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Der Vorstand des Oberlandler Gauverbands: „Unsere Tracht lebt“

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Lebt das Brauchtum: der neue Vorsitzende des Oberlandler Gauverbands, Schorsch Englhart aus St. Quirin bei Gmund.
Lebt das Brauchtum: der neue Vorsitzende des Oberlandler Gauverbands, Schorsch Englhart. © Thomas Plettenberg

Seit seiner Jugend engagiert sich Schorsch Englhart (54) für den Erhalt des bayerischen Brauchtums und der Tracht. Jetzt ist er neuer Vorstand des Oberlandler Gauverbands – dem 47 Vereine angeschlossen sind.

Herr Englhart, zahlreiche Veranstaltungen sind pandemiebedingt ausgefallen. Wie wollen Sie Brauchtum und Vereinsleben wieder beleben?

Wichtig ist, dass wir unsere Veranstaltungen jetzt wieder aufnehmen können. Deshalb hatte ich eigentlich gehofft, dass die Leonhardifahrten stattfinden können. In Fürstenfeldbruck gibt es ja eine.

Sportvereine klagen über einen coronabedingten Mitgliederschwund und schwer motivierbare Jugendliche. Geht’s den Trachtlern genauso?

Ich war bei einigen Vereinsjahrtagen. Dort konnte ich keinen Mitgliederschwund feststellen – im Gegenteil: Die Leute waren froh, dass sich endlich wieder was rührt und sie ihr gutes Gewand anziehen können. Natürlich gibt es Vereine, die Probleme mit der Jugendarbeit haben. Aber das liegt nicht nur an Corona, sondern auch an den örtlichen Gegebenheiten. Mancherorts gibt’s einfach nicht genügend heimatverbundene Junge.

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Ich werde nicht die gleichen Situationen haben, deshalb wird es andere Entscheidungen und Vorgehensweisen geben. Am Gaufest und an der Trachtenwallfahrt nach Birkenstein wird sich aber nichts ändern. Da geht’s darum, die Tradition zu bewahren.

Was fasziniert Sie an Tradition und Tracht?

Das Schöne am Trachtenvereinsleben ist, dass niemand ausgeschlossen wird. Während im Sportverein Oma und Opa eher Zuschauer sind, sind bei unseren Veranstaltungen teilweise drei bis vier Generationen aktiv eingebunden – die ganze Familie also. Außerdem gefällt mir, dass das Brauchtum eingebettet ist in den christlichen Jahreszyklus. An Kirchweih zum Beispiel ziehen wir unser gutes Gewand an, wir gehen in die Kirche und anschließend zum Tanz. Es gibt Schmalzgebackenes, und manche pflegen auch noch den Brauch der Kirtahutschn. Das ist wichtig, denn wenn ein Brauch erst einmal verloren ist, wird’s schwierig, ihn zurückzuholen.

Zu welchem Anlass tragen Sie Tracht?

Da muss man unterscheiden zwischen der Festtagstracht und dem bayerischen Gewand. Wie der Name schon sagt, ist die Festtagstracht den Festtagen vorbehalten. Dem Vereinsjahrtag zum Beispiel oder dem Gaufest. Das bayerische Gewand – kurze Lederhose, Gilet, weißes Hemd und Hut – ziehe ich an, wenn ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin.

Fürchten Sie nicht, dass Ihnen bei einem Fest versehentlich Bier über das gute Gewand geschüttet wird?

Das Risiko besteht. Aber deshalb hocken wir uns nicht ins Glashaus – unsere Tracht lebt. Weil wir sie tragen. Es gibt Gegenden, das kann man Trachten nur noch im Museum bewundern.

Wie viele Lederhosen haben Sie eigentlich?

Fünf Stück. Darunter eine, die nach traditionellen Mustern bestickt ist. Die ist für Festtage. Eine weitere, die nicht ganz so schön ist, für weniger bedeutende Anlässe. Außerdem eine Bundhose für die kalte Jahreszeit. Die kommt in der Regel nach Kirchweih bis Ostern zum Einsatz.

Wie pflegt man eine Lederhose?

Am besten gar nichts tun – und damit meine ich auch, dass man sich nicht die Finger an der Hose abwischt, wenn man ein Hendl gegessen hat. Das hört man ja immer wieder. Genau wie, dass man sich Bier drüberschütten soll, weil die Lederhose Patina braucht. Das braucht’s nicht.

Und was macht man, wenn doch einmal Bier drauf landet?

Vorsichtig abtupfen, nicht reiben. Sonst geht der Flor vom Leder kaputt. Dann trocknen lassen und später mit einer Kleiderbürste ausbürsten, und zwar in alle Richtungen.

Gibt es eine auswärtige Tracht, die Ihnen besonders gefällt?

(überlegt) Nein, das könnte ich nicht sagen. Eigentlich bin ich mit unserer Tracht am zufriedensten (lacht).

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