Schwellungen, Schmerzensschreie, Muskelfaserriss

Krankenhausschlägerei: Ex-Miesbacher griff Security betrunken in Hoden

Ein 20-jähriger Ex-Miesbacher musste sich vor Gericht wegen einer Schlägerei im Krankenhaus verantworten. Die Anklage: Er soll einem Security so stark in die Hoden gegriffen haben, dass der drei Wochen an Schwellungen litt.

Agatharied – Eigentlich sollte seine Haftstrafe im Januar 2021 enden. Drei Monate bekam ein 20-jähriger Ex-Miesbacher jetzt aber vom Miesbacher Jugendschöffengericht obendrauf. Der Vorwurf: Körperverletzung und Sachbeschädigung. Im Oktober 2019 soll der Mann ein Telefon im Krankenhaus Agatharied stark beschädigt haben. Zudem soll er einem Security-Mitarbeiter, ebenfalls im Krankenhaus, einen Tritt gegen dessen Knie verpasst und ihm in die Hoden gegriffen haben, sodass dieser vor Schmerzen laut aufschrie.

Vor Gericht sagte der in Handschellen auf der Anklagebank sitzende Mann nun: „Die Hälfte davon stimmt nicht.“ Er habe auf einer Geburtstagsfeier Alkohol getrunken. Daraufhin sei er in der Umkleidekabine eingeschlafen. Seine Freunde dachten, er sei bewusstlos und riefen den Rettungswagen. „Ich war aber klar im Kopf, wollte gar nicht ins Krankenhaus.“

Daran führte jedoch kein Weg vorbei. Im Krankenhaus habe er nach kurzer Untersuchung – ein Atemalkoholtest ergab 1,26 Promille – gebeten, nach Hause zu dürfen. Als die Ärzte ihm das untersagten, „habe ich gegen eine Holzwand geschlagen, woraufhin ein Telefon herunterfiel“.

Als er sich gegen den Willen der Ärzte seinen Weg aus dem Hospiz bahnen wollte, habe ihm ein Security-Mitarbeiter den Weg verstellt und ihn geschubst. Dann sei es zu einer Rangelei gekommen, bei der beide auf den Boden fielen. „Ich wollte mich nur befreien“, klagte der Beschuldigte. „An die Hoden habe ich ihm aber nicht gefasst.“

Zwei Freunde des 20-Jährigen, beide 19 Jahre alt und aus Miesbach, die ihren Kumpel nach seiner Einlieferung im Krankenhaus besuchten, hatten den Griff in die Hoden des Security-Mitarbeiters nicht gesehen, die Rangelei auf dem Boden aber schon.

Dass es zum Griff in sein Skrotum kam, bestätigte das Opfer, ein 49-jähriger Miesbacher. „Er wollte abhauen, ich fing ihn ein.“ Daraufhin seien beide im Handgemenge zu Boden gegangen. „Dann hat er mir – definitiv bewusst – in meinen Hoden gegriffen, sodass ich keine Luft mehr bekam und um Hilfe schrie.“ Die Folgen: drei Wochen geschwollene Hoden und ein Muskelfaserriss.

An den Grund, warum der 20-Jährige im Krankenhaus bleiben sollte, erinnerte sich der 49-Jährige auch: „Die wollten, dass er wegen des kaputten Telefons dableibt.“ Eine Ärztin des Krankenhauses (29) unterstützte die Aussage.

Da der 20-Jährige bereits sechsfach vorbestraft ist, forderte die Staatsanwältin, seine Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung um ein Jahr zu verlängern.

Verteidiger Max-Hermann Jäger sprach jedoch von einer Notwehrsituation. Sein Mandant habe sich aus dem Griff der Security befreien wollen, weil die Rangelei für ihn „eine Art Freiheitsberaubung“ gewesen sei. Er hielt einen Freispruch für angemessen. „Wenn es dennoch zu einer Jugendstrafe kommt“, so Jäger, „dann bitte weit unter einem Jahr.“

Einen Freispruch gab es von Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid nicht. Dennoch wird die Haftstrafe für den 20-Jährigen nur um drei Monate verlängert. „Sie haben da überreagiert“, sagte Schmid zum Angeklagten. „Wenn er Sie geschubst hat, hätten Sie ja einfach zurückschubsen können – aber nicht in die Hoden greifen“.

von Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurzer Prozess: CSU sagt Neujahrsempfang ab
Kurzer Prozess: CSU sagt Neujahrsempfang ab
Corona: Zwei weitere Klassen in Quarantäne - Mehrere Infektionscluster
Corona: Zwei weitere Klassen in Quarantäne - Mehrere Infektionscluster
Stadtentwicklung Miesbach: GWM will mitreden - und wünscht sich festen Ansprechpartner
Stadtentwicklung Miesbach: GWM will mitreden - und wünscht sich festen Ansprechpartner
Linden auf dem Prüfstand: So läuft das ALB-Monitoring in Miesbach
Linden auf dem Prüfstand: So läuft das ALB-Monitoring in Miesbach

Kommentare