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Bei einer Doping-Razzia ist ein Miesbacher (25) aufgeflogen.

Zwei Untergrund-Labore hochgenommen

Doping-Razzia: Miesbacher (25) fliegt auf und wird verurteilt

Wenn man schon verbotene Substanzen bestellt, dann richtig. Das hat sich offenbar ein Miesbacher (25) gedacht, der nun am Miesbacher Amtsgericht verurteilt wurde. 

Miesbach – Dopingmittel erleichterten einem Miesbacher zwar den Muskelaufbau, erschweren ihm nun jedoch den weiteren Lebensweg. Wegen unerlaubten gewerblichen Handels mit verschiedenen Doping- und Arzneimitteln verurteilte das Amtsgericht Miesbach einen 25-Jährigen zu einem Jahr und elf Monaten Haft auf Bewährung.

Seit Januar 2017 habe der junge Mann diverse Steroide, Anabolika und unzulässige Medikamente im Wert von mehreren tausend Euro bei „Untergrund-Laboren“ bestellt. Angeblich habe es sich dabei um Sammelbestellungen für ihn und Bekannte gehandelt, wie er anfänglich aussagte. Der gewerbsmäßige, gewinnbringende Handel sei nicht zu beweisen, behauptete sein Verteidiger Markus Frank. Die nachgewiesenen Bestellungen überschritten die Grenze zur „geringen Menge“ jedoch um das fast 500-fache.

Wie ein Zollinspektor (47) bezeugte, habe man zuvor „zwei Untergrund-Labore hochgenommen“ und so den Angeklagten als Kunden identifiziert. Im Juni 2018 durchsuchten die Ermittler die Wohnung des Miesbachers. Neben verschiedenen Doping- und Arzneimitteln habe man auch Spritzen und einen Einnahme-Plan gefunden, berichtete der Zeuge.

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Eine Sachverständige (51) vom Institut für Doping-Analytik und Sportbiochemie in Kreischa berichtete von der Analyse der in der Wohnung sichergestellten Doping-Mittel: „Es handelt sich um die übliche Palette.“ Insbesondere die Menge sei immens. Damit könne man eine Person viele Jahre bedienen. Teils seien die Steroide jedoch verderblich, weshalb ein ausschließlicher Eigenkonsum nicht infrage komme.

Im Falle eines Geständnisses stellte das Schöffengericht eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten bis zwei Jahre auf Bewährung und unter Auflagen in Aussicht. „Das ist ein großes Entgegenkommen“, meinte die Staatsanwältin. Dem kam der Angeklagte nach: „Er räumt alles vollständig ein“, erklärte Frank.

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe und 7500 Euro Strafe sowie das Tragen der Verfahrenskosten. Außerdem müsse der 25-Jährige mit vier Urin-Proben seine Doping-Abstinenz nachweisen.

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Der Verteidiger kritisierte die „dünne Annahme“, dass sein Mandant gewerblich mit den Substanzen handelte. Gestanden habe er aus taktischen Gründen: „Er hat ohne Wenn und Aber gesagt, dass er die Sachen bestellt hat.“ Frank plädierte auf eine Bewährungsstrafe von maximal einem Jahr und acht Monaten.

Das Urteil, das drei Monate darüber lag, begründete Leitner mit der enormen Menge und dem hohen Gesundheitsrisiko. Andererseits habe der Angeklagte früh gestanden, sei nicht vorbestraft und habe die Substanzen teilweise selbst konsumiert und damit nicht in den Umlauf gebracht. Die Bewährungsauflagen umfassen eine Strafzahlung von 7000 Euro, das Tragen der Verfahrenskosten und vier Urintests über ein Jahr verteilt, um die Doping-Abstinenz nachzuweisen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

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Leitner zufolge hätte es auch ohne das, eventuell taktische, Geständnis gereicht, den Miesbacher wegen gewerblichen Handels zu verurteilen: „So hat er doch noch rechtzeitig die Kurve gekriegt.“ Leitner weiter: Jeder könne über seinen eigenen Körper bestimmen, aber deswegen säße der Angeklagte nicht hier. Sondern weil er mit dem Verkauf einer unbekannten Anzahl an Personen geschadet habe. „Das ist so eine Sache mit der Liebe zum eigenen Körper.“

Von Timon Vossieg

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