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Ein Jahrzehnt im Zeitraffer: Unser großer Rückblick für den Raum Miesbach

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Von: Dieter Dorby

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2010er-Jahre, Raum Miesbach
Prägendes aus den 2010er-Jahren (von oben und weiter v.l.): Sudelfeld-Modernisierung, Krankenhaus-Investitionen – hier ein neuer OP-Saal –, neue Oberlandhalle, Nici Kutter, Philipp Lahm steigt bei Sixtus ein, übernimmt ganz und verlässt dann den Landkreis, der Asiatische Laubholzbockkäfer und der Miesbacher Marktplatz. © archiv al, tp, mzv

Mit der Silvesternacht beginnt auch ein neues Jahrzehnt. Wir nutzen das Ende der 2010er-Jahre für einen großen Rückblick. Wie hat sich der Raum Miesbach verändert?

Miesbach & Umgebung – In den 2010er-Jahren wurde im Raum Miesbach einiges umgesetzt, was lange geplant war. Die Sanierungen von Realschule und Gymnasium etwa. In Irschenberg siedelte sich Dinzler an und erweiterte sogleich, und vieles mehr, wie unser Rückblick zeigt.

Sudelfeld-Modernisierung

Nach vielen Jahren der Planung und des Widerstands beginnt 2013 die Modernisierung des Skigebiets Sudelfeld. Investiert wird in Deutschlands größten Speicherteich, in den umfassenden Ausbau der Beschneiung sowie in zwei große Bergbahnen am Waldkopf (Sechser-Sessellift, 2015) und zum Oberen Sudelfeld (Achter-Sessellift, 2017). Weit über 20 Millionen Euro werden verbaut.

Oberlandhalle und Alpengroßmarkt

Miesbach und der Viehmarkt: Das gehört einfach zusammen. Nach langer Standortsuche braucht es aber einen Bürgerentscheid, ehe am Standort Straß gebaut werden kann. 2014 wird die neue Oberlandhalle fertig, am Altstandort siedelt sich der Alpengroßmarkt an. Dies zieht Supermarkt-Neubauten in Miesbach und Hausham nach sich und – wie sich fünf Jahre später herausstellen wird – kommt damit auch der...

Asiatische Laubholzbockkäfer

Der Eindringling ist wohl mit Paletten aus China ins Oberland gekommen. 2019 im Sommer wird der ALB, wie er verkürzt genannt wird, in einem Baum am Finanzamt entdeckt. Sein Auftauchen wird Teile Miesbachs auf Jahre hinweg verändern. Im Umkreis von 100 Meter um jeden einzelnen Fundort müssen potenzielle Wirtsbäume gefällt werden.

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Der Wolf

Um den großen Beutegreifer, der sich in vielen Regionen Deutschlands längst wieder angesiedelt hat, wird in Bayern heftig gestritten. Auch im Kreis Miesbach. 2010 reißt ein Wolf in Bayrischzell vier Schafe. Gerüchteweise wird er illegal abgeschossen. Fünf Jahre später taucht er in Fischbachau auf, auch hier wird ein Schaf getötet. Seitdem kamen keine gesicherten Vorkommnisse hinzu. Die Debatte um den Umgang mit dem Wolf prägt aber bis heute die Diskussion bei den Almbauern.

Neue Ortsteile

Der Siedlungsdruck ist groß. Zwei große Bauprojekte können im Schlierach-/Leitzachtal für die Reaktion der Gemeinden stehen. In Fischbachau wird das Wolfsee-Areal baureif gemacht, und in Schliersee endet die Ära des Holzwerks Fichtner am Breitenbach. Die Gewerbeflächen werden für Wohnbebauung gebraucht. Das Volumen mit etwa je 60 Wohneinheiten rechtfertigt die Feststellungen, dass hier regelrecht neue Ortsteile entstehen. Gegebenenfalls müssen die Gemeinden in Sachen Infrastruktur – unter anderem Krippenplätze – nachziehen.

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Sixtus siedelt ab

Eine Traditionsfirma, gegründet in Schliersee, zieht sich aus dem Landkreis zurück. Nach der Übernahme durch Franz Kroha und dem späteren Einstieg von Philipp Lahm will der Hersteller von Körperpflegemitteln speziell für Sportler an der Seestraße in Schliersee einen neuen Firmensitz bauen. Ein Bürgerentscheid macht den Plänen 2016 einen Strich durch die Rechnung, die Ansiedlung in Fischbachau stoppt Sixtus – inzwischen ist Kroha ausgestiegen – selbst. Zu groß, zu teuer für das Unternehmen, das auch wirtschaftlich unter dem Hin und Her leidet. 2019 verlässt es endgültig Hausham und zieht mit nur noch zwei Angestellten nach Bad Aibling. Die Herstellung wird an Drittanbieter gegeben.

Investitionen im Krankenhaus

Eine Einrichtung, die weniger im Fokus steht, aber ein wichtiger Baustein der Daseinsvorsorge ist. Viel hat sich in zehn Jahren geändert: Herzkatheter-Labor, Onkologisches Zentrum für Strahlentherapie, eine hochmoderne Endoskopie, neue OP-Säle. Viele Millionen Euro flossen in den Zehner-Jahren in die Klinik. Im Licht der Entwicklungen außerhalb des Landkreises (Bad Tölz, Bad Aibling) beachtenswert: Die Geburtshilfestation blieb erhalten. In den kommenden Jahren soll unter anderem in Parkdeck, Geriatrische Klinik und Mitarbeiterwohnungen investiert werden.

Klostergelände Miesbach

Es war ein Plan, an dem seit Anfang des Jahrzehnts fleißig gefeilt wurde: das Museum im alten Klostergebäude. Ein historisches Haus als authentische Heimat für die geschichtliche Sammlung der Stadt. Dafür setzt sich der Museumsverein mit viel Engagement und Herzblut ein, um auf der Zielgerade abgefangen zu werden. Als es mit Bau und Kosten konkret wird, kommt im Juni 2018 das Aus: Das Kloster wird nun zum Kinderhaus. Und das Museum? Steht weiterhin in der Warteschleife, nur diesmal ohne konkreten Plan.

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Anbau Heimatmuseum

Hier wird augenscheinlich „nur“ ein neuer Kindergarten gebaut – was als Beispiel für zahlreiche ähnliche Projekte im Landkreis gelten kann – doch für Schliersee bedeutet der Anbau ans Heimatmuseum mehr. Es ist ein erster sichtbarer Schritt auf dem langen Weg einer Ortsmitte-Entwicklung. Dieser Weg begann 2009 – mit dem Umzug der letzten Grundschulklassen nach Neuhaus.

Marktplatz Miesbach

Die Umgestaltung des Marktplatzes ist das Dauerthema im Stadtrat. Seit Jahrzehnten wird darüber debattiert, und letztlich scheitert es immer irgendwie am Geld. Oder an Parkplätzen. Oder an beidem. Diesmal nähert sich die Stadt dem Thema innovativ: Nachdem Stadtplaner Otto Kurz 2013 sein Stadtentwicklungskonzept vorgestellt hat, wird nicht das x-te Gutachten in Auftrag gegeben, sondern mit Schorsch Danner ein Citymanager engagiert. Sein Auftrag: die Geschäftsleute für eine gemeinsame Entwicklung ins Boot holen. Stammtische entstehen, der Stadtentwicklungsausschuss wird gegründet. Der Mitmach-Prozess läuft bis zu Danners Aus 2015. Nach einer Phase des Stillstands initiiert Stadtrat Markus Seemüller 2017 den Arbeitskreis Marktplatz, in dem ein fraktionsübergreifender Kompromiss für eine Umgestaltung erarbeitet wird. Die wird Ende Juli 2018 fertiggestellt – und steht seitdem in der Kritik. Bei der Evaluation 2019 ermutigt ein Fachplaner aber zum konsequenten Schritt weg von den Parkplätzen. Fortsetzung folgt – im nächsten Stadtrat.

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Nici Kutter

Sein Schicksal kann stellvertretend stehen für viele Menschen, die unerschütterlichen Lebenswillen gezeigt und den Kampf doch verloren haben. Der Schlierseer Nicolas Kutter erhält 2014 die dritte Krebsdiagnose. Für eine neuartige Therapie in den USA braucht die Familie Geld. Binnen kürzester Zeit kommen 440 000 Euro an Spenden zusammen. Insgesamt sechs Mal scheint die Leukämie in Nicis Körper besiegt. „Ich will leben“, sagt er. Vermutlich der eindringlichste Satz des Jahrzehnts im Kreis Miesbach. Im Februar 2019 verliert der junge Schlierseer den Kampf. Nici stirbt kurz von seinem 20. Geburtstag in den Armen seiner Mutter und seines ältesten Bruders.

Von Daniel Krehl

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