Zeugen hören Hilferufe: Große Vermisstensuche am Tegernsee-Ufer

Zeugen hören Hilferufe: Große Vermisstensuche am Tegernsee-Ufer
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Krisengespräch in Holzkirchen: (v.l.) BOB-Betriebsleiter Arno Beugel, Veolia-Verkehr-Geschäftsführer Christian Schreyer, Ministerin Ilse Aigner, Abgeordneter Alexander Radwan und Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis.

Bürgermeister sagen Betriebsleiter die Meinung

Harte Kritik an BOB: "Sie haben's schleifen lassen" 

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Landkreis - Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) soll künftig von zwei Geschäftsführern geleitet werden - um die massiven Probleme in den Griff zu bekommen. Bei einem Krisengespräch waren sie Thema.

Die Politiker aus dem Landkreis hielten sich nicht mit Höflichkeiten auf. Knallhart zählten sie Christian Schreyer, Geschäftsführer von Veolia Verkehr in Berlin, im Holzkirchner Rathaus die Versäumnisse beim Tochterunternehmen Bayerische Oberlandbahn (BOB) auf. Massive Verspätungen, Probleme mit Fahrkartenautomaten, der Umgang mit Fahrgästen, fehlende Haltepunkte – trotz der morgendlichen Stunde kamen die Bürgermeister, von Otterfing bis Bayrischzell, rasch in Fahrt. „Wir alle haben uns für die BOB extrem aus dem Fenster gelehnt“, fasste Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner die Solidarität der Gemeinden mit Blick auf die Vertragsverlängerung im Jahr 2012 zusammen. „Jetzt sind wir kurz vor dem freien Fall.“

Es waren Worte wie diese, die Schreyer zusammenzucken ließen. „Der massive Vertrauensverlust hat mich am meisten überrascht“, gestand er nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung. Eine Stunde lang hagelte es eigentlich nur Vorwürfe. Die Geduld der Mandatsträger, so stellte der 47-Jährige rasch fest, ist erschöpft.

Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan bemühte sich erst gar nicht um Diplomatie. „Seitdem Sie die Ausschreibung gewonnen haben, hat man den Eindruck, dass Sie’s schleifen lassen“, sagte er unverblümt. „Ich möchte verstehen, wie man es in so kurzer Zeit schafft, derart an Qualität zu verlieren.“ Taktgenau sei inzwischen nur eines – der Wechsel der Geschäftsführer.

Bekanntermaßen verlässt Kai Müller-Eberstein in Kürze nach nur eineinhalb Jahren das Unternehmen. Ihn soll eine Doppelspitze ablösen. Bis das Duo – vermutlich im zweiten Quartal dieses Jahres – seine Arbeit aufnimmt, will Schreyer regelmäßig in Holzkirchen sein und bereits die ersten Problemfelder beackern.

Schreyer versicherte, dass der Konzern die Probleme ernst nehme. Vielfach liege die Ursache aber auch bei der DB Netz AG. Er stellte Verbesserungen und mehr Pünktlichkeit für die zweite Hälfte dieses Jahres in Aussicht.

Mittlerweile habe sich die Oberlandbahn auf 92 Prozent Pünktlichkeit gesteigert, 94 bis 95 Prozent seien das realistische Ziel. Mehr Pünktlichkeit und Kundenakzeptanz lägen auch im Interesse des Unternehmens selbst: „Die Probleme kosten uns einen Haufen Geld.“

Sein Versuch, Verantwortung auch bei der DB Netz AG abzuladen, kam in der Runde nicht gut an. Zwar verantwortet die Bahn wegen diverser Mängel an der Gleisinfrastruktur tatsächlich einen Teil der Verspätungen, für alles sei sie aber nicht zuständig, merkte Ministerin Aigner an: „Die Probleme haben doch mit dem Wechsel des Führungspersonals begonnen.“

Erstaunlich deutlich forderte Bürgermeister Lechner die Rückkehr des früheren BOB-Chefs Heino Seeger. „Damit holen Sie nach außen hin schlagartig das Vertrauen zurück“, sagte Lechner. „Das ist die einzige Lösung, um wieder auf die Beine zu kommen.“ Schreyer, der nach 14 Jahren Beschäftigung bei der Deutschen Bahn selbst erst seit Juli 2014 bei der Veolia ist, schloss diese Option dagegen aus. „Es muss auch mit den Mitarbeitern stimmen, und da ist offenbar viel Porzellan zerschlagen worden“, merkte er an. „Wir arbeiten lieber mit einer anderen Lösung.“ Er habe mit Seeger zwar gesprochen, für einen Beratervertrag stehe dieser aber nicht zur Verfügung. Eines will die Veolia aber trotzdem schaffen. „Wir werden besser“, sagte Schreyer. „Das verspreche ich Ihnen hier.“

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