1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Corona: Hausarzt warnt Geimpfte vor Leichtsinn - „Sie haben Verantwortung“

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Mahnt zur Vorsicht: Dr. Thomas Straßmüller, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands.
Mahnt zur Vorsicht: Dr. Thomas Straßmüller, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands. © Thomas Plettenberg

Dr. Thomas Straßmüller spricht im Interview darüber, welche Regeln Geimpfte weiterhin befolgen sollten - und welche Lockerungen er für vertretbar hält.

Landkreis – „Keine Sorge, ich bin geimpft.“ Ein Satz, der in diesen Tagen im Landkreis immer häufiger zu hören ist. Meist als Begründung, wieso man es mit den AHA-L-Regeln gerade nicht ganz so genau nimmt. Warum diese Einstellung – gerade in Zeiten der sich immer weiter ausbreitenden Deltavariante des Coronavirus – schnell zu Rückschlägen im Kampf gegen die Pandemie führen kann und welche Erleichterungen für Geimpfte hingegen medizinisch vertretbar erscheinen, erklärt der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV), Dr. Thomas Straßmüller, im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Dr. Straßmüller, angenommen, bei einer Veranstaltung sind nur vollständig geimpfte Personen im Raum: Wäre es nicht vertretbar, auf Maske und Abstand zu verzichten?

Straßmüller: Zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Geimpfte werden zwar durch eine geringere Viruslast nicht zum Superspreader, aber sie können das Virus übertragen, ohne selbst zu erkranken. Welche Folgen das – gerade bei einer immer größeren Ausbreitung der Deltavariante haben kann – ist bekannt.

Weisen Sie als Hausarzt beim Impfen darauf hin, dass die AHA-L-Regeln weiter zu befolgen sind?

Straßmüller: Nicht grundsätzlich, weil das ja eigentlich von Haus aus klar sein sollte. Wenn ich aber danach gefragt werde, fällt meine Antwort sehr deutlich aus.

Kennen auch Sie Fälle, in denen Geimpfte die Regeln lockerer auslegen, als sie eigentlich sollten?

Straßmüller: Persönlich nicht. Wenn, dann passiert so etwas aber meist im privaten Umfeld. Eine Umarmung hier, ein Händedruck da. Mit einem vollständigen Impfschutz wird die Zurückhaltung schon weniger. Öffentliche Veranstaltungen, gerade die größeren, sehe ich weniger als Problem. Hier hat ja meist der Organisator selbst ein Auge drauf, dass sein Hygienekonzept eingehalten wird. Einfach, weil ein Ausbruch des Virus mit weitreichenden Folgen verbunden wäre.

Und langfristig auch wieder zu größeren Einschränkungen führen würde...

Straßmüller: Richtig. Entscheidend ist, dass sich auch vollständig Geimpfte ihrer Verantwortung für alle anderen bewusst sind. Aber sobald jeder eine Chance hat, sich impfen zu lassen, werden Geimpfte auf Maske und Abstand verzichten können.

Sollte es weitere Anreize geben, um die zunehmende Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zu bekämpfen?

Straßmüller: Ich bin überzeugt, dass die Politik in diese Richtung gehen wird. Nicht in Form von Geldprämien wie in anderen Ländern, die ich für nicht sinnvoll erachte. Dafür aber beispielsweise mit Quarantäneerleichterungen für Reiserückkehrer aus bestimmten Gebieten. Dagegen spricht meiner Ansicht nach medizinisch nichts. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass man sich konsequent an die AHA-L-Regeln gehalten hat.

Das Gespräch führte Sebastian Grauvogl.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen. Den aktuellen News-Ticker in Sachen Corona für den Landkreis Miesbach finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare