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Haben die Handarbeitswelt revolutioniert: Christian und Julia Ringshofer aus Miesbach haben eine Smartphone-App für Strickvorlagen entwickelt. Das Schaf auf der Wolldecke ist das Maskottchen ihres Programms namens „Wooltasia“.

„Wooltasia“ verwandelt Fotos in Handarbeitsvorlagen

Diese Miesbacher haben eine Strick-App programmiert

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Das Smartphone verwandelt Fotos in eine Strickvorlage – und spuckt direkt die Anleitung aus. Mit ihrer App „Wooltasia“ haben Christian und Julia Ringshofer aus Miesbach Woll-Fans diesen Traum erfüllt.

Miesbach – 16 Maschen weiß, drei Maschen blau, dann wieder fünf in Weiß. Die Stricknadeln klappern – und das Smartphone gibt den Takt vor. Was auf dem Bildschirm aussieht wie ein buntes Schachbrett, wird in der wirklichen Welt eine kuschelige Wolldecke mit Motiv. Letzteres zeigt sich aber erst, als Christian Ringshofer (26) mit seinen Fingern die Ansicht auf seinem Handy-Display verändert. Plötzlich ist das Mosaik aus kleinen Kästchen zum knackscharfen Bild eines Comic-Schafs geworden. Damit dieses später auch in der weichen Decke zu erkennen ist, rechnet das intelligente Programm jeden Bildpunkt in eine Masche um – und spuckt gleich die passende Strickanleitung aus. Interaktiv, intelligent – und ohne Papier. „Früher musste man immer jedes Kästchen zählen und einzeln abhaken“, sagt Ringshofers Frau Julia (25).

Sie ist der Grund, warum der Programmierer aus Miesbach vor knapp zwei Jahren auf die Idee gekommen ist, die Strick-Anwendung „Wooltasia“ für Smartphones zu entwickeln. Nach der Geburt ihres ersten Kindes entdeckte die junge Mutter die kreative Arbeit mit der Wolle für sich. Als sie sich im Internet nach Motiven umschaute, merkte sie schnell, dass ihr Hobby wieder richtig „in“ ist. In Facebook-Gruppen tauschten die meist jungen Strick-Fans Anregungen und Tipps aus. Wer aber eine der Vorlagen unter die Nadeln nehmen wollte, musste zuerst seitenweise Kästchenmuster ausdrucken. Julia Ringshofer nervte das – und sie erzählte die Geschichte ihrem Mann.

Lange musste sie ihn nicht umgarnen. Ein praktisches Problem mit einem Computerprogramm spielerisch zu lösen, war genau nach seinem Geschmack. Schon als Zwölfjähriger baute sich Christian Ringshofer eigene PC-Spiele zusammen. Die Informatikvorlesungen an der Uni wurden ihm aber schnell zu langweilig. Statt sich durch die graue Theorie zu quälen, schrieb er lieber auf seinem Laptop eigene Programme. Noch heute fühlt er sich dabei wie ein Buchautor. „Auch eine Programmiersprache arbeitet mit Bausteinen und Regeln wie Worten und Grammatik“, erklärt Ringshofer. „Und daraus erschafft man sich dann seine eigene Welt.“

Seit der Veröffentlichung der ersten Version von Wooltasia kurz vor Weihnachten 2015 hat Ringshofer nun die Handarbeitswelt ein Stück weit revolutioniert. „Oder eher bereichert“, meint der 26-Jährige. Denn gestrickt wird noch wie früher. Nur die Vorlagen kommen digital daher. Sie sind auch der eigentliche Clou der App. Statt auf vorgefertigte Motive zurückgreifen zu müssen, können die Nutzer einfach ihre eigenen Fotos hochladen. Wooltasia analysiert die Position und Farbe der einzelnen Bildpunkte und wandelt sie in einen – je nach Größe der Strickware – mehr oder weniger detailreichen Maschenplan um. „Besonders beliebt sind Fotos von Familienmitgliedern oder Haustieren“, erzählt Julia Ringshofer.

50.000 Mal wurde die App seit ihrer Freigabe heruntergeladen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, den Niederlanden und sogar in den USA und Australien. Noch mehr freuen sich die Ringshofers über ihre 15.000 regelmäßigen Nutzer. Durch ihren spontanen Auftritt im Miesbacher Pop-Up-Store sind auch einige Leute im Landkreis auf das Projekt aufmerksam geworden. Weil Wooltasia aber eine Gratis-App ist, verdienen die Entwickler damit noch kein Geld. Doch das soll sich heuer ändern. So hat Ringshofer seine Projektarbeit bei Firmen zugunsten seiner Strick-App vorerst eingestellt – und muss deshalb früher oder später mit Wooltasia seine Familie ernähren können.

Einen Plan dafür hat er schon. Künftig sollen die Nutzer direkt aus der App heraus die zur der Vorlage passenden Wollknäuel bestellen können. Wie das funktionieren kann, erproben die Ringshofers gerade in der ebenfalls von ihnen entwickelten Anwendung „Wooltasia Colorful“. Quasi ein Online-Shop, bei dem sich die Strick-Fans ihre eigenen „Verlaufsgarn“ zusammenstellen können. Um sich weitere Zielgruppen zu erschließen, sind sie zudem auf der Suche nach einem Partner, der Wooltasia auf Apples iPhone portiert.

Sollten sie es tatsächlich zu einer eigenen Firma bringen, hätten sie ihr Team schon beisammen. Drei Helfer kümmern sich aktuell um ihren Facebook-Auftritt und beantworten unermüdlich die vielen Fragen der Nutzer – weil sie selbst begeisterte Stricker sind. Genau das richtige Personal für ein Start-Up wie Wooltasia, meint Julia Ringshofer: „Die würden wir sofort einstellen.“

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lässt sich die App „Wooltasia“ im Google Play-Store auf alle Smartphones mit Android-Betriebssystem. Weitere Infos gibt’s auf https://wooltasia.com.

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