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Eine Frage des Gesamtangebots

So präsentierten sich die vier Bürgermeisterkandidaten von Miesbach

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Für die Miesbacher wird die Wahl des neuen Stadtoberhaupts nicht leicht. Bei der Podiumsdiskussion im Bräuwirt zeigten die vier Kandidaten, dass sie bei der Vielzahl der Themen teils gemeinsame, teils unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Die Podiumsdiskussion des Miesbacher Merkur am Donnerstagabend hat gezeigt: In Miesbach geht’s diesmal ums Ganze. Nach 17 Jahren unter Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) erfolgt nun ein Wechsel an der Spitze des Rathauses. Mit Gerhard Braunmiller (CSU, 53), Astrid Güldner (Grüne, 52), Walter Fraunhofer (parteilos, 51) und Florian Hupfauer (FDP, 30) treten vier Bewerber an – entsprechend groß war das Interesse, was das künftige Stadtoberhaupt zu bieten hat. 300 Leute verfolgten den Diskurs im Saal. Viele weitere schauten sich im Online-Livestream ein Stockwerk tiefer in der Wallenburger Stube sowie am Bildschirm daheim an, wie sich das Quartett zu den Fragen von Merkur-Redaktionsleiter Stephen Hank positionierte.

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Wahlprogramme sind das eine, doch letztlich kommt es auf die Persönlichkeit an. Die vier auf der Bühne versuchten, ihre Vorzüge in Szene zu setzen. Eine gewisse Anspannung war bei allen bemerkbar – mit Visionen oder speziellem Esprit wusste keiner zu punkten. So blieben inhaltliche Positionen im Fokus.

Verschiedene Stärken und Schwerpunkte gezeigt

Braunmiller, Ingenieur und Bauexperte, setzte auf planvolles Handeln. Auf der Bühne war er strukturiert und legte erneut selbstbewusst seine Pläne zu Marktplatz, Parkhaus und energetischer Sanierung vor.

Voller Saal: 300 Zuhörer hörten sich die Diskussion auf der Bühne an.

TV-Journalistin Güldner setzt dagegen auf Kommunikation und parteiübergreifende Lösungen. Straßen haben bei ihr nicht die oberste Priorität, dafür aber der Einstieg in Nachhaltigkeit und Angebote für ältere Jugendliche. Vor allem setzt sie auf Dialogbereitschaft.

Für Ex-Feuerwehrkommandant und Betriebs- und Installationsmeister Fraunhofer geht es in erster Linie darum, die anstehenden Aufgaben zu meistern. Jede Menge Pflichtprogramm, da scheint für die Kür kaum Platz zu bleiben. Beim Wohnungsbau will er eine stadteigene Gesellschaft gründen – wenn möglich mit dem Vermögen der Gillhuber-Stiftung als Grundstock.

Automobilverkäufer Hupfauer blieb die Rolle des Außenstehenden. Als Einziger ist er nicht im Stadtrat vertreten und bewertete dessen Arbeit kritisch. Er wolle vor allem wieder deutlichere Entscheidungen im Stadtrat forcieren.

Unterschiedliche Positionen beim Wohnungsbau

Bei den verschiedenen Themen zeigten sich wechselnde Gemeinsamkeiten. Im Wohnungsbau ist es für Hupfauer wichtig, Leerstand zu beheben

Wer im Saal keinen Platz mehr fand, verfolgte im Stüberl den Livestream im Internet..

– das sei Aufgabe eines Bürgermeisters. Fraunhofer setzt dagegen auf eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft. Damit könne man zeitlich unbegrenzt bezahlbaren Wohnraum anbieten. Güldner denkt einen Schritt weiter mit der Gründung von Stadtwerken, in die der Wohnungsbau integriert werden könnte. Braunmiller indes glaubt, dass mit dem Bauprojekt Am Gschwendt, der Entwicklung von Müller am Baum und der angedachten Bebauung des Habererplatzes einiges auf dem Weg ist, „um Druck rauszunehmen“.

Diverse Ideen für mehr Bürgerbeteiligung

Mehr Bürgerbeteiligung haben sich alle vier Kandidaten auf die Fahnen geschrieben. Fraunhofer denkt da an Bürgersprechstunden, und Hupfauer will die Sitzungen des Stadtrats live als Online-Livestream senden. Braunmiller hat bei entsprechenden Themen Bürgerversammlungen mit 3D-Präsentationen vor Augen. Auch Stammtische und Stadtwerkstatt hätten sich bei der Stadtentwicklung bewährt. Güldner brachte ein Jugendparlament ins Spiel.

Das Dauerthema Marktplatz durfte auch nicht fehlen. „Der Marktplatz funktioniert“, stellte Fraunhofer fest. Ob man sich mehr leisten könne? Da sei er skeptisch – „wir haben andere Sorgen“. Güldner hat aus Gesprächen mit Geschäftsleuten mitgenommen, dass diese sich nun „Ruhe wünschen“. Ein Parkhaus kann sich Hupfauer gut vorstellen. Das hatte Braunmiller vor Kurzem zusammen mit einer Umgestaltung des Unteren Markts nach dem Schott-Konzept von 1996 vorgestellt (wir berichteten). Die Finanzierung sei kein Problem, erklärte Braunmiller. Parkdeck wie Markt benötigten je eine Million Euro Fremdkapital. Das seien bei 0,8 Prozent Zinsen 37 000 Euro pro Jahr. „Das kann sich die Stadt leisten.“

Für viele Zuhörer war es ein informativer Vergleich. Einen festen Kandidaten – so ergab ein Stimmungsbild – hatten aber nur wenige.

ddy

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