich trotz seines hohen Alters nicht. Dennoch dachte er langsam aber sicher übers Aufhören nach. „Bei Stresssituationen hätte ich vielleicht doch mal Schwierigkeiten bekommen“, sagt Nürnberger. „Ich habe gemerkt, dass es Zeit war, schön staad aufzuhören.“ Als er erfuhr, dass ein Bekannter aus Übersee plötzlich auf den Rollstuhl angewiesen war und seine Familie deshalb ein passendes Auto suchte, entschied Nürnberger, sich von seinem geliebten Wagen zu trennen. Er schenkte es der vom Schicksal schwer getroffenen Familie – und ist seitdem nicht mehr selbst gefahren.

Experten-Umfrage: So gefährlich sind ältere Autofahrer

Seinen Führerschein hat der 93-Jährige noch, doch er nutzt ihn nicht mehr. Kleinere Besorgungen in Miesbach erledigt er zu Fuß. Weil er nicht mehr so gut auf den Beinen ist, geht er mit einem Stock. Wenn er doch mal eine weitere Strecke zurücklegen muss, steigt Nürnberger wieder ins Auto. Allerdings auf dem Beifahrersitz bei seinem Sohn.

sg

Das Thema Senioren am Steuer wird uns die kommenden Jahre immer stärker beschäftigen. Tatsächlich zeigt eine Analyse unserer Zeitung: Ältere Menschen sind gefährlich auf der Straße.

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