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Am Stadtplatz daheim: Aline Brunner führt seit Mai ihr eigenes Burger-Lokal in Miesbach (Bild links). In den Bergen zuhause: Marco Privitera ist seit Dezember der neue Wirt des Blecksteinhauses in der Valepp (Bild rechts).

Aline Brunner und Marco Privitera im Porträt

Diese jungen Wirte brennen für die Gastronomie

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Fragt man nach den Branchen mit den meisten offenen Stellen, ist die Gastronomie meist ganz vorne mit dabei. Zwei junge Wirte aus dem Schlierach-/Leitzachtal haben sich dennoch dafür entschieden.

Miesbach/Spitzingsee – Sie ist gelernte Bankkauffrau, er Metallbautechniker. Ausgehalten haben sie es in ihren Berufen aber nicht – zumindest nicht lang. Dafür teilen sie jetzt eine andere Leidenschaft: Aline Brunner (25) und Marco Privitera (25) sind unter die Wirte gegangen. Die Miesbacherin führt seit Mai 2016 das Burger-Lokal „Stadtplatz 13“ im Herzen der Kreisstadt, er seit Dezember das Blecksteinhaus in der Valepp am Spitzingsee. Wir sind der Frage nachgegangen, was die wohl jüngsten Wirte Raum Miesbach-Schliersee zu ihrem Wechsel in die Gastronomie bewogen hat.

Der Hüttenwirt

Lange sah es so aus, als wollte Privitera etwas ganz anderes machen als seine Eltern. Die haben 28 Jahre in der Schlierseer Gastronomie gearbeitet, unter anderem im Tanzcafé Reiter und in der Pizzeria Cavallino. Ihr Sohn machte dagegen eine Ausbildung zum Metallbauer, hängte anschließend noch den Techniker dran. Und doch zog es Privitera früh in die Selbstständigkeit. Quasi nebenher gründete er 2013 eine Event-Firma – und stieg fast zeitgleich als Betreiber des Alten Spinnradl am Spitzingsee ins Wirtsleben ein. Schnell merkte er, dass er nicht mehr in seinen Ausbildungsberuf zurückwollte. „Ich hab gesehen, dass ich hier mehr Spaß habe und mehr verdienen kann“, sagt Privitera.

Tatsächlich startete er mit seiner Event-Firma bald richtig durch. Mit sechs Subunternehmern organisierte er verschiedenste Veranstaltungen – vom Messe-Catering bis zur Autopräsentation. „Wir machen alles, was die Kunden wollen“, sagt Privitera. Das gilt auch für die Gäste im Blecksteinhaus. Ob Spanferkel-Grillen bei Hochzeiten oder Iglu-Bauen bei Firmen-Events: Der junge Hüttenwirt sorgt für frischen Wind in der Valepp.

Auf den Job im Blecksteinhaus ist er eher durch Zufall aufmerksam geworden. Beim Mittagessen auf der Terrasse ist er mit der damaligen Wirtin Carmen Majumdar ins Gespräch gekommen. Noch am selben Tag schickte er seine Bewerbung an den Deutschen Alpenverein (DAV), dem die Hütte gehört. „Die hat mein Konzept offenbar gleich überzeugt“, meint er schmunzelnd.

Das muss es tatsächlich, denn Privitera brachte einiges an Bedingungen mit. Einen Monat lang ließ er die 44 Betten und die Bäder für die Doppel- bis Sechsbettzimmer sowie die Lager auf den neuesten Stand bringen. „Modern, aber trotzdem rustikal“, sagt er. Auch die Speisekarte ist runderneuert. Privitera setzt auf frische Zutaten. Von Apfelmus über Spätzle bis hin zu Zwetschgenröster ist alles selbst gemacht.

Sein Team ist hingegen altbewährt. Dass seine Mitarbeiter alle wesentlich älter sind als er, sei dabei kein Problem gewesen, sagt der Chef. „Ich begegne allen mit Respekt, dann machen sie auch mit.“ Auch die anfängliche Skepsis der Stammgäste vor einem so jungen Wirt sei mittlerweile verflogen. Den bringen auch die langen Arbeitstage nicht von seinem Traum ab, wie er selbstbewusst betont: „Wer in der Gastronomie jammert, macht was falsch.“

Die Burger-Expertin

Aline Brunner arbeitet in der Miesbacher Gastronomie, seit sie 16 ist. Zuerst im Café Huatfabrik am Marktplatz, später dann in der Bar Schlossleit’n. Trotzdem blieb es vorerst beim Nebenjob. Statt einer Ausbildung zur Hotel- oder Restaurantfachfrau wählte Brunner den Weg an den Schreibtisch. „Jeder hat gesagt, ich soll lieber was Solides lernen“, sagt die 25-Jährige schmunzelnd. Also lernte sie Bankkauffrau bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Doch ihre Leidenschaft holte sie wieder ein. Sie kündigte und ging für einen Winter ins österreichische Serfaus, wo sie in einer Après-Ski-Hütte bediente. „Da hab ich viel gearbeitet, aber auch gut verdient“, sagt Brunner.

Den endgültigen Absprung vom sicheren Büro-Leben wagte sie da aber noch nicht. Im Gegenteil: Brunner wechselte zur Bayerischen Landesbausparkasse nach München, wo sie auch vier Jahre lang blieb. Als in Miesbach dann das neue Burger-Lokal Stadtplatz 13 eröffnete, zögerte sie nicht lang und holte die Schürze wieder aus dem Schrank. „Ich war von der ersten Stunde an mit dabei“, erzählt Brunner. Dass sie hier später einmal selbst die Wirtin sein wird, wagte sie damals noch nicht zu träumen. Doch als sich ihr Chef Klaus Glöckl für einen Wechsel ins Bistro im Wiesseer Badepark entschied, schwebte ihr Traum vom eigenen Lokal plötzlich direkt vor ihrer Nase. Und Brunner griff zu.

Seit Mai 2016 ist sie die Wirtin im Stadtplatz 13. Gemeinsam mit ihrem Koch und mehreren Aushilfskräften kümmert sie sich um das Wohl der bis zu 40 Gäste. Wenn besonders viele Burger auf einmal bestellt werden, hilft auch Brunners Mutter in der Küche mit. Die 25-Jährige ist draußen bei den Gästen und nimmt sich selbst im größten Trubel Zeit für einen kurzen Ratsch. „Das schöne ist, dass ich hier so viele Leute kenne“, sagt sie. Nur am Montag und Freitag müssen die Gäste auf sie verzichten. Da tauscht Brunner ihre Schürze wieder mit einem Business-Outfit. Die LBS habe ihren Wunsch nach einer Teilzeit-Tätigkeit erfüllt, erzählt sie. „Sonst hätte ich mich den Sprung in die Selbstständigkeit wahrscheinlich nicht getraut.“

Auch ihre Heimatverbundenheit gibt Brunner Kraft. Woanders, meint sie, hätte sie sich ein eigenes Lokal nicht vorstellen können. Zu wichtig ist ihr die Nähe zu ihren Freunden – auch beruflich. „Die haben immer wieder neue Ideen, was ich noch alles machen könnte“, erzählt Brunner. So hat sie bereits ihr erstes eigenes Gericht kreiert: den „Chicken Crunchy Burger“. Es gibt aber auch veganes Essen im Stadtplatz 13 – und für die Sportler eine „Low-Carb“-Variante. Um ihr Angebot in der Kreisstadt bekannt zu machen, beteiligt sich Brunner mit einem eigenen Stand beim Weihnachtsgasserl, dem Kulinarischen Abend oder auch beim Faschingstreiben.

Ein weiteres Experiment startet sie ab April. Erstmals in der Geschichte des Stadtplatz 13 bietet sie dann auch einen Mittagstisch an. Sollte der gut angenommen werden, will Brunner ihren Bank-Job endgültig an den Nagel hängen. Einen festen Zeitpunkt hat sie sich dafür aber noch nicht überlegt. „Ich muss einfach in der Früh aufwachen und das Gefühl haben, dass es jetzt soweit ist.“

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