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Wie die Neuen die BOB auf Erfolgskurs bringen wollen

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Von: Stephen Hank

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Neue Geschäftsführer der BOB: (v.l.) Bernd Rosenbusch und Fabian Amini. © al

Landkreis – Zwei erfahrene DB-Manager sind bei der Bayerischen Oberland (BOB) in den Führerstand geklettert. Beim Interview strahlt das Führungsduo Gelassenheit und Zuversicht aus.

Herr Rosenbusch, Herr Amini, Sie bilden bei der Oberlandbahn die dritte Geschäftsführung in drei Jahren. Haben Sie die Hoffnung, länger als Ihre Vorgänger an Bord zu bleiben?

Rosenbusch: Damit können Sie fest rechnen. Das habe ich auch den Mitarbeitern versprochen. Wir müssen jetzt für Kontinuität sorgen.

Dass es eine Doppelspitze gibt, ist neu.

Rosenbusch: Das Netz ist mittlerweile auf das Fünffache gewachsen. Es umfasst ja nicht nur wie früher die BOB mit ihren drei Ästen im Oberland, sondern inzwischen auch den Meridian und die Bayerische Regiobahn. Wir haben inzwischen 600 Mitarbeiter.

Amini: Die Transdev-Gruppe hat sich vorgenommen, weiter zu wachsen. Da sind wir mit einer Doppelspitze nachhaltiger aufgestellt.

Die Gerüchte, dass der Mutterkonzern seine deutsche Verkehrssparte verkaufen möchte, sind also vom Tisch?

Rosenbusch: Definitiv. Die Eigentümer haben sich klar zu Transdev Deutschland bekannt. Sie wollen nicht verkaufen, sondern eine gute Eisenbahn draus machen.

In den vergangenen Monaten haben eher Negativ-Meldungen das Bild bestimmt. Es gab massenweise Kundenbeschwerden, dazu Krisensitzungen mit Lokalpolitikern, die scheinbar ohne Ergebnis geblieben sind. Wo liegen nach Ihren Erfahrungen und Beobachtungen in den ersten Wochen bei der BOB die Knackpunkte?

Amini: Die häufigen Führungswechsel haben zu Unsicherheit bei den Mitarbeitern geführt. Das wiederum wirkt sich auf die Qualität aus. Hier müssen wir Ruhe reinbringen. Und dann muss die BOB insgesamt stabiler laufen und zuverlässiger werden.

Lassen Sie uns hier gleich einhaken. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG spricht davon, dass die Pünktlichkeit unbefriedigend ist und durchgehend unter dem bayernweiten Durchschnitt liegt. Warum lässt sich das nicht in den Griff bekommen?

Amini: Derzeit wirkt sich eine Verspätung oft auf die nachfolgenden Züge aus, hat also weitere Verspätungen zur Folge. Mit unseren heutigen Fahrzeugumläufen in dem seit Dezember 2013 verdichteten Takt haben wir kaum Chancen, Verspätungen über den Tag wieder aufzuholen. Wir untersuchen deshalb, ob wir die Umläufe der Fahrzeuge ändern können, sodass beispielsweise bei einem verspäteten Zug Richtung München der nächste Zug ab München wieder pünktlich ist. Ob wir das umsetzen können, hängt nicht nur von unseren internen Überlegungen ab. Das müssen wir auch noch mit der BEG besprechen. Dem möchte ich nicht vorgreifen.

In welchem Maße hat die BOB selbst die Verspätungen zu verschulden?

Amini: Das liegt ziemlich genau bei fünfzig-fünfzig. Gut die Hälfte aller Verspätungen können wir also kaum beeinflussen. Was wir aber tun können, ist, die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge zu erhöhen. Der Integral ist eine Sonderanfertigung, die mittlerweile schon 17 Jahre alt ist. Sie werden bei diesem Fahrzeugtyp keine Wunder schaffen, aber natürlich können wir Verbesserungen erzielen. Noch bis 2017 durchlaufen alle 17 Integrale die Hauptuntersuchung, bei der sie sukzessive auf Vordermann gebracht werden.

Können Sie den Fahrgästen schon einen konkreten Zeitpunkt nennen, wann die BOB zuverlässig pünktlicher wird?

Amini: Konkret noch nicht, aber ich denke, dass man beim Fahrplanwechsel im Dezember erste Fortschritte sehen wird.

Kritikpunkt bei Verspätungen ist immer wieder auch die mangelnde Information der Fahrgäste. Wie wollen Sie dieses Defizit beseitigen?

Rosenbusch: Ich sehe Qualität als Grundvoraussetzung dafür, um die Kunden von uns zu überzeugen. In diesem Zusammenhang ist die Reisenden-Information ein großes Thema. Wenn es schon Verspätungen gibt, dann muss der Fahrgast zumindest schnell und gut informiert werden. Das gilt natürlich für alle Netze, auch wenn die BOB besonders im Fokus steht. Wir arbeiten momentan an einem großen Projekt zur Kundeninformation, bei dem wir uns auch eng mit der Deutschen Bahn austauschen. Ziel ist es, auch in deren Kundeninformationssystemen aufzutauchen. Darüber hinaus soll es bis spätestens Ende 2016 eine eigene BOB-App geben.

Amini: Unser Problem sind momentan die vielen Schnittstellen, an denen Information verloren geht. Um die Kunden zu informieren, betreiben wir derzeit einen hochgradigen manuellen Aufwand. Das soll schon Anfang nächsten Jahres sukzessive besser werden.

Gibt es noch Beschwerden bezüglich der Sauberkeit der Züge?

Rosenbusch: Verbesserungen sind immer möglich, aber in meinen Augen ist die Sauberkeit ziemlich gut. Das hängt auch mit der Aufarbeitung der Fahrzeuge zusammen. Es ist aber wichtig, in allen Bereichen besser zu werden. Wenn sich jemand schon über die BOB ärgert, beispielsweise wegen einer Zugverspätung, werden ihm andere Bereiche wie Sauberkeit natürlich noch mehr ins Auge stechen.

Sie gehen Kundenbeschwerden also weiterhin konsequent nach?

Rosenbusch: Unbedingt. Am liebsten ist es uns, wenn es gar nicht erst zu einer Beschwerde kommt, sondern wir Unstimmigkeiten direkt ausräumen können. Wir als Geschäftsführer gehen deshalb auch selber in die Züge und holen die Meinung der Fahrgäste direkt ab. Die Stimmung in meinen Gesprächen mit den Fahrgästen ist übrigens nicht so schlecht, die Leute mögen im Grunde ihre BOB. Ab Winter schwebt uns ein Format wie „Geschäftsführer vor Ort“ vor, bei dem wir mit den Kunden diskutieren wollen. Ähnliches planen wir für unsere Mitarbeiter.

Transdev errichtet momentan eine Werkstatt in Augsburg. Wird das Auswirkungen auf Lenggries haben?

Rosenbusch: (lacht) Lenggries wird es bis Ultimo geben, wir brauchen diese Werkstatt. In Augsburg, wo wir gerade mit dem Bau beginnen, werden künftig in erster Linie die Züge von Meridian und Regiobahn gewartet. Außerdem planen wir eine Möglichkeit für kleinere Reparaturen in München.

Zumindest diesbezüglich sind Sie also gerüstet, übers Jahr 2023 hinaus die Strecken im Oberland zu betreiben. Und sonst?

Rosenbusch: Die nächste Ausschreibung wird es 2020 mit Inbetriebnahme eben drei Jahre später geben. Den Fehler, den Bahnunternehmen bei einer Ausschreibung häufig machen, ist, dass sie nur ein Angebot abgeben, ohne sich genau anzuschauen, wie der aktuelle Betreiber die Strecken bedient. Für die BOB heißt das: Wir müssen die Zeit bis 2020 intensiv nutzen, um hier einen super Verkehr hinzulegen, damit wir dann auf dieser Basis diese Ausschreibung angehen und gewinnen können. Wir haben also noch etwas Zeit – wenn auch nicht so viel –, um die BOB zu einem wirklich guten Unternehmen zu machen.

Im Vorfeld der letzten Ausschreibung hat das Unternehmen große Solidarität seitens der Bevölkerung und der Lokalpolitik erfahren. Inzwischen ist die Stimmung etwas gekippt. Werden Sie versuchen, die Lokalpolitik wieder ins Boot zu holen?

Rosenbusch: Da sind wir dabei – nicht nur die Lokalpolitik, sondern die Politik insgesamt. Die Fahrgäste sind dabei enorm wichtig. Denn nur, wenn wir ein gutes Image haben, fährt jemand mit uns. Für ein gutes Image brauchen wir Qualität. Wenn also die Qualität stimmt, sind die Kunden zufrieden – und damit meistens auch alle anderen Beteiligen.

Amini: Es gab bereits erste Treffen, unter anderem vor einigen Monaten schon mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Wir haben eine große Liste mit Themen, die vom Übergang in Westenhofen bis zu zusätzlichen Haltepunkten reicht. Die gehen wir jetzt einzeln durch. Einige Dinge lassen sich rasch lösen, andere brauchen mehr Vorlauf.

Aus dem Leitzachtal kommt mit Unterstützung Ihres Vor-Vor-Vorgängers Heino Seeger die Idee eines Pilotprojekts mit Akku-Loks. Wie bewerten Sie diesen Vorschlag?

Rosenbusch: Fest steht: Der Integral kann ab 2023 nicht noch mal zehn Jahre fahren. Insofern wird man ohnehin neue Fahrzeuge finden müssen. Ich persönlich halte einen Akku-Tender für schwierig – insbesondere wenn ich an die schnelle Entladung an kalten Wintertagen denke. Bei einem Pilotprojekt sind wir ganz schnell bei Einzelanfertigungen wie damals für die Integrale. So was will gut überlegt sein. Nichts desto trotz muss man sich etwas überlegen, dass man die Verkehre in die Alpen ökologischer gestaltet. Ob das am Schluss ein Akku-Tender sein muss, wird intensiv zu diskutieren sein. Es gibt auch Diesel-Fahrzeuge, die deutlich leiser und rußärmer sind.

Amini: Wir befürworten natürlich eine Elektrifizierung der Strecken im Oberland, aber das ist teuer. Wie schnell das geht, ist letzten Endes eine Frage des politischen Willens. Der Halbstundentakt hängt übrigens nicht von einer Elektrifizierung ab. Dafür braucht’s die geeigneten infrastrukturellen Voraussetzungen wie beispielsweise Kreuzungsbahnhöfe. Ein Problem ist auch die Leit- und Sicherungstechnik auf den Strecken im Oberland, die der DB Netz untersteht. Die ist hoffnungslos veraltet.

Klingt nach einem gemeinsamen Kraftakt.

Rosenbusch: Aus dem Oberland ist das gemeinsame Signal erforderlich: „Hier muss infrastrukturell dringend etwas passieren.“ Wir haben ein gut belegtes Netz, das sollte man auch nutzen und ausbauen. Entschieden wird aber an anderer Stelle. Wir bieten bei der Ausschreibung an, egal was gefordert wird.

Wenn Sie beide sechs Monate vorausblicken, wo wollen Sie dann stehen?

Rosenbusch: Ich möchte, dass Kunden und Politik wieder positiv über die BOB sprechen.

Amini: Wir wollen die Qualität verbessert und die Reisenden-Information stabilisiert haben. Wir werden die Welt in sechs Monaten nicht revolutioniert haben, aber wir arbeiten uns in kleinen Schritten voran.

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