Jonas Grabler seitzt auf dem Gipfel des Großen Bettelwurfs (2726 Meter) in Tirol und blickt aufs Inntal hinab.
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Trotz Pandemie kein verlorenes Jahr: Jonas Grabler bleibt auch zu Corona-Zeiten guter Dinge. Dabei helfen ihm die Bergtouren, wie hier auf dem Großen Bettelwurf (2726 Meter) in Tirol mit Blick aufs Inntal.

Interview mit Miesbacher DAV-Sprecher Jonas Grabler

„Bergtouren leben vom Teilen“

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Bergsport boomt, das merkt auch der DAV Miesbach. Vor Kurzem stieg die Mitgliederzahl über 2000. Darüber sprachen wir mit Jonas Gabler.

Der 38-jährige Berufsschullehrer engagiert sich als Pressereferent im Vorstand der DAV-Sektion und ist selbst begeisterter Gipfelstürmer.

Herr Grabler, die Miesbacher Alpenvereins-Sektion hat erstmals die 2000er-Marke geknackt. Wie erklären Sie sich den Zuwachs?

Tatsächlich konnten wir im vergangenen Jahr keinen bestimmten Auslöser erkennen – nicht einmal die Corona-Pandemie hat sich spürbar ausgewirkt. Dass wir jetzt knapp über 2000 Mitglieder haben, ist das Ergebnis eines Trends, der sich seit Jahren abzeichnet: Im Schnitt treten jährlich 70 bis 100 neue Mitglieder ein. Die Begeisterung für den Bergsport nimmt einfach immens zu.

War das schon immer so?

Zum Vergleich: Im Jahr 1997 hatten wir nur 500 Mitglieder, 2011 dann schon 1000, vier Jahre später 1500 und jetzt eben die 2000.  Mit dem Gründungsdatum von 1876 gehört die Miesbacher Sektion zu den 25 ältesten des DAV. Einen kräftigen Schub hat uns 2004 die Mitgliedschaft unserer Sektion im DAV-Kletterzentrum Oberbayern Süd gegeben. Mitglieder bekommen hier kräftige Rabatte – das lockt an. Außerdem reizt die Miesbacher Hütte am Spitzingsee. Mitglieder haben bei der Buchung Vorrang – ein weiterer Mitgliedsmagnet.

Der Besucherstrom in die Berge steht aktuell in der Kritik. Ist die hohe Mitgliederzahl auch ein Problem?

So würde ich das nicht sehen. Natürlich sind wir einerseits ein Sportfachverband, dessen Mitglieder in die Berge gehen. Aber wir rufen auch zum naturverträglichen Handeln auf, kümmern uns um die Pflege von Wegen und sensibilisieren Besucher. Beispielsweise arbeiten wir viel mit Florian Bossert, Gebietsbetreuer am Landratsamt, zusammen. Fortlaufend informiert der DAV auch über naturverträgliches Skitourengehen und stellt Schilder für Wildschongebiete auf. Und bei den Wander- und Klettertouren, für die sich Mitglieder anmelden können, klären wir immer über den Naturschutz auf und halten uns an entsprechende Zeiten und Regeln. Dass Mitglieder des DAV diejenigen sind, die nachts mit dem Gettoblaster auf den Taubenstein gehen, kann ich mir nicht vorstellen.

Konnten heuer Touren und Kurse trotz der Pandemie stattfinden?

Vor März und im Sommer ging noch einiges. Zum Beispiel konnten ein- und mehrtägige Ski- sowie Hochtouren – übrigens ein absoluter Renner in unserer Sektion – glücklicherweise noch stattfinden. Gut nachgefragt sind sonst auch Kletter- und Hochtourenkurse sowie Lawinenkunde. Abgesagt wurden viele Wander- und Mountainbiketouren und Kletterkurse vor allem im Frühjahr und im Frühsommer.

Lesen Sie hierzu auch: Intensive Aufklärung: Ranger und Gebietsbetreuer nutzen Ruhe in den Bergen und „Die Berge sind kein Fitnessstudio“ - Gebietsbetreuer warnt vor Folgen des Skitouren-Ansturms

...ein verlorenes Jahr?

Nein, wir hatten schon zahlreiche Highlights. Unser Filmabend „Bergnarrisch“ musste im April abgesagt werden. Nachgeholt haben wir ihn dann auf dem OpenAir-Gelände des Berghofs in Agatharied. Wir waren so begeistert, dass wir uns heuer gleich wieder dem Berghofer Filmfest anschließen wollen. Unsere Klettergruppe „H3“ für Menschen mit Behinderung hat ein weiteres Ereignis zu feiern: Die Raiffeisenbank im Oberland hat die Gruppe mit dem „Stern des Sports“ in Bronze ausgezeichnet. Das gewonnene Geld verwendet die Gruppe voraussichtlich für einen Kletterausflug.

Gab es auch persönliche Höhepunkte für Sie?

Mitte Juni war ich mit einem Bergspezi auf dem Kleinen und Großen Bettelwurf in Tirol unterwegs. Von 2726 Metern auf das Inntal zu blicken – das war schon ein großer Moment an einem Traumtag. Außerdem war ich auf dem Watzmann. Die Tour über die kleine Ostwand ist mir gut in Erinnerung geblieben.

Wie schaut es in diesem Jahr aus?

Unser Programm steht. Wir sind weiterhin breit aufgestellt, Angebote für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sind vorbereitet. Manche Termine müssen wir – ähnlich wie vergangenes Jahr – ersatzlos entfallen lassen. Nachdem wir aber nicht wissen, wann die Pandemie zu Ende geht, planen wir einfach weiter und können hoffentlich irgendwann ins Programm einsteigen. Bis dahin fehlt mir und vielen anderen natürlich das Vereinsleben. Die Erlebnisse in den Bergen leben schließlich auch vom Teilen, Erzählen und Austauschen mit anderen. Trotzdem bin ich guter Dinge, dass es bald wieder bergauf geht.

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