Wie wild gezeichnet: Unter dem Titel „ALB-Träume“ hat die Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin Lisa Mayerhofer (3.v.r.) im Waitzinger Park eine Installation geschaffen, die an die wegen des ALB gefällten Bäume erinnert.
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Wie wild gezeichnet: Unter dem Titel „ALB-Träume“ hat die Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin Lisa Mayerhofer (3.v.r.) im Waitzinger Park eine Installation geschaffen, die an die wegen des ALB gefällten Bäume erinnert.

ALB-TRÄUME - Installation thematisiert den Verlust der Bäume im Waitzinger Park

Der Eindruck des Vergänglichen

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Es ist eine Erinnerung an die unzähligen Bäume, die bei der bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) geopfert wurden. ALB-Träume heißt die Installation von Lisa Mayerhofer, die in Miesbach im Waitzinger Park zu sehen ist.

Miesbach – Der Anblick birgt eine gewisse Ästhetik. Aus vierkantigen Holzstangen, verbunden mit Jutestreifen und Gips, hat Lisa Mayerhofer auf der südlichen Anhöhe im Waitzinger Park in Miesbach drei baumähnliche Strukturen geschaffen. Doch was sich mit klaren Linien harmonisch in die Landschaft eingliedert, will das Gegenteil sagen: Es fehlt etwas. Und zwar unzählige Bäume, die bei der Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) gefällt wurden. Am Mittwochabend hat die Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin ihr Kunstprojekt „ALB-Träume“ offiziell präsentiert und dafür viel Lob und Zuspruch bekommen.

Für Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner ist der Name der Installation treffend gewählt. „Es geht um Träume, aus denen man schweißgebadet aufwacht. Das erleben wir jetzt immer wieder.“ Mit Corona, das Angst und Bedrängnis schafft, ebenso wie mit dem ALB, wegen dem in Miesbach Tausende von Gehölzen entnommen wurden. „Sie sind einfach weg.“

Die positive Kraft der Kunst

Doch Kunst könne auch Angst auffangen und in etwas Positives transformieren. Das ist Mayerhofer in zweierlei Hinsicht gelungen. Zum einen hat sie mit ihren drei Kunst-Bäumen Ersatz geschaffen – ein neuer Reiz, der die regelmäßig vorbeikommenden Passanten überrascht und aufgrund der ungewöhnlichen Struktur dazu verleitet, zweimal hinzusehen. Und der in seiner minimalistischen Kargheit einen Kontrast aufbaut zu der üppigen Linde, die gegenüber auf der Wiese mit ihrer üppigen Baumkrone eine dominante, prägende Position einnimmt.

Besagte Linde spielt für dieses Kunstwerk eine nicht unwesentliche Rolle. „Die Linde ist verantwortlich dafür, dass ich hier bin“, erzählte Mayerhofer der Handvoll Gäste, die coronabedingt mit Maske, aber ohne Sekt die Eröffnung begleiteten. Vor neun Jahren kehrte die 52-Jährige in den Landkreis zurück, nachdem sie als Spätberufene in England Bildhauerei studiert und in mehreren Ländern Europas gearbeitet hatte. Heute wohnt sie am Stadtplatz und arbeitet im Waitzinger Keller. „Die Riviera ist mein Garten“, sagt sie, und mit der Linde verbindet sie ein besonderes Erlebnis, als bei einem Gewitter ein Windstoß in die Krone fuhr, und „tausende goldene Blätter regnen ließ – wie ein Goldregen in der Champions League“.

Buch bietet Gelegenheit, eigene Gedanken zu hinterlassen

Dem Einsatz vieler Leute sei es zu verdanken, dass die 29 Linden im Waitzinger Park nicht gefällt, sondern unter Schutz gestellt wurden. Dennoch habe Mayerhofer auf dem Weg zwischen Stadtplatz und Waitzinger Keller miterleben müssen, wie die anderen Bäume gefällt wurden. „Ich hab’ zahnen müssen, weil’s so schlimm war.“ Wer ähnliche Gedanken und Erinnerungen hat, ist eingeladen, sich im Buch neben dem Werk einzutragen, wo es auch Erläuterungen dazu gibt.

Der Reiz temporärer Kunst

Mit ihrer Installation will sie zeigen, „dass wir etwas verloren haben – ein paar Jahrhunderte“. Als Material setzt sie auf billiges Holz – ähnlich dem, mit dem der Käfer vor einigen Jahren eingeschleppt worden war. Und den baumähnlichen Strukturen soll dasselbe Schicksal widerfahren wie den Bäumen: Sie werden gefällt, in ein paar Wochen, „wahrscheinlich von mir selbst“, sagt die Künstlerin. „Ich liebe temporäre Kunstwerke. Es muss nicht aus Bronze oder Stein sein, um Eindruck zu hinterlassen. Das Vergängliche hat einen eigenen Wert.“ Weil es Eindruck hinterlässt und nicht zur Gewohnheit wird. Außerdem seien die Gebilde kein Ersatz. „Der Mensch kann keinen Baum bauen.“

Dennoch wird etwas bleiben, und das ist der zweite positive Aspekt: die Erkenntnis, dass der Waitzinger Park an dieser Stelle mehr bieten kann als eine leere, karge, meist ungenutzte Fläche. Kunst im öffentlichen Raum, noch dazu am Fuße des Waitzinger Kellers, bietet sich hier an, stellten die Gäste bei der Eröffnung fest. Eine Idee, die keimen könnte.

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