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„Ruhig bleiben und aus Fehlern lernen“

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Von: Dieter Dorby

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Eines der letzten Fotos: Bruno der Bär wurde am 26. Juni 2006 bei der Kümpflalm im Spitzingseegebiet geschossen.
Eines der letzten Fotos: Bruno der Bär wurde am 26. Juni 2006 bei der Kümpflalm im Spitzingseegebiet geschossen. © MM Archiv

Der nächste Bär ist da. 13 Jahre nach dem Abschuss von Bruno tappte nun ein Artgenosse in eine Fotofalle im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Im Oberland heißt es derzeit: abwarten und beobachten. Und ja nicht die Fehler machen wie damals beim Problembären Bruno.

Der Bär ist los, aber diesmal bleibt man gelassen. Beim Landesamt für Umwelt heißt es, beim neuen Bären gebe es „gar keinen Grund zur Beunruhigung“. Das Tier verhalte sich „absolut wildtiertypisch, unauffällig und scheu“. Derzeit suchen Experten nach weiteren Spuren des jungen männlichen Braunbären.

Ein großer Vorteil: Die Almsaison ist vorbei

Für Christine Miller war es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Bär im Oberland auftaucht. „Der Zeitpunkt, an dem er aufgetaucht ist, ist günstig“, sagt die Wildbiologin und Jägerin aus Rottach-Egern, die zudem Vorsitzende des Vereins „Wildes Bayern“ ist. „Die Almsaison ist vorbei, das Vieh ist abgetrieben. Das ist gut.“ Denn so gebe es wenig Berührungspunkte zwischen Mensch und Wildtier.

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Dennoch sei dies kein Grund, um sich zurückzulehnen. „Man muss den Bären nun genau beobachten, um einschätzen zu können, wie man auf ihn reagieren soll. Ist er auffällig? Oder unauffällig? Und was will man tun, wenn er auffällig wird?“ Bis zum Frühjahr habe das Landesamt für Umwelt Zeit, um sich ein Bild zu machen. „Der Handlungsdruck ist akut“, betont Miller. „Es gilt Daten zu sammeln für eine qualitative Einschätzung, um dann entscheiden zu können.“

Bislang unter dem Radar geblieben

Bislang sei der neue Bär gewissermaßen unter dem Radar geblieben. „Er war unauffällig“, sagt Miller. Ein großes Thema sei er unter Jägern bislang nicht gewesen. Aber man dürfe sich davon nicht in Sicherheit wiegen lassen. Einen Bären könne sie sich in der Region durchaus vorstellen. „Es gibt Gebiete, wo er relativ konfliktarm bleiben kann – aber dazu braucht es die Toleranz des Menschen.“

Auch Georg Mair aus Gaißach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), bis vor Kurzem noch Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins, gibt sich derzeit gelassen – obwohl er ein klarer Befürworter bei der Entnahme von Wolf und Bär ist. „Der Bär ist unauffällig, deshalb sehen wir die Situation entspannt“, sagt er. „Wenn es allerdings ausartet, muss man die nötigen Maßnahmen ergreifen. Wie die dann aussehen, wird sich zeigen.“

„Den Bären ziehen lassen“

Für Martin Weinzierl, Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbands im Landkreis Miesbach, ist die aktuelle Lage einfach. „Tut ihm nichts“, sagt er. „Wenn der Bär kein Sicherheitsrisiko ist, sollte man ihn ziehen lassen.“ Aus seiner Sicht gebe es derzeit keinen Handlungsbedarf. Der Politik rät er, besonnen zu sein. „Damals bei Bruno ist das nicht gut gelaufen. Da waren einige überfordert.“ Für die Jäger sei der Bär kein großes Thema, „denn er ist eine streng geschützte Art. Ich sehe es positiv, dass der Bär da ist. Nur muss man diesmal anders mit ihm umgehen“. Dass das Vieh nicht mehr auf den Almen steht, entspanne die Situation. Weinzierl rät nun dazu, den Bären zu beobachten und miteinander zu reden. Immerhin sei die Stimmung derzeit nicht aufgeregt. „In Garmisch sieht man’s ähnlich.“

ddy

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