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Je mehr Ladestationen, desto größer die Akzeptanz: Die Stadt Miesbach kann sich den Bau zweier Ladestellen fördern lassen, doch im Stadtrat regte sich Widerstand – das sei keine Aufgabe der Kommune.

E-Mobilität in der Kreisstadt Miesbach

Stadträte wollen für Ladestationen kein Geld ausgeben

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Wenn E-Autos irgendwann mal in Miesbach funktionieren soll, braucht es E-Tankstellen. Das Rathaus wollte auch zwei einrichten. Doch der Stadtrat sieht sich nicht in der Pflicht.

Miesbach - Im Miesbacher Stadtrat ist man vorsichtig geworden mit Förderprogrammen. So wurde zuletzt die Möglichkeit, mit Zuschüssen Ladestationen für E-Autos im Stadtgebiet zu installieren, kritisch diskutiert. Ein Votum gab es nicht. Die Entscheidung wurde auf die Zeit nach den Sommerferien vertagt.

Auslöser war die neue Förderrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums, die die „Errichtung einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ auf den Weg bringen soll. Ein erster Aufruf zum Mitmachen ging im Februar an die Kommunen. Der Höchstsatz zur Förderung beträgt bis zu 40 Prozent. Im Freistaat unterstützt die Bayernwerk AG die Städte und Gemeinden bei der Durchführung des Verfahrens.

In Miesbach fiel der erste Kontakt positiv aus: Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) leitete erste Schritte ein für je zwei Ladestationen mit je zwei Ladepunkten am Habererplatz sowie an der Schmiedgasse am AOK-Parkplatz.

Wie Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) in der jüngsten Sitzung des Stadtrats als Sitzungsleiter berichtete, liegen die Gesamtkosten bei 32.700 Euro. 8500 Euro entfallen auf den Anschluss an das Niederspannungsnetz, 24.200 Euro kosten die Ladestationen samt Installation. Der im März eingereichte Förderantrag durch die Bayernwerk AG wurde positiv entschieden: Miesbach bekäme 40 Prozent, müsste als nur 19.620,58 Euro selbst bezahlen – die restlichen 1380,39 Euro übernimmt der Bund. Der Bewilligungszeitraum läuft jedoch nur sechs Monate und endet am 11. November.

Doch unter Zeitdruck wollten sich Teile des Stadtrats nicht setzen lassen. Kritiker gab es in allen Fraktionen, sodass Alfred Mittermaier (CSU) zugeben musste: „Bei uns gibt es keinen einheitlichen Nenner.“

Wie zwiespältig das Thema ist, zeigte die anschließende Diskussion. „Wir müssen uns von der Technologie des 19. Jahrhunderts verabschieden“, forderte Peter Haberzettl (Grüne) und mahnte: „Ohne Ladestationen kommt auch kein E-Auto.“ Für Claus Fahrer (FDP) ist auch diese Technologie bereits wieder veraltet, „jedoch würde ich wegen der Signalwirkung zustimmen“.

Den Ausbau unterstützte auch Verena Assum (CSU), jedoch sah sie die Automobilbranche in der Verantwortung: „Der Ausbau ist keine kommunale Aufgabe.“ Fraktionskollege Markus Baumgartner stimmte zu: „Bei Tankstellen würden wir auch kein Geld ausgeben, damit andere Geld verdienen.“

Fertl verwies dagegen auf die Pionierarbeit. „E-Mobilität steht uns gut zu Gesicht“, stellte er fest. „Wenn wir es als Kreisstadt nicht tun, wird es auch keiner in Bayrischzell machen.“ Die 19.000 Euro seien überschaubar, die Förderquote in Ordnung.

Dem widersprach Erhard Pohl (CSU). „Unser Strom ist doch nicht sauber“, betonte der bekennende Oldtimer-Fan und verwies auf die Kohle- und Atomkraftwerke. Zudem fehlten entscheidende Fakten: „Wer soll den Strom bezahlen, der da gezapft wird?“ Er könne sich lediglich vorstellen, eine Ladesäule beim Bauhof zu installieren: für städtische E-Fahrzeuge – und fremde, allerdings gegen Bezahlung. Zudem ist laut Baumgartner offen, wer für den Unterhalt der Anlagen zuständig sein soll.

Auch für Florian Ruml (FW) ist der Bau kein Thema. „Die Erzeuger wollen nicht in die Infrastruktur investieren“, stellte der Verkehrsreferent fest. „19 000 Euro sind nicht viel, aber das summiert sich auch.“ Zudem fallen damit vier Stellplätze weg – Parkfläche, die heiß begehrt ist. „Wir haben bereits zwei Ladeplätze an der Sparkasse“, ergänzte Ruml. Die seien auch dauerhaft leer. „Diese vier dazu, dann sind es schon sechs.“

Für Gerhard Braunmiller (CSU) stellte sich daher die Frage, ob zwei Ladeplätze nicht reichen würden, wenn sie ebenfalls bezuschusst werden. Denn, so stellte er fest: „Wir sollten die neue Technologie schon fördern.“

Die aufgeworfenen Fragen sollen bis zur Sitzung im September beantwortet werden. Dazu gehört auch der Vorschlag von Walter Fraunhofer (SPD). Er hatte angeregt, in Tegernsee und Rottach-Egern nach Erfahrungswerten zu fragen. Fertls Reaktion auf die Ladesituation im Tegernseer Tal fiel eher trocken aus: „Das E-Werk wird wohl kaum Miesbach sponsern.“

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