Der Ersatzbau wird in Z-Form und Flachdach angelegt. Zur Münchner Straße hin öffnet sich das Areal, das Hauptgebäude bleibt optisch vorherrschend. Die Riezlerstraße wird nach Norden verlegt. Gegenüber des ehemaligen Klosters wird ein Wohnhaus errichtet.
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Der Ersatzbau wird in Z-Form und Flachdach angelegt. Zur Münchner Straße hin öffnet sich das Areal, das Hauptgebäude bleibt optisch vorherrschend. Die Riezlerstraße wird nach Norden verlegt. Gegenüber des ehemaligen Klosters wird ein Wohnhaus errichtet.

Landrat stellt Ersatzbau im Stadtentwicklungsausschuss vor

Neues Landratsamt Miesbach: Das Flachdach stößt auf Widerstand

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Das Landratsamt steht in Miesbach, und deshalb braucht der Landkreis für den geplanten Ersatzbau das gemeindliche Einvernehmen der Stadt. Im Sinne eines engen Dialogs hat Landrat Olaf von Löwis nun mit seiner Mannschaft den aktuellen Stand der Planung im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt – nicht ohne Reibung.

  • Ersatzbau braucht große Kubatur
  • Flachdach in der Kritik
  • Denkmalschutz befürwortet Gesamtlösung

Miesbach – Elf Mitglieder im Stadtentwicklungsausschuss, neun Vertreter rund um das Projekt Ersatzbau – der Saal des Waitzinger Kellers in Miesbach brauchte für die jüngste Sitzung doppelt so viele Tischplätze. Denn Landrat Olaf von Löwis (CSU) brachte zum Infotermin neben Kreiskämmerer Gerhard de Biasio weitere Mitarbeiter des Landratsamts sowie die involvierten Planer mit. „Das zeigt, wie bedeutend das Projekt für den Landkreis ist“, erklärte Löwis.

Z-förmiger Bau mit drei Obergeschoßen und begrüntem Flachdach

Wie berichtet, ersetzt ein neuer Z-förmiger Bau mit Erdgeschoß und drei Obergeschoßen den Altbestand inklusive ehemaligem Landwirtschaftsamt an der Münchner Straße. Die Riezlerstraße wird nach Norden verlegt – zwischen den Ersatzbau im Süden und der neuen Wohnbebauung mit 20 Wohnungen im Norden. Unter den Baukörpern ist eine Tiefgarage mit zwei Ebenen vorgesehen. Insgesamt ist die Anlage so konzipiert, dass sich der Bereich im Südwesten zur Stadt hin öffnet.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Bericht: „Kein Satteldach! Was erlauben Löwis?!“

Knackpunkt der Diskussion war letztlich das vorgesehene Flachdach, das nicht nur begrünt, sondern auch mit Fotovoltaik-Paneelen bestückt werden soll. Für Franz Mayer (CSU) ist ein Flachdach „nicht die günstigste Lösung“. In der Umgebung der Behörde habe man mit dem Vermessungsamt und den Häusern an der Rosenheimer Straße bis hin zum Amtsgericht „schöne Dachkörper“ – mit Ausnahme der Kopp-Kaserne.

„Ich bitte das zu überdenken“

Auch Markus Seemüller (FWG) sprach sich gegen das Flachdach aus. „Ich bin überrascht, dass das ins Ensemble rein soll“, stellte er fest und verwies auf den Schnee-Katastrophenfall 2019. Das Haupthaus des Landratsamts sei ein „so sympathisches Gebäude“, während der Ersatzbau „unpraktikabel und unästhetisch“ sei. „Ich bitte das zu überdenken.“

Paul Fertl (SPD), der für die Stadt an 30 Sitzungen des Landratsamts zum Ersatzbau teilgenommen hatte, gab jedoch zu bedenken, dass ein Satteldach die Kubatur noch wuchtiger erscheinen lasse. Insgesamt sei es eine „gelungene Architektur, mit der wir gut leben können“. Das bekräftigte der Landrat: „Das Flachdach ist gut überlegt. Jeder Hut macht den Ersatzbau höher als das Hauptgebäude.“ Die drei plus eins Geschoße würden jedoch gebraucht, um den Raumbedarf zu sichern.

Dem stimmte Architekt Christian Boiger als Vertreter des Denkmalschutzes zu: „Ein Hut wird lächerlich, wenn die Proportion nicht passt.“ Er sei mit dem gesamten Entwurf „sehr glücklich und zufrieden“. Das Dach sei ebenfalls passend, „denn Amtsgebäude wie Pfarrhöfe haben sich immer durch ihre Dachform von ihrer Umgebung unterschieden“. Außerdem wolle man nicht, dass sich der „Neubau wichtiger nimmt als das Hauptgebäude“. Während Mayer auf den Neubau des Pfarrheims verwies, bei dem nach langem Hin und Her nachgebessert wurde, stellte Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) fest: „Es muss nicht alles im bäuerlichen Stil sein.“

Stadtplaner sieht Flachdach als beste Lösung

Für Stadtplaner Otto Kurz ist ein Flachdach kein Problem: „Ein begrüntes Dach ist städtebaulich die beste Lösung, weil sie die Baumasse am besten integriert.“ Nun komme es auf die Fassadengestaltung an, „damit der Dachabschluss baulich wirksam ist.“ Wie wichtig das begrünte Flachdach ist, betonte Kämmerer de Biasio. Denn ohne das Dach als Rückhaltefläche hätte man große Probleme, das Regenwasser abzuleiten.

Wie Miesbachs Bauamtsleiter Lutz Breitwieser skizzierte, muss die Stadt ihre Bauleitplanung ändern. Am besten mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, denn so könne die Stadt am meisten regeln. Zudem müsse man die Verlegung der Riezlerstraße vertraglich regeln. Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) will „im Dialog“ bleiben.

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