Planen schon die nächste Auflage des digitalen Gewerbestammtisches: (v.l.) Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller, Stadtmarketingexperte Max Kalup und Wirtschaftsreferent Florian Perkmann.
+
Planen schon die nächste Auflage des digitalen Gewerbestammtisches: (v.l.) Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller, Stadtmarketingexperte Max Kalup und Wirtschaftsreferent Florian Perkmann.

Plakate, Straßenmusik und Teststationen

Digitaler Gewerbestammtisch: Stadt und Geschäftsleute planen Aktionen gegen Lockdown-Frust

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Miesbach – Auch am Online-Stammtisch darf man mal ein bisschen emotional werden. Das übernahm beim ersten digitalen Miesbacher Gewerbestammtisch Wirtschaftsreferent Florian Perkmann in seinem Schlussplädoyer. „Die Spaltung bei den Leuten ist spürbar“, sagte der Bäckermeister. Eines würde jedoch alle einen: „Sie dürsten nach Treffen und guter Stimmung.“ Genau die gelte es, in den kommenden Wochen und Monaten in der Innenstadt zu erzeugen. Denn: „Wer in gut drauf ist, hat mehr Lust zum Einkaufen.“

Wie das trotz Corona-Lockdown gelingen kann und wie die Stadt die Geschäftsleute dabei unterstützen kann, haben die 15 Teilnehmer des von Bürgermeister Gerhard Braunmiller und Stadtmarketingexperte Max Kalup initiierten digitalen Gewerbestammtisches am Dienstagabend diskutiert. Seit Monaten seien viele Betriebe „mit angezogener Doppelhandbremse“ unterwegs, sagte Braunmiller. Leider könne die Stadt nicht viel dagegen tun, weil die Rahmenbedingungen von der großen Politik vorgegeben seien. Man könne aber gemeinsam Ideen entwickeln, „die in diesen Rahmen passen“.

Der Rathauschef schickte voraus, dass die Stadt trotz des jüngst beschlossenen Rekordhaushalts auch zu einer finanziellen Beteiligung, beispielsweise für Werbung oder Aktionen, bereit sei. Denn ohne funktionierendes Gewerbe gebe es nicht nur weniger Steuereinnahmen, sondern auch keine lebendige Innenstadt. „Ohne Sie ist Miesbach tot“, sagte Braunmiller zu den Geschäftsleuten.

Teststationen

In Bezug auf die geplante Teststation in der Innenstadt berichtete der Bürgermeister, dass ein privater Betreiber Interesse angemeldet habe. Auch mit Ärzten und Apothekern sei man im Gespräch. Stephanie Mawick vom Modehaus Waizmann konnte in einer weiteren Teststation keine Verbesserung erkennen. Die Hürde von „Click & Meet“ mit Negativtest sei dennoch zu hoch für die Kunden. „Die Frequenz war gleich Null“, berichtete Mawick. Florian Brunner, Vorsitzender der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM), machte sich hingegen sehr wohl für eine Teststelle im Zentrum stark. „Die Inzidenz wird auch mal wieder unter 150 liegen.“ Die Teststation müsse aber während der Ladenöffnungszeiten ohne Anmeldung und damit auch spontan nutzbar sein. Noch idealer als das Eisstadion wäre ein Standort direkt am Marktplatz. „Die Leute laufen nicht bis zum Eisstadion“, fürchtete auch Vinothek-Inhaber Michael Brunner und bot direkt die Parkplätze vor seinem Laden und einen Stromanschluss an.

Lesen Sie auch: Schnelltests im Bräuwirt sollen Einkaufen in Miesbach ankurbeln

Plakate und Werbung

Um die Verunsicherung der Kunden, welche Regeln gerade in welchem Laden gelten, abzubauen, regten Perkmann und Kalup ein Ampelsystem an. Banner am Stadteingang könnten die aktuelle Lage in Miesbach kompakt anzeigen, Plakate an der jeweiligen Ladentür die dortigen Zutrittsvoraussetzungen. Auf Mawicks Einwand hin, ein roter Punkt könne von Haus aus abschreckend wirken, schlug Florian Brunner eine andere Farbskala vor: hellgrün (ohne Einschränkung), grün (Click & Meet), gelb (mit Negativtest) und orange (nur Click & Collect oder To Go). Die von der Staatsregierung angekündigten Erleichterungen für zweifach Geimpfte würden sich vorerst nicht auswirken, weil viele noch auf ihre (vollständige) Impfung warten müssten, meinte Brunner.

Aktionen und Projekte

Damit sich auch vor den Ladentüren wieder etwas rührt, regte FWG-Stadträtin Aline Brunner eine Art „stummen Laufsteg“ am Lebzelterberg an. Hier könnten die Geschäfte mit passend zu ihrem Angebot ausstaffierten „Spaziergängern“ auf sich aufmerksam machen. Florian Brunner erinnerte an den Kulinarischen Abend, der heuer wohl kaum in gewohnter Form stattfinden werde. Als Ersatz könnten die Läden jeden Samstag im August bis abends öffnen. Zur Auflockerung des Einkaufsbummels schwebten Brunner beispielsweise Straßenmusiker vor. Die Daumen der Geschäftsleute gingen bei diesem Vorstoß alle nach oben. Und auch Mawick fand: „Dann können wir mit voller Wucht in den Sommer starten.

Perkmann erinnerte dabei an das Musikfrühstück, das die GWM früher einmal ausgerichtet habe und schloss mit einem Zitat: „Wo man singt, da lass’ dich nieder. Das ist die Stimmung, die wir in Miesbach wieder brauchen.“

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare