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Probesitzen im neuen Wohnzimmer: Moderatorin und Lehrerin Franziska Tittert (l.) begrüßt die versammelte Schulfamilie um Schulleiter Rainer Dlugosch (vorne 2.v.r.) sowie (vorne v.l.) Stadtpfarrer Stefan Füger, Pfarrerin Anika Sergel-Kohls, die ehemalige Rektorin Katharina Laubmeier und (ab vorne 6.v.l.) Landrat Wolfgang Rzehak, Bürgermeisterin Ingrid Pongratz und Ministerialdirigent Walter Gremm in der Aula des generalsanierten Gymnasiums.

Einweihung des generalsanierten Gymnasiums

Eine zauberhafte Schule

Miesbach – Fünf Jahre lang lernten die Miesbacher Gymnasiasten auf einer Baustelle. Gestern ist die generalsanierte und erweiterte Schule offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden. Obwohl sich das Gebäude seit 1964 stark verändert hat: Seinen besonderen Zauber hat sich das Gymnasium bewahrt.

Wie in einer Magierschule sind sich die Schüler und Lehrer des Gymnasiums Miesbach in den vergangenen fünf Jahren vorgekommen. „Plötzlich war eine Wand, wo vorher noch ein Flur war“, erzählte Elternbeiratsvorsitzende Dagmar Herrmann gestern bei der Einweihungsfeier in der Aula der generalsanierten und erweiterten Schule. Und so manches Treppenhaus habe auf einmal ganz woanders hingeführt. „Wie in der Zauberschule Hogwarts  in den Harry Potter-Büchern“, fügte Herrmann schmunzelnd hinzu.

Doch die meiste Zeit über lasteten die Bauarbeiten eher wie ein böser Fluch auf dem Schulalltag. Presslufthammerlärm während der Prüfungen, Feueralarm durch Zementstaub, Heizungsausfall in den provisorischen Schulcontainern im ehemaligen Krankenhauspark. „Auch unter den extremsten Bedingungen haben alle so getan, als wäre das ganz normal“, lobte Schulleiter Rainer Dlugosch. Keine Selbstverständlichkeit bei einer „Operation am offenen Herzen“, wie Landrat Wolfgang Rzehak die Dauerbaustelle im laufenden Unterrichtsbetrieb bezeichnete. Doch die Zustände am Gymnasium seien nicht mehr tragbar gewesen.

Seit 1964 war die Schülerzahl stetig angewachsen. Trotz mehrerer Anbauten wurde das Gebäude an der Haidmühlstraße 2009 mit 1140 Schülern endgültig zu klein. Zur Raumnot mit nur 22 Klassenzimmern im Haupttrakt und zehn im gegenüberliegenden Holzbau kamen noch der mangelhafte Brandschutz und die fehlende Barrierefreiheit hinzu. „Mit Flickschusterei war da nichts mehr zu machen“, erklärte Rzehak. Also nahm der Landkreis 25,7 Millionen Euro in die Hand, um die Schule auf den neuesten Stand zu bringen. Der Freistaat beteiligte sich mit 5,3 Millionen Euro an den Baukosten. Auch wenn die Investitionen den Kreishaushalt noch lange belasten werden: „Wir haben damit für eine zukunftssichere Hardware gesorgt“, sagte der Landrat. Jetzt sei es an der Schulfamilie, das Gebäude mit Leben zu füllen.

Das sei bereits passiert, versicherte Dlugosch: „Wir haben die Segel gesetzt.“ So könne das Gymnasium dank nun 41 mit modernster Technik ausgestatteter Klassenräume und runderneuerter Aula, Pausenhof, Schulgarten und Campus unter anderem mit einer offenen Ganztagsbetreuung sowie Zusatzangeboten wie Klettern aufwarten.

Ministerialdirigent Walter Gremm beeindruckten vor allem die zahlreichen Laptops und Beamer in den Klassenzimmern sowie die vier Mediensäulen, an denen die Schüler ihre eigenen Geräte anstöpseln können. „Das Ende der Kreidezeit am Gymnasium Miesbach ist eingeläutet“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Dass die momentan ausgelagerte Pegasus-Figur wieder einen Platz finden wird, nahm Gremm ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis. Aber auch die Baustellensorgen der vergangenen fünf Jahre habe er hautnah mitbekommen – den aufgeregten Anrufen der damaligen Schulleiterin Katharina Laubmeier sei Dank.

Deren „unermüdlichen Einsatz“ würdigte ihr Nachfolger Dlugosch mit einem Blumenstrauß. „Sie waren Ideengeberin und kritischer Bauvorstand in einem“, lobte er Laubmeier. Die reichte die Lorbeeren an ihre ehemaligen Direktoratskollegen weiter, und gab die eine oder andere Anekdote zum Besten. So habe etwa ein „rhetorischer Vulkanausbruch“ von Georg Gröbmeyer verhindert, dass die Architekten aus der geliebten Aula eine „Badewanne“ gemacht hätten. Und Informatiklehrer Markus Gamperling habe höchstpersönlich kontrolliert, dass die Buchsen in den Mediensäulen korrekt verdrahtet sind.

Dass auch die Baustellennachbarn einiges aushalten mussten, wollte Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz nicht unerwähnt lassen. „Aber gemeinsam haben wir diese Herkulesaufgabe bewältigt“, sagte sie. Wohl kaum einer im Saal konnte besser beurteilen, wie sich das Gymnasium seit seinen Anfangsjahren verändert hat. Schließlich hatte die Bürgermeisterin ab 1966 selbst dort die Schulbank gedrückt. Schon damals müssen sich die Lehrer wie verhext vorgekommen sein, als sie nach einer Freistunde plötzlich im leeren Klassenzimmer standen. „Wir haben unsere Pausen ab und zu im Weißbräustüberl verlängert“, erzählte Pongratz schmunzelnd. Nicht nur diesen Zauber hat sich das Gymnasium wohl bis heute bewahrt.

Sebastian Grauvogl

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