Beim Umbau hin zum klimatoleranten Wald sieht der Forst das Wild als Bedrohung.
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Beim Umbau hin zum klimatoleranten Wald sieht der Forst das Wild als Bedrohung.

KOMMENTAR

Das Wild als Schädling

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Kaum ist Wolfgang Kuhn zum neuen Jagdberater des Landkreises ernannt, hagelt es Kritik. Dabei ist Konfrontation keine Option, wenn es um Zusammenarbeit und Unterstützung geht. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Dieter Dorby.

Der Frontalangriff, mit dem versucht wird, den neuen Kreisjagdberater gleich auf den ersten Metern aus dem Spiel zu kegeln, zeigt, mit welch harten Bandagen Lobby-Arbeit auch im heimischen Landkreis durchgeführt wird. Dass der Landrat entgegen einer Mehrheit im Jagdbeirat dennoch an seinem Experten festhält, ist bemerkenswert – vor allem, weil Olaf von Löwis als Diplom-Forstwirt fundierte Fachkenntnis mitbringt.

Es kommentiert Merkur-Redakteur Dieter Dorby.

Bei aller Diskussion um das Wohl des Waldes darf man nicht vergessen, dass dieser auch eine Wirtschaftsbranche ist, die allen voran den Bayerischen Staatsforsten gutes Geld beschert. Gewinnoptimierung ist ein Wort, das man auch dort kennt. Da verwundert es nicht, dass das Wild von einigen als Schädling betrachtet und auch so behandelt wird.

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Den Job des Schädlingsvernichters haben die Jäger, aber manch einer übernimmt ihn nur widerwillig, gerade wenn der Jagdauftrag mit dem Ethos der Hege sich so gar nicht in Einklang bringen lässt. Druck, Gegendruck – das Verhältnis zwischen Forst und Jagd ist lange belastet.

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Den schwierigen Part in dieser Beziehung hat die Jagd. Denn egal, wie viel, was und wie geschossen wird: Für die breite Öffentlichkeit und viele Tierfreunde klebt das Blut am Jäger – der Forst als Urheber bleibt sauber.

Dabei darf man nicht vergessen, dass der Umbau hin zum klimafesten Wald auch erforderlich wird, weil man bei der Monokultur der 1960er- und 70er-Jahre auf Fichten gesetzt hat, die sich auch wegen des Borkenkäfers als zu anfällig erwiesen. Dafür wurden damals stabile Mischbestände geopfert. Das zeigt eines: Extreme Ansätze sind selten nachhaltig. Das gilt für Bäume wie für Meinungen. Umso wichtiger ist es, endlich einen gemeinsamen Weg einzuschlagen.

ddy

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