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Traditionsreiche Handwerkskunst: Im Film über Miesbach lassen sich (hinten v.l.) Joshua Burkert, Michael Niedhammer, Michael Fischbacher und Thomas Marzusch von Ferdinand Moser zeigen, wie eine Lederhose entsteht.

Film zum Jubiläum

Eine Liebeserklärung an Miesbach

Miesbach  -  900 Jahre Erstwähnung Miesbachs – für die Kreisstadt war das diesjährige Jubiläum die beste Gelegenheit, ein Zeitdokument in eigener Sache in Auftrag zu geben. Ein junges Film-Team bekam den Zuschlag und präsentierte nun ein vielfach gelobtes Werk.

Vertrauen zahlt sich aus. Als die Stadt vor zwei Jahren an das junge Foto- und Film-Team namens Bayern-Panorama herantrat, waren die Vorgaben übersichtlich. „Wir wollten einen Film, der Miesbach zeigt“, erinnert sich Martin Fischhaber, Leiter des Kulturzentrums Waitzinger Keller. „Die Trachtler und das Fleckvieh sollten darin vorkommen. Zudem sollten die Stadt und ihr Umland gezeigt werden.“ Und das alles natürlich ansprechend. Der Rest lag im Ermessen der Kreativen.

Als Fotodesign-Studenten haben sich Michael Fischbacher (25, Regie, Produktion, Kamera) aus Miesbach, Michael Niedhammer (25, Ton, Zeitraffer) aus Rimsting am Chiemsee, Joshua Burkert (24, Kamera, Schnitt) aus Petershausen und Thomas Marzusch (23, Kamera, Licht) aus Garmisch-Partenkirchen an der Uni in München kennengelernt und erste berufliche Projekte gestartet. Seit 2008 produzieren Fischbacher und Niedhammer mit ihrer in Miesbach ansässigen Firma Bayern-Panorama 360-Grad-Rundgänge, Webdesign und Apps, unterstützt von Burkert und Marzusch. Für das Film-Projekt gründeten sie ihre neue, gemeinsame Firma Kreativ-Instinkt.

Doch wie zeichnet man das Portrait einer Stadt? „Wir hatten konkrete Vorstellungen, aber auf der Suche nach Inspiration haben wir festgestellt, dass es keinen solchen Film gibt“, erklärt Fischbacher. Schnell war den vier jungen Männern klar, dass für ihre Pläne digitale Spiegelreflexkameras nicht ausreichen. Eine richtig große Filmkamera musste her. Und ein Multicopter – eine ferngesteuerte fliegende Kamera-Drohne für die Luftaufnahmen. „Wir haben erst versucht, aus einer Cessna zu filmen“, berichtet Marzusch. „Aber die Mindesthöhe von 300 Metern war für uns viel zu hoch.“

Gut eineienhalb Jahre lang wurde gefilmt. Durch sämtliche Jahreszeiten. Teilweise mit bis zu fünf Kameras gleichzeitig, um den richtigen Blickwinkel einzufangen. Drehplätze mussten gefunden und ausprobiert werden, das Wetter musste passen. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger Streifzug mit Zeitlupen- und Zeitraffersequenzen – eine künstlerische Liebeserklärung an Miesbach. So sticht die dicke Nadel der alten Nähmaschine von Säckler Ferdinand Moser beinahe tanzend ihre Nähte in die Lederhose. Eine Joggerin, zwei Mountainbiker und ein Freeskier führen durch die abwechslungsreiche Landschaft rund um die Kreisstadt mit Wendelstein, Spitzinggebiet und Schliersee. Rennrodlerin Natalie Geisenberger darf dabei ebenso wenig fehlen wie der Bräuwirt und ein Blick in die Hopf-Weißbierbrauerei.

Zu den Bildern musste die richtige Musik gefunden werden. Die elektronischen Instrumentalstücke stammen von Known.Surroundings sowie Doppelgänger und wurden zum Teil für den Film angepasst. Weltmusik trifft Heimat. „Wenn man Musik und Bild voneinander trennt, lenkt das den Fokus aufs Bild“, erklärt Fischbacher. Im Film bekommen die Aufnahmen der tanzenden Trachtler so eine neue Dimension.

„Es hat sehr geholfen, dass ich Miesbach kenne“, sagt Fischbacher. Doch seine Kolegen hätten mit ihrem Blick von außen die Schwerpunkte definiert. „Sie haben oft gesagt: Das ist sehr schön, aber das macht für uns nicht Miesbach aus.“ Ziel sei es, den Zuschauer emotional zu packen. Alle vier leben mittlerweile in München, stammen jedoch aus der Region. „Aus der Distanz weiß man das Ländliche mehr zu schätzen“, sagt Marzusch. Dieser distanzierte Blick auf die Heimat habe allen sehr geholfen.

Mit welcher Summe die Stadt ihren Film gefördert hat, ist Vertragsgeheimnis, sagt Kulturchef Fischhaber, der mit dem Ergebnis richtig glücklich ist. Viel habe das Film-Team aber nicht verdient – was Fischbacher bestätigt: „Wir hatten viele Zusatzkosten durch die Technik. Aber das haben wir akzeptiert, denn der Film war die Chance, uns zu verwirklichen.“ Damit wollten sich die vier auch für das Vertrauen der Stadt bedanken.

Immerhin: Kreativ-Instinkt hat sich so eine herausragende Visitenkarte gemacht. Und die könnte mit Glück auch bayernweit die Runde machen. Denn Fischhaber will den Streifen dem Fernsehen anbieten. Und selbst eine Director’s-Cut-Kinoversion ist denkbar, wie das Film-Team mit Augenzwinkern erklärt: „Wir haben noch jede Menge Material, das wir nicht mehr untergebracht haben.“

Eine Kritik zum Film lesen Sie hier.

Dieter Dorby

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