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Der erste Wirtschaftsweg: Der Salzweg führte direkt durch Miesbach. Heimatführerin Sonja Still (Mitte) erklärt, warum das Salz so wertvoll wie Gold war.

„Es war üblich, dass zu Hause privat gebraut wurde“

Ein Genuss-Rundgang durch Miesbach: Von Bier, Salz und Sauerkraut

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Miesbach ist vor allem durch Tracht und Viehzucht bekannt. Doch auch in Sachen Genuss hat es eine bewegte Geschichte zu erzählen - über Bier, Salz und auch Gasthöfe.

Miesbach – Heutzutage kennen die meisten Miesbacher den Habererplatz wohl nur noch als Parkplatz. Doch genau da stand einst die größte Landbrauerei Bayerns – die Brauerei Waitzinger. „Susanna Waitzinger war die Frau, die Miesbach eine Zukunft gab“, sagte Heimatführerin Sonja Still gestern bei einer Stadtführung zum Thema „Kulinarische Geschichten und Genussgeschichten - weil es in Miesbach soviel Gutes gibt“. Eine von verschiedenen Führungen, die das Kulturamt zur 100-jährigen Stadterhebung anbietet.

Auch heute noch hat der Name „Waitzinger“ eine große Bedeutung in Miesbach. In den Gewölben des Waitzinger Kellers wurde früher das Bier gelagert – heute gibt es dort Kulturgenuss. Hinter dem Waitzinger Bräu am Stadtplatz wurde damals Bier gebraut. Ausgeschenkt wurde es vorne im Gasthaus, das Madame Susanna Waitzinger zum Hotel ausgebaut hatte.

Die Miesbacher Biergeschichte geht im unteren Teil der Stadt weiter. Heinrich Huber braute im Stallechner-Haus im Marktwinkel Ende des 19. Jahrhunderts den Vorläufer des heutigen Hopf-Biers. „Es war üblich, dass zu Hause privat gebraut wurde“, erklärte die Heimatführerin. Das Weißbräustüberl, in dem vor dem Umzug der Hopf-Brauerei an die Schützenstraße das Bier entstand, war laut Still eine große Attraktion. „Es war auf jeder Postkarte abgebildet.“

Ein beliebtes Ausflugsziel war Miesbach damals allemal. Neben dem Waitzinger Bräu gab es am Stadtplatz sechs weitere Gasthöfe. In welchem Haus man damals speiste oder die Nacht verbrachte, hing vom sozialen Status ab. „Im Waitzinger Bräu empfing die Madame ihre Gäste“, erklärte Still. Im Haus auf der anderen Straßenseite, heute Stadtplatz 15, nächtigte der Prinzregent.

Direkt nebenan führte der Salzweg, so heißt die Straße auch heute noch, durch den Ort. Dabei handelte es sich um den ersten Wirtschaftsweg. Von Bad Reichenhall, oft auch noch weiter Richtung Salzburg, wurde das dort abgebaute Salz über Miesbach bis in die großen Städte wie München und Augsburg, oder auch in die Schweiz transportiert. „Salz war damals so wertvoll wie Gold“, sagte Still. Der Grund: Die Salzgewinnung sei wahnsinnig gefährlich gewesen, Kenntnisse über die Gewinnung seien kaum vorhanden gewesen.

Was man früher jedoch wusste, war, wie wichtig Sauerkraut für die Gesundheit ist. „Wer damals kein Sauerkraut zu sich nahm, erlitt oft schwere Krankheiten, weil ihm das Vitamin C fehlte“, erklärte die Heimatführerin. Christian Wieser vom Landhandel in der Kirchgasse stellt das Produkt auch heute noch selbst in großen Töpfen her.

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte Miesbachs war die Entstehung der Frauenschule. „Frauen durften hier lernen und sogar arbeiten“, zitierte Still aus dem Miesbacher Stadtführer, den sie selbst verfasst hat. Das war nicht üblich – schon gar nicht ohne Zustimmung des Mannes. Frauen hatten laut Still auch kaum Fähigkeiten zum Kochen. Gingen etwa die Holzknechte von Montag bis Samstag zur Arbeit, hatten sie außer Sauerkraut, einem Kübel Schmalz und einem trockenen Brot nichts dabei. „Mehr haben sie damals nicht zusammengebracht.“

Mit dem bayerischen Kochbuch der Miesbacher Lehrerin Maria Hofmann änderte sich das. Nachdem Carry Brachvogel, die überregional bekannte Mitstreiterin der Frauenbewegung und Kämpferin für Frauenrechte, das Vorwort dazu schrieb, und wegen der Frauenschule oft zu Besuch kam, rückte die Stadt ins Rampenlicht. Miesbach wurde in Sachen Genuss, Kochen und Essen immer bekannter. Still: „Da wo das Klischee herrscht, alles sei von vorgestern, entstanden neue Denkweisen.“

Lesen Sie auch: Ein Jahr im Zeichen der Stadterhebung. Das bunte Programm zum 100-Jährigen.

Die Stadtführung

„Kulinarische Geschichten und Genussgeschichten - weil es in Miesbach soviel Gutes gibt“, gibt es noch zwei Mal. An den Donnerstagen, 12. Juli und 2. August, jeweils von 9.30 Uhr bis 11 Uhr. Die Teilnahmegebühr beträgt sechs Euro. Anmeldung im Waitzinger Keller unter  0 80 25 /7 00 00 oder ticket@waitzinger-keller.de.

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