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Will das Schiff auf Kurs halten: Dekan Michael Mannhardt hält nichts von großen Revolutionen in der Kirche. Die Umbrüche kämen von außen ganz von alleine, findet der Pfarrer von Hausham und Miesbach. 

„Ohne Ostern wäre das Jahr nicht vorstellbar“

Dekan Michael Mannhardt: „Die Natur ist meine Kraftquelle“

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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Im Herbst wurde Michael Mannhardt Dekan. Wir haben mit ihm gesprochen über unnötige Zwänge, notwendige Umbrüche und die Schöpfung als wohltuende Insel in unserer rasanten Zeit.

Landkreis – Eine Wanderung wäre Michael Mannhardt lieber gewesen. Da, sagt der Pfarrer, komme man besser ins Gespräch. Und auch zur Ruhe finde man in den Bergen. Das schafft Mannhardt seit Herbst vergangenen Jahres noch seltener. Da hat der 46-Jährige Walter Waldschütz als Dekan abgelöst und damit eine weitere, verantwortungsvolle Aufgabe für die katholische Kirche im Landkreis übernommen (wir berichteten). Wie er diese mit seinem ohnehin vollen Terminplan als Leiter der beiden Pfarrverbände Hausham-Agatharied und Miesbach-Parsberg bewältigt, haben wir Mannhardt im Interview gefragt. Ein Gespräch über unnötige Zwänge, notwendige Umbrüche – und die Schöpfung als wohltuende Insel in den rasanten Strömungen unserer Zeit.

Mehr zu Michael Mannhardt: So berichtete die Heimatzeitung über seine Amtseinführung

Dekan Michael Mannhardt: „Die Natur ist meine Kraftquelle“

Herr Mannhardt, Ostern gilt als Symbol für einen Neubeginn. Davon hatten Sie in der jüngeren Vergangenheit gleich mehrere. Erst haben Sie mit Miesbach einen weiteren Pfarrverband dazubekommen, jetzt leiten Sie auch noch das Dekanat. Was hat sich für Sie persönlich verändert?

In erster Linie hat sich alles noch mehr verdichtet. Die Freiräume sind spürbar weniger geworden. Das wird mir gerade in der Zeit vor Ostern bewusst. Die Fastenzeit will uns ja eigentlich zeigen, dass weniger mehr ist, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren soll. In unserem durchgetakteten Alltag stopfen wir uns dagegen oft mit so vielen Dingen voll, dass wir das meiste davon gar nicht mehr wirklich verkosten oder schätzen können. Da nehme ich mich selbst gar nicht aus. Umso wichtiger ist es, dass man sich Inseln der Ruhe schafft.

Wo liegen die bei Ihnen?

In den Bergen und am Wasser. Die Natur ist für mich eine Kraftquelle. Da fühle ich mich der Schöpfung und Gott sehr nahe, kann gut auftanken. Künstliche Ablenkung brauche ich nicht. Die habe ich im beruflichen Alltag genug. Und damit meine ich nicht die Seelsorge.

Sondern?

Das gesamte Drumherum, in erster Linie die Verwaltung. Da gibt es mittlerweile ein solches Sammelsurium an Vorschriften, dass man schon ein Rechtsfachmann sein muss, um da noch durchzublicken. Es ist beispielsweise Wahnsinn, was man bei einer Wallfahrt alles beachten muss. Oder bei einem neuen Spielgerät in einem unserer katholischen Kindergärten. Und sogar bei Entscheidungen in der Kirchenverwaltung. Da haften die Mitglieder im schlimmsten Fall persönlich, wenn etwas schief geht. Eine sehr traurige Entwicklung, die sich auf das gesamte gesellschaftliche Leben auswirkt.

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Dekan Michael Mannhardt: „Wir sind ein bunter Haufen und bereichern uns gegenseitig“

Inwiefern?

Nun ja, die Leute ziehen sich zurück und scheuen es, sich zu engagieren. Im Grunde steuern wir gerade in eine neue Biedermeier-Zeit. Da geht es uns als Kirche übrigens nicht viel anders als Vereinen. Das Korsett aus Auflagen schnürt uns so sehr ein, bis wir am Ende Angst vorm Leben selbst haben.

Ist es nicht an der Kirche, dagegen anzukämpfen?

Natürlich muss das unser Ziel sein. Die Osterbotschaft sagt uns ja: „Steht auf, macht Euch frei. Es gibt noch etwas anderes, jenseits der irdischen Zwänge.“ Es reicht aber nicht, dass der Pfarrer das im Gottesdienst predigt. Das ist eine Haltung, die sich im gesamten Pfarrverband etablieren muss.

Aber gerade da wird das Arbeitspensum durch die Fusionen doch immer größer. Vom Priestermangel ganz zu schweigen...

Auch hier unterscheiden wir uns als Kirche nicht groß von anderen Teilen der Gesellschaft. Der Fachkräftemangel macht eben selbst vor uns nicht halt. Ich versuche aber, auch die positiven Folgen zu sehen. Größere Einheiten machen Kräfte frei. Das habe ich jedenfalls in Hausham und Miesbach beobachtet.

Was haben Sie dabei festgestellt?

Wir sind ein bunter Haufen und bereichern uns gegenseitig. Ein Pfarrer allein kann nicht die gesamte gesellschaftliche Bandbreite abdecken. Ein großes Team mit unterschiedlichen Charakteren schon eher. Während sich die Menschen früher oft mit dem einen Pfarrer im Ort abfinden mussten, findet bei uns jeder den für ihn passenden Seelsorger. Damit können wir Leute ansprechen, die wir sonst nie erreichen würden.

Eine Sichtweise, die Sie als Dekan auch in andere Pfarreien tragen?

Mit Sicherheit. Das ist manchmal aber auch ein Kampf gegen Windmühlen. Jede Pfarrei hat ihre Meinungsführer – und dabei handelt es sich nicht immer um den Pfarrer. Ganz wichtig ist mir, dass man einander zuhört. Auf unseren Dekanatskonferenzen versuchen wir dann, die vielen Stimmen zu bündeln. Das ist aber schon ein Kraftakt und gelingt nicht immer. Aber auch das ist menschlich.

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Dekan Michael Mannhardt: „Ohne Ostern wäre das Jahr nicht vorstellbar für mich“

Wie fällt Ihre Bilanz aus den ersten paar Monaten als Dekan aus?

Das müssten Sie eigentlich die anderen Seelsorger im Dekanat fragen. Ich selbst habe mir erstmal vorgenommen, ein bisschen zu beobachten und hineinzuhören. Grundsätzlich bin ich aber kein Mensch, der große Revolutionen und Umstürze braucht. Mein oberstes Gebot ist es, das Schiff ruhig weiterzusteuern. Umbrüche von außen gibt es genug.

Auch im Dekanat selbst?

Ich gehe schon davon aus, dass der Zusammenschluss von kleineren Pfarreien weitergehen wird. Auf Dekanatsebene wird sich bei uns aber erst mal nichts tun. Wir decken ja den gesamten Landkreis Miesbach ab und gehören da eher zu den größeren Einheiten. Das bekomme ich durch mein neues Amt erst jetzt so richtig mit.

Wo feiert denn der Dekan heuer die Ostermesse?

Die Osternacht mit dem anschließendem Osterfrühstück in Hausham, den Festgottesdienst mit der wundervollen Musik in Miesbach. Ich versuche, meine Präsenz möglichst gut zu verteilen. Zeit für einen Spaziergang möchte ich mir aber auch nehmen. Das gehört an Ostern dazu.

Was bedeutet denn das Fest für Sie?

Sehr viel. Ohne Ostern wäre das Jahr nicht vorstellbar für mich. Wenn es nach der dunklen Karwoche wieder hell wird, ist das ein wunderbares Erlebnis. Ich vergleiche die Liturgie gerne mit einer Bergtour. Es gibt Täler und dunkle Passagen, Bäche und Quellen zum Auftanken, aber auch Gipfel und schöne Aussichtspunkte. Ostern ist für mich der fulminante Sonnenaufgang am Gipfel nach einem langen Aufstieg im dunklen Wald. Nur wenn man sich darauf einlässt, weiß man, dass sich der harte Weg gelohnt hat.

Interview: Sebastian Grauvogl und Stephen Hank.

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