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So hat er ausgesehen: Der Brunnen mit dem Stromübertragungsdenkmal am Miesbacher Bahnübergang zieht im Herbst auf die andere Seite des Gleises um.

Kunst im öffentlichen Raum

Dieser Miesbacher Brunnen erinnert an ein Weltereignis mit Wasser und Strom

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Derzeit ist er abgebaut, doch ab Herbst soll er an neuem Standort noch mehr Menschen an eine technische Meisterleistung in Miesbach erinnern: der Brunnen am Bahngleis.

Miesbach – Beim Blick in das unter der eisernen Kugel plätschernde Wasser denken heutzutage wohl nur die wenigsten Miesbacher an das Großereignis, an das sie erinnern soll: die weltweit erste Stromübetragung über weite Strecken. Am 25. September 1882 glückte Oskar von Miller und Marcel Deprez der Geniestreich, einen künstlichen Wasserfall in München von einem Bergwerks-Generator in der Kreisstadt aus zum Laufen zu bringen.

Genau 100 Jahre später plätscherte es auch in Miesbach: Das Stromübertragungsdenkmal in Form eines Brunnens östlich des Bahnübergangs an der Johannisbrücke wurde eingeweiht. Nach 36 Jahren zieht es nun auf die gegenüberliegende Seite des Gleises um. Aktuell ist der Brunnen abgebaut und wird restauriert, ab Herbst soll es die im Zuge des Neubaus der Johannisbrücke neu geschaffene Grünfläche an der Schlierach bereichern.

Die Geschichte

Die Ursprünge der Miesbacher Stromübertragung liegen in Frankreich. Bei der ersten internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris kam Bauingenieur Oskar von Miller als bayerischer Kommissär mit dem französischen Ingenieur Marcel Deprez ins Gespräch. Der erklärte ihm seine Theorie, man könne elektrische Energie bei ausreichend hoher Spannung durch dünne Drähte über weite Strecken übertragen. Die Idee zum Praxistest auf einer Ausstellung im Münchner Glaspalast war geboren.

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Als Energiequelle stellte der Direktor des Miesbacher Bergwerks, Carl Fohr, eine beim Knorrschacht auf dem Gelände des heutigen Eisstadions betriebene Dampfmaschine als Generator zur Verfügung. Am 25. September 1882 war der große Moment gekommen. Der Dynamo begann, mit einer Leistung von zwei PS und einer Spannung von 2000 Volt Gleichstrom über die Telegrafenleitung an der Bahnstrecke nach München zu schicken. Kurze Zeit später fielen sich Miller und Deprez in die Arme. Der Wasserfall hatte zu Plätschern begonnen. Die Pionierleistung war geglückt.

Der Künstler

Architekt und Künstler: Norbert R. Widmoser.

100 Jahre lang war davon nur in den Geschichtsbüchern zu lesen. Zum Jubiläum kam Bürgermeister Hans Schuhbeck die Idee, der technischen Meisterleistung in Miesbach ein Denkmal zu setzen. Er rief einen Künstler-Wettbewerb aus. Den siegreichen Vorschlag reichte Norbert R. Widmoser ein. Der gebürtige Tiroler lebte seit 1953 in Miesbach und hatte dort als Architekt das Stadtbild maßgeblich geprägt.

Zahlreiche Bauten stammen aus seiner Feder. Unter anderem das Altenheim Am Gschwendt (1990 durch einen Neubau ersetzt) mit der Kapelle Maria Trost, die Stadtbücherei (1964/65), das Feuerwehrhaus (1971) und die Eishalle (1986). Widmosers auffälligster Bau wurde 2012 abgerissen: das Kaufhaus Sundheimer aus dem Jahr 1972/3. Doch auch als Künstler machte sich der Anfang 2011 verstorbene Widmoser einen Namen. Im Hobby widmete sich er der Malerei und Bildhauerei.

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Das Werk

Für das Stromübertragungsdenkmal zeichnete Widmoser eine Weltkugel als Pluspol, die von einem Band mit physikalischen Symbolen für Spannung und Widerstand umschlungen wird. Unter dem eisernen Globus strömt Wasser auf eine Metallplatte und von dort aus im Stil eines Wasserfalls in ein mit Pflastersteinen eingefasstes Becken. Eine Tafel erklärt den historischen Hintergrund. Der Standort direkt gegenüber des Bahngleises stellt den räumlichen Bezug zum Ausgangspunkt der Stromübertragung her.

Das wird ab Herbst auch am neuen Zuhause des Denkmals der Fall sein. Nach intensiver Debatte hat sich der Stadtrat mit knapper Mehrheit für die Verlegung Richtung Schlierach ausgesprochen (wir berichteten). Dort steht es dann erstmals auf eigenem Grund der Stadt und am Radweg Bayrischzell-Holzkirchen. Eine detailliertere Erklärtafel soll künftig nicht nur die Miesbacher, sondern auch Auswärtige an das technische Ereignis von Weltrang erinnern.

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