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Nein zur Ladestation in Miesbach: Die Mehrheit im Stadtrat sieht die Stromunternehmen in der Pflicht, die nötige Infrastruktur zu schaffen und zu bezahlen.

Energiewende muss warten

Darum will der Stadtrat keine E-Tankstellen

Miesbach will keine Ladestationen für E-Autos im Stadtgebiet bauen - trotz Förderung. Den Stadträten ist die Aktion viel zu teuer. Man will auf bessere Angebote warten.

Miesbach – Die E-Mobilität erfreut sich steigender Aufmerksamkeit. Doch damit diese Fahrzeuge am Markt eine Chance haben, brauchen sie ein Netz aus Ladestationen, an denen sie Strom tanken können. Im Miesbacher Stadtrat wurde nun erneut das Für und Wider diskutiert, solche Ladestationen selbst zu betreiben. Die Bereitschaft ist zunehmend zurückhaltend. Der Grund sind – wie bereits in der Juli-Sitzung diskutiert – die Kosten. Denn die Stadt würde eine Infrastruktur bezahlen, damit Stromanbieter ihren Strom verkaufen können.

Wie berichtet, hat das Bundesverkehrsministerium eine neue Förderrichtlinie erstellt, die die „Errichtung einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ auf den Weg bringen soll. Ein erster Aufruf zum Mitmachen ging im Februar an die Kommunen – Miesbach bewarb sich und bekam den Zuschlag.. Der Höchstsatz zur Förderung beträgt bis zu 40 Prozent. Im Freistaat unterstützt die Bayernwerk AG die Städte und Gemeinden bei der Durchführung des Verfahrens. In Miesbach waren vier Ladestationen im Gespräch, jedoch wurde das Thema wegen offener Fragen und der Erkrankung von Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) vertagt. Angedacht waren zwei Ladestationen mit je zwei Ladepunkten am Habererplatz sowie an der Schmiedgasse am AOK-Parkplatz.

Zwischenzeitlich hat Alexander Usselmann, Kommunalbetreuer vom Netzbetreiber Bayernwerk, die offenen Fragen des Stadtrats beantwortet. Demnach müssen keine vier Ladestationen aufgestellt werden. Den Strom bezahlt der Nutzer via EC-Karte oder OR-Code. Der Ladevorgang an einer 22 Kilowatt-Säule dauert drei Stunden und kostet 18 Euro, also zehn Cent pro Minute.

Für den Unterhalt muss die Stadt als Betreiberin über sechs Jahre eine monatliche Pauschale zahlen – im Fall der vier beantragten, aber letztlich nicht beauftragten Ladestationen wären es 69 Euro pro Monat gewesen. Hinzu kämen die Anschaffungskosten: Für eine Säule müsste die Stadt rund 5000 Euro bezahlen plus 2000 bis 5000 Euro für den Netzanschluss. Damit hätte die Stadt an die 20.000 Euro investieren sollen.

Zu viel Geld für viele Stadtratsmitglieder. „Grundsätzlich bin ich dafür, aber ich weiß nicht, ob es angesichts unserer finanziellen Situation das richtige Haushaltsjahr ist“, sagte Verkehrsreferent Florian Ruml (FW). Ähnlich sah es Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW): „Das wäre ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz, aber wir sollten prüfen, ob es nicht günstiger geht.“ Sein Fraktionskollege Markus Seemüller regte an, dies landkreisweit koordinieren zu lassen. Zudem sollte das Rathaus eruieren, ob sich nicht Privatpersonen engagieren wollen.

Erhard Pohl (CSU) warnte jedoch davor, zu blauäugig an die Sache heranzugehen: „Die Ökobilanz von E-Autos ist alles andere als toll angesichts der Batterien und Atomstrom.“ Eine finanzielle Beteiligung lehnte er kategorisch ab. „Das Stromunternehmen verkauft Strom – dann muss es auch in seine Infrastruktur investieren.“ Alles andere sei Subvention. Und Fraktionssprecher Franz Mayer (CSU) ergänzte: „Die Stadt stellt ja auch keine Sprit-Zapfsäule am Marktplatz auf.“

Aufseiten der SPD versuchte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl, die ideelle Bedeutung hervorzuheben. „Wir sind Mitglied bei der Energiewende Oberland“, betonte er. Bis 2035 wolle der Landkreis energieautark sein. Da sei es wichtig, jetzt Gas zu geben.

Bei der Abstimmung sprach sich der Stadtrat gegen die SPD-Fraktion dafür aus, vorläufig Abstand von einem Einstieg zu nehmen. Das Hauptargument: Das sei keine Pflichtaufgabe der Stadt. Vielmehr solle die Planung des Landkreises berücksichtigt werden. Zudem Bürgermeisterin Pongratz fest, dass dies nicht das letzte Förderprogramm sein dürfte. Ein neues sei bereits am Start: zu denselben Konditionen wie das erste, jedoch richtet es sich neben Kommunen auch an Privatpersonen und Firmen.

ddy

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